12.09.2018 - 17:09 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Kindergarten am Bahnhof

Oberviechtach braucht einen neuen Kindergarten für drei Gruppen. Im bestehenden gibt es keine Erweiterungsmöglichkeiten. Die neue Einrichtung soll am Raiffeisen-Gelände am ehemaligen Bahnhof gebaut werden, entschied der Stadtrat.

Ein lichtdurchfluteter eingeschossiger Winklbau am alten Sportplatz an der Nunzenrieder Straße mit Erweiterungsmöglichkeiten in alle Richtungen und großzügigen Außenflächen - so sehen die Pläne der Johanniter aus.

Oberviechtach. (kö) „Ich bin maßlos enttäuscht, für den Bahnhof spricht kein einziges positives Argument. Nur um jemanden einen Vorteil zu gewähren, wird die Entscheidung auf dem Rücken der Kleinsten ausgetragen“, macht Bürgermeister Heinz Weigl im Gespräch mit Oberpfalz-Medien kein Hehl aus seiner Verärgerung. In nichtöffentlicher Sitzung hatte der Stadtrat am Dienstag Abend mit einem deutlichen Votum entschieden, dass der Neubau auf das Raiffeisen-Areal kommt, das mittlerweile von der Firma GsbW aus Oberviechtach (Gesellschaft für soziales und betreutes Wohnen) erworben wurde.

Weiterer Bedarf

„Das war die schlechteste Entscheidung in meiner 30-jährigen Amtszeit als Stadtrat, die mit eklatanten Nachteilen verbunden und das schlechteste ist, was der Stadt passieren kann“, ist Weigl auch am Tag nach der Entscheidung noch ganz „aus dem Häuschen“. Doch der Reihe nach: Der bestehende kirchliche Kindergarten steht zur Sanierung an. Im Zug der Maßnahmenplanung hat es eine Bedarfsermittlung gegeben. Die besagt, dass für Oberviechtach zwei weitere Kindergartengruppen für jeweils 25 Plätze und eine Kinderkrippe mit 12 Plätzen erforderlich ist. Am jetzigen Standort gibt es allerdings keine Erweiterungsmöglichkeiten.

In mehreren nichtöffentlichen Sitzungen, unter anderem auch mit Kirche und Fachstellen, hat der Stadtrat das Thema diskutiert und ist zum Entschluss gekommen, dass ein Neubau erforderlich ist. Dieser soll bereits zum Kindergartenjahr 2020 in Betrieb gehen, weil hier die Spitze des Bedarfs erwartet wird. AWO und BRK haben sich als Betreiber angeboten, die Johanniter hätten die Einrichtung betrieben und auch selbst gebaut. Aber nur auf dem von Bürgermeister Heinz Weigl vorgeschlagenen und im Eigentum der Stadt befindlichen Areal am alten Sportplatz an der Nunzenrieder Straße.

Hierzu gibt es auch bereits konkrete Planungen für einen erdgeschossigen und lichtdurchfluteten Winkelbau in Massivbauweise mit großzügigen Außenanlagen und Erweiterungsmöglichkeiten in alle Richtungen. Für Heinz Weigl ein idealer Standort in einer ruhigen Wohnlage mit gerade mal 800 Fahrzeugen pro Tag und guter Erreichbarkeit aus den umliegenden Wohngebieten. „Auch für den Bolzplatz und das Johannisfeuer bleibt noch genügend Platz“, so der Bürgermeister.

„Nur Nachteile“

Die Entscheidung fiel jedoch anders: Der Stadtrat entschied sich für den Standort am ehemaligen Bahnhof und die GsbW als Bauträger. Die GsbW wird geleitet von den beiden Geschäftsführern Peter Pirzer und Michael Schlagenhaufer, die vor einigen Jahren auch die das Bauträgerunternehmen „IMMOVI“ gegründet haben und derzeit den ehemaligen Schießanger mit Wohnimmobilien bebauen. Bürgermeister Weigl hatte am Dienstagabend noch einen Vertagungsantrag gestellt, um die Standortfrage in der Öffentlichkeit zu diskutieren. Dieser wurde vom Stadtrat jedoch abgelehnt. Die GsbW will am ehemaligen Raiffeisen-Areal nach den vorliegenden Plänen ein Verwaltungsgebäude für eigene Zwecke und zur Vermietung bauen, dem sich ein zweigeschossiger Kindergarten mit Räumlichkeiten im Erdgeschoss für den Kindergarten und der Kinderkrippe im oberen Stockwerk anschließt, die von der Straße „Am Bahnhof“ her erschlossen wird. An das Gebäude schließen sich bis zur Raiffeisen-Halle die Außenanlagen an. Während der Raiffeisen-Stodl und der Verkaufsraum abgerissen werden, soll nach Informationen des Bürgermeisters die Lagerhalle bestehen bleiben und zum Unterstellen von Baufahrzeugen vermietet werden.

Dem Standort kann Weigl nichts Gutes abgewinnen: Zwei Geschosse hält er beim Betrieb für nachteilig (Aufzug erforderlich) und durch den Bau in den Hang gebe es fast keine natürliche Belichtung. Mit gut 700 Quadratmetern Außenanlage befinde sich die Planung an der untersten Kapazität, Erweiterungsmöglichkeiten seien problematisch.

„Das Areal ist von allen Seiten von Verkehr umgeben, dazu kommt der Verkehr zu Norma, Profi, Roßmann und NKD, die Erschließung der Kinderkrippe über die Straße ’Am Bahnhof’ ist alles andere als ideal, die AOK-Kreuzung passieren täglich 10 000 Fahrzeuge und beim Grundstück ist die Stadt auch noch finanziell mit dabei“, kann Weigl nur den Kopf schütteln.

Das Raiffeisen-Areal am ehemaligen Bahnhof, das von der GsbW erworben wurde. Hier sollen nach Abbruch des Verkaufsgebäudes und des Raiffeisenstodl (nicht im Bild) ein Verwaltungsgebäude sowie ein zweigeschossiger Kindergarten mit Kinderkrippe und Außenanlagen zwischen der Straße "Am Bahnhof" und dem Radweg errichtet werden.

Das großzügie Areal des alten Sportplatzes an der Nunzenrieder Straße, das im Eigentum der Stadt ist, ist für Bürgermeister Heinz Weigl der ideale Kindergarten-Standort.

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