10.07.2020 - 16:10 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Hobby-Goldsucher in der Warteschleife

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Die Coronakrise bremst die Goldgräberstimmung: Als erste Gruppe am Oberviechtacher Goldlehrpfad begrüßt der Bürgermeister die Studenten der TU München mit Direktor Gerhard Lehrberger, dem "Papst der Bayerischen Goldforschung".

Studenten der TU München unternahmen die erste Exkursion im Jahr 2020 am Goldlehrpfad bei Unterlangau. Bürgermeister Rudolf Teplitzky (Zweiter von rechts) und Gold-Experte Walter Pusl aus Schönthan (hinten Mitte, mit Kappe) freuten sich über das Treffen mit Dr. Gerhard Lehrberger (rechts).
von Gertraud Portner Kontakt Profil

42 Goldwanderungen mit rund 800 Teilnehmern im Jahr 2019. Aufgrund der Coronakrise waren heuer bis dato keine geführten Goldwanderungen möglich. "Ich bin traurig, dass wir noch nicht starten können", sagt Sigrid Breitschafter vom städtischen Tourismusbüro im Gespräch mit Oberpfalz-Medien und berichtet von vielen Anrufen interessierter Tagesgäste. "Unsere Goldwäscher gehören der Risikogruppe an", erklärt Breitschafter. Außerdem müsse erst noch ein Hygienekonzept mit dem Landratsamt abgestimmt werden, da unter anderem auch die Waschschüsseln zu desinfizieren seien.

Studenten starten

Eine erste Gruppe sagte sich kurzfristig für vergangenes Wochenende an. Allerdings stand hier nicht das Goldwaschen im Vordergrund, sondern die wissenschaftliche Erkundung des Goldabbaugebiets in der Langau. Bürgermeister Rudolf Teplitzky freute sich, Dr. Gerhard Lehrberger mit seinen Studierenden der Technischen Universität (TU) München begrüßen zu können. Er dankte Lehrberger, dass er den Goldabbau im Oberviechtacher Land wissenschaftlich erforscht und maßgeblich an der Konzeption des Lehrpfades mitgewirkt hat.

"Der Gold-Lehrpfad wartet auf Entdecker und bietet wertvolle Erlebnisse und Informationen rund um unsere Heimat - auf jeden Fall ein schöner Ausflug", betonte Teplitzky und überreichte jedem Teilnehmer ein Fläschchen Eisenbarth-Elixier und lud zum Wiederkommen ein. Lehrberger ist akademischer Direktor am Lehrstuhl für Ingenieurgeologie der TU München.

Wegen seines fundierten Wissens und zahlreicher Veröffentlichungen gilt er in Fachkreisen als "Papst der Bayerischen Goldforschung". Und Lehrberger weiß: "Die Bäche im Gebiet von Langau und Pullenried weisen noch immer Spuren eines Goldrauschgebietes auf. Hier war ein ernstzunehmendes Goldabbaugebiet."

TU-Professor Dr. Gerhard Lehrberger ist dem Gold im Raum Oberviechtach auf der Spur

Die Gruppe startete am Informationszentrum und marschierte zum ehemaligen Goldbergwerk am Gütting. Dr. Lehrberger erläuterte seine Erlebnisse als Werkstudent während der Erkundungsarbeiten bei der Preussag AG, die in den 1980er-Jahren dort forschte. Auch Walter Pusl aus Schönthan, begeisterter und erfolgreicher Hobby-Goldsucher, beteiligte sich an der Exkursion. Er fasste die Ausführungen Lehrbergers für Oberpfalz-Medien zusammen:

An der Wand des Tagebaus wurde ein Profil angelegt, das man noch heute deutlich, wenn auch verfallen, erkennen kann. Proben aus dem Profil sind immer goldhaltig. Die oberflächennahen Gesteinsschichten sind hier sehr verwittert, was den Abbau und die Zerkleinerung des Gesteins durch ein Pochwerk sehr erleichterte. Das Ergebnis der Preussag-Bohrungen zeigte, dass Gold fein verteilt in den Gneisen in Verbindung mit Arsen und Bismut vorliegt. Die Goldgehalte liegen lokal bis zu sieben Gramm je Tonne. Viel Arsen bedeutet viel Gold. Anreicherungen zusammen mit Gold findet man in Pilzen und in den Fichten. Beim Pilzesammeln sollte man daran denken, dass Arsen im Gegensatz zu Gold giftig ist. In den Bächen gefundene, abgelagerte Goldkörner sind aus reinem Gold, denn Arsen und Bismut sind durch Wasser bereits weggelöst. Unter dem Mikroskop zeigen die Körner deshalb oft eine schwammige Struktur. Lehrberger wies darauf hin, dass die alten Goldprospektoren die Flüsse und Bäche aufwärts in die Gebirge zogen, bis sie die bergfrischen Lagerstätten erreichten. Auch Sagen, alte Literatur und Archivalien führen zum Gold. Heute könne jeder im Bayern-Atlas nach digitalen Geländemodellen suchen, die jede Erdbewegung und jeden Schürfhügel abbilden.

Nur punktuell

Nachgewiesener Bergbau reicht im Raum Oberviechtach bis ins 14. Jahrhundert zurück. Im 16. Jahrhundert folgte ein weiterer Versuch und in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhundert startete nochmals ein erfolgloser Bergbau. 1980 war die Preussag AG, in den 1990er-Jahren die Rio Tinto GmbH und 2008 die Deutsche Rohstoff AG aktiv. Zu einem Abbau kam es jedoch nicht, da die hohen Goldgehalte nur punktuell vorkommen. Das sumpfige, inzwischen stark verwachsene und mit Wasser gefüllte Güttingloch stellt ein Überbleibsel des Untertagebaus dar. Der aus dem Loch heraus fließende Güttingbach ist Grubenwasser und enthält sehr viele, kleine Goldkörner mit meist unter einem halben Millimeter Größe. Die Gruppe entnahm einige Proben und konnte Goldspuren nachweisen. Weitere Stationen der TU-Studenten waren der Hochfels in Stadlern, Pleystein und Flossenbürg.

Hintergrund:

Jubiläum und "Goldstück Bayerns"

Die Stadt Oberviechtach wirbt mit dem Slogan "Goldstück Bayerns" und beruft sich dabei auf die 700 Jahre alte Goldgräbertradition. Bürgermeister Rudolf Teplitzky will dieses Alleinstellungsmerkmal noch stärker herausarbeiten. Er freut sich, dass Dr. Gerhard Lehrberger mit seinen Studenten im Heimatfestjahr 2021 erneut vorbeikommt und das Jubiläum "10 Jahre Goldlehrpfad" bereichert. (ptr)

Dieses Goldstück aus dem Forellenbach mit Gneis-Anwachsung stammt aus der Sammlung von Walter Pusl. Die Aufnahme mit Vergrößerung hat Gerhard Lehrberger angefertigt.
Goldwäscher Günter Zithier (rechts) 2019 in Aktion. Wann heuer die erste geführte Goldwanderung starten kann, ist noch unklar. Näheres dazu auf der Homepage (www.oberviechtach.de).
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