19.10.2020 - 10:52 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Karriere und Kultur: Als Theater-Bufdis bei Ovigo

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Texte lernen, Masken erstellen, Requisiten organisieren: Für den Bundesfreiwilligendienst beim Ovigo-Theater Oberviechtach brauchen Ingrid Schramm und Daniel Adler Nerven und Selbstbewusstsein. Die Belohnung: Bühnenauftritte vor Publikum.

Daniel Adler und Ingrid Schramm sind ein eingespieltes Team: Die beiden leisten ihren Bundesfreiwilligendienst beim Ovigo-Theater-Verein Oberviechtach und spielen dabei selbst vor Publikum – so wie hier auf der Burg Murach in Oberviechtach.
von Tobias Gräf Kontakt Profil

Andere gehen zum Roten Kreuz oder leisten freiwillig Wehrdienst bei der Bundeswehr. Für Ingrid Schramm und Daniel Adler war dies nie eine Option. In dem gebürtigen Regensburger und seiner Kollegin aus Nürnberg schlägt eine kreative Adler: Beide haben sich dazu entschieden, ihren Bundesfreiwilligendienst beim Oberviechtacher Theaterverein Ovigo zu leisten - und denken an eine Karriere in der Kulturbranche.

"Wir haben immer Lampenfieber, das ist bei jedem Auftritt so", sagt Ingrid über ihre Aufregung vor ihrem Einsatz auf der Bühne. Schlimm sei das nicht, ergänzt Daniel: "Man braucht schon Adrenalin und Nervosität, sonst bist du nicht konzentriert genug und machst Fehler." Der 20-Jährige aus Bad Abbach hat im vergangenen Jahr sein Abi gemacht und will Schauspieler werden. "Da ist es gut, wenn man zuvor beim Theater ist."

Bufdis als Kulturmanager

Auch Ingrid denkt an die wertvollen Erfahrungen, die sie als Bufdi im Kulturbereich sammeln kann. "Ich will Maskenbildnerin am Theater werden und sehe meine Zeit bei Ovigo als Vorbereitung dazu."

Gelegenheit zum Erfahrungen sammeln haben die beiden Freiwilligen in dem Verein mit rund 200 Mitgliedern genug. "Wir sind eigentlich Mädchen für alles", berichtet Ingrid über den Bufdi-Alltag und lacht. Kostüme auswählen, Masken und Bühnebilder erstellen, Requisiten organisieren. Fast alles dreht sich um die Organisation von Auftritten und Aufführungen. Das Coronavirus macht das Arbeiten in der Kulturbranche schwer, viele Auftritte sind ausgefallen oder finden mit begrenztem Publikum statt. Telefonieren und Texte schreiben erledigen die Bufdis deshalb vom Homeoffice aus. Aber: "Die Stimmung hier ist immer gut. Kein Tag ist wie der andere, ich bin sehr glücklich, bei Ovigo gelandet zu sein", sagt Ingrid.

Sagenführung auf Burg Murach

Wegen der Pandemie sind viele Auftritte ins Freie verlagert worden. Doch das hat auch Vorteile – so können neue Formate getestet werden. Dazu zählt auch die "Zeitreise" in Oberviechtach mit dem Titel "Schrazeln, Hoymänner und der wilde Hans - ein sagenhafter Spaziergang zur Burg Murach." "Das ist eine szenische Führung, bei der wir Besuchergruppen auf die Burg Murach führen und ihnen dabei spannende Sagen und Geschichten aus der Region und zur Burg erzählen", berichtet Daniel.

In der historischen Rolle als Burgpfleger auf Burg Murach erzählt Daniel Adler in einer Szenenwanderung Besuchern Legenden und Sagen.

Bei dieser 90-minütigen Sagenwanderung treten an unterschiedlichen Stellen während der Wanderung Ovigo-Schauspieler in historischer Kleidung als "Rumtreiber", "Knecht" oder "Wirtin" auf und überraschen die Besucher mit ihren Anekdoten, die meist einen wahren Kern haben. "Ich selbst spiele den Burgpfleger, und es macht absolut Spaß", berichtet Daniel. Die Sagenwanderung mit inzwischen über 1000 Besuchern wird so gut angenommen, dass bald auch eine Kinder- und eine nächtliche Gruselwanderung mit ins Programm aufgenommen werden sollen.

Knapper Lohn und Arbeitsstress

Nicht immer stehen die Bufdis selbst auf der Bühne. Besucher begrüßen, Tickets verkaufen, Texte schreiben und recherchieren und Auftritte vorbereiten machen den größten Teil der 35-Stunden-Woche aus. Doch die Arbeitszeiten sind unregelmäßig und die Bezahlung wird zurecht nur "Taschengeld" genannt.

"Wir bekommen nur 180 Euro, weil wir noch unter 25 Jahre alt sind", sagt Ingrid und ist froh, noch "Unterstützung von Zuhause" zu bekommen. Daniel arbeitet nebenbei als Kellner auf 450-Euro-Basis. "Mit dem Bufdi-Geld zusammen geht es dann schon gerade so, aber in manchen Monaten reicht es überhaupt nicht" (lacht).

Die Ovigo-Bufdis Daniel Adler und Ingrid Schramm bezeichnen sich selbst als „professionelle Amateure“: Die Szenen-Collage „Sir Price präsentiert: Die Ovigo Wundertüte im W1“ (hier in Regensburg) kommt bald auch nach Pfreimd.

Hinzu kommt: "Die Auftritte sind meistens abends, am Wochenende oder an Feiertagen. Wenn man mal was mit Freunden unternehmen will, dann ist es schon schwierig, einen gemeinsamen Termin zu finden", gesteht Ingrid. Dennoch sieht die Nürnbergerin, die nicht täglich pendelt, sondern in einer Bufdi-Wohnung von Ovigo in Winklarn eingezogen ist, die Arbeitszeiten locker: "Man weiß ja, worauf man sich eingelassen hat, wir verstehen uns super mit den Leuten und so weiß man jetzt wenigstens, was man an den langweiligen Sonntagen machen soll."

Wir haben immer Lampenfieber.

Ingrid Schramm (24) über Bühnenauftritte beim Ovigo-Theater

Ingrid Schramm (24) über Bühnenauftritte beim Ovigo-Theater

Bühne mit reizvollem "Feeling"

An ihren Berufsplänen als Maskenbildnerin und als Schauspieler haben Ingrid und Daniel festgehalten – ihre Erfahrungen bei Ovigo bestärken sie. Das Leben auf und hinter der Bühne fasziniert die Bufdis. Wenn Daniel an den jüngsten Auftritt im "W1 – Zentrum für junge Kultur" in Regensburg zurückdenkt, kommt er ins schwärmen: "Das spezielle Feeling im Theater – du stehst im Rampenlicht auf der Bühne, der Applaus der Leute – das hat schon seinen Reiz."

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