10.02.2019 - 17:01 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Hermann Hesse, der Bürgerschreck

Hermann Hesse war ein Dichter, der in seiner Zeit aus der Reihe tanzte. Bei der musikalischen Lesung in der Marktsmühle wurde dieser große deutschsprachige Schriftsteller auf eine fast vertraute Weise dem Publikum nahe gebracht.

Der Schauspieler Klaus Brückner schuf mit seiner Gedichtauswahl ein authentisches Bild des Dichters Hermann Hesse.
von Georg LangProfil

"Herrmann Hesse tanzt aus der Reihe", lautete der Titel der musikalischen Lesung von Klaus Brückner und Sunyata Kobayashi im Kulturzentrum der Marktsmühle. Der Schauspieler und Kabarettist sowie der Musiker mit japanischem Hintergrund bescherten den Freunden der Kunst einen vergnüglichen Abend. Aus Hesses rund 1500 Gedichten hatte Klaus Brückner eine wohldurchdachte Auswahl getroffen, die den typischen Hesse als Bürgerschreck präsentierte, der die Institutionen Schule, Militär, Kirche und Politik seiner Zeit kritisch aufs Korn nahm.

Mit Liedern und Gitarrenmusik begleitete Sunyata Kobayashi die Gedichtvorträge in der Marktsmühle.

Musik lockert auf

Die Satire und die leichte Unterhaltung kamen bei der Lesung aber nicht zu kurz. Das lag einerseits am eingängigen Vortragsstil des Schauspielers Klaus Brückner, der mit aufschlussreichen biographischen Hintergrundinformationen zu Hermann Hesse (1877 bis 1962) nicht sparte. Andererseits verliehen die Gitarrenmusik und der Gesang von Sunyata Kobayashi dem Abend eine besondere Note. "Gedichte sind eine verdichtete Sache, da braucht es Musik zur Auflockerung!", begründete Brückner die Einbeziehung des Musikers, der mit mehrsprachigen Beiträgen glänzte. Auch ein japanisches und ein bayerische Stück waren dabei. Der Vorleser und der Musiker präsentierten sich als kongeniales Duo von hohem Unterhaltungswert. Angeeckt ist Hesse bereits im Elternhaus einer protestantisch-pietistischen Missionarsfamilie im schwäbischen Calw, die auch für den Sohn einen bürgerlich geprägten Weg vorzeichnete. Doch Hesse lehnte sich bereits als Schüler dagegen auf. "Er musste sich frei strampeln", stellte Brückner fest, der keinen "abgehobenen Dichter" präsentierte, der übrigens 1946 den Literatur-Nobelpreis erhielt, sondern einen, "der mit beiden Beinen auf der Erde stand".

"Weltfremde Spiele"

Seine psychischen Probleme im Jugendalter, seine Nähe zu Alkohol und Drogen und seine Liebschaften wurden nicht ausgespart. "Sonderling", "Konzert", "Frohe Nacht" waren Gedichttitel", ebenso wie "Missglückter Abend", wo er sich gegen die in Deutschland herrschende Kriegsbegeisterung zu Beginn des Ersten Weltkriegs wendete, von der auch namhafte Autoren wie Thomas Mann erfasst waren. Seine Verse, die er während des grausamen Kriegsgeschehens verfasste, sah er selbst als "weltfremde Spiele", verglich sie aber mit dem Blühen von Blumen auf den Schlachtfeldern. Der hohe moralische Wert dieser "Rettung der geistigen Welt" wurde erst später erkannt.

In der Zeit des Vietnam-Kriegs erfuhr der Pazifist Hesse insbesondere mit seinem Roman "Der Steppenwolf" bei der Hippie-Bewegung in den USA eine ungeahnte Rezeption. Die Überwindung religiöser Beschränkungen und die Verbindung der großen Weltreligionen, vor allem der fernöstlichen, war ein anderes Thema in seinem Werk und nicht ohne Grund, so Brückner, befindet sich heute die weltweit größte Hesse-Gedenkstätte in Soeul.

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