04.10.2021 - 16:30 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Kolping-Spielmannszug meistert Pandemie samt Jubiläumsjahr

Das Jubiläumsjahr des Kolping-Spielmannszuges Oberviechtach verläuft alles andere als geplant. Trotzdem wird der Klangkörper die Coronakrise gestärkt verlassen. Der Titel "Bayerischer Meister" beinhaltet ein Kuriosum.

Komponist Christoph Ahlemeyer (von links), Vorsitzender Tobias Baumer und Dirigent Reinhard Lößl sind stolz auf den Pokal samt Titel „Bayerischer Meister“, welchen der Spielmannszug schon seit Herbst 2019 inne hat.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

"Nächstes Jahr wird groß gefeiert", sagte Stabführer Reinhard Lößl nach dem Ende des ersten musikalischen Lockdowns im September 2020. Daraus wurde nichts. Das zum 50. Geburtstag des Kolping-Spielmannszuges im Mai 2021 geplante Bezirksmusikfest in Oberviechtach musste ebenso abgesagt werden, wie das Neujahrskonzert. "Sogar ein kleineres Ensemblekonzert war nicht möglich", bedauert Vorsitzender Tobias Baumer beim Gespräch mit der Oberpfalz-Medien-Redaktion im Musikerheim. Während die Aktiven nebenan proben, berichtet er zusammen mit Dirigent Reinhard Lößl und Beisitzer Christoph Ahlemeyer, welche Herausforderungen in den zurückliegenden Monaten zu stemmen waren.

"Es gab trotz der Pandemie keinen Stillstand", bekräftigt Lößl. Schnell habe man von den Präsenzproben auf Online-Angebote gewechselt, was sowohl den Unterricht, als auch die Register- und Gesamtproben ermöglichte. "Der Kolping-Spielmannszug ist einer der wenigen Vereine, die gestärkt aus der Pandemie herausgehen", lobt Christoph Ahlemeyer, Landesbeauftragter für Spielleutemusik in Bayern. Denn mit großer Anstrengung der Verantwortlichen konnte unter Einbeziehung vieler aktiver Mitglieder im zweiten Jahr der Pandemie ein Jahresprogramm im Kleinformat auf die Beine gestellt werden. Und zwar vom internen Johannisfeuer mit "Kürung der Jubiläums-Wurst", bis zum musikalischen Märchen-Familiennachmittag und Frühschoppenkonzert im Altenheim-Garten.

Drei Jahre "Bayerischer Meister"

Auf dem Tisch steht der Pokal mit Aufdruck "Bayerischer Meister 2019". Diesen Titel können die Oberviechtacher Spielleute nun schon im dritten Jahr - und das ohne eigenes Zutun - tragen: Denn während der Pandemie pausierten natürlich alle Wettbewerbe. Seit wenigen Wochen darf nun wieder gemeinsam und ohne riesige Abstände geprobt werden. Dazu treffen sich die aktiven Mitglieder nicht nur am Freitagabend, sondern teilweise auch in Zusatzproben am Wochenende. Der Grund: Am 23. Oktober präsentiert sich der Klangkörper bei einem Jubiläumskonzert der Öffentlichkeit. "Und zwar mit einem Repertoire, das die Leute nicht immer hören", macht Reinhard Lößl neugierig auf die zwei Stunden in der Mehrzweckhalle. Zu hören gibt es beispielsweise den beliebten "Florentiner Marsch", eine Pop-Ballade mit Klavier und Westernmusik ("Postkutsche nach Santa Fe").

356 Takte "Eysenbarth"

Und auch das eigens für die "Bayerische Meisterschaft" komponierte Stück "Eysenbarth" wird erst zum zweiten Mal nach 2019 aufgeführt. Wie Komponist Christoph Ahlemeyer im Gespräch betont, handelt es sich dabei in der Höchststufe (Kategorie 5) "um das schwierigste zu spielende Stück in dieser Besetzung". Für etwas "Neues und Anspruchsvolles" vertonte er in 356 Takten (so alt wäre der 1663 in Oberviechtach geborene Johann Andreas Eisenbarth 2019 gewesen) das Leben und Wirken des barocken Wanderarztes. Entstanden sei aber keine schwere Kost. "Es ist viel Spielfreude für Musiker und Zuhörer dabei", verspricht der Ost-Westfale, der seit 2012 in Oberviechtach wohnt. Denn die bekannte Eisenbarth-Melodie ziehe sich in unterschiedlichen Variationen wie ein roter Faden durch die Komposition. Eine Hörprobe gefällig? Christoph Ahlemeyer reiht sich in die Fanfarengruppe ein. Neben ihm steht Vorsitzender Tobias Baumer, der schon seit 1988, als damals Zehnjähriger, dabei ist. Zwei Jahre länger sind es bei Reinhard Lößl, der seit 2002 als Dirigent nicht nur den Takt angibt. Was die 25 Aktiven klanglich aus den drei Instrumentengruppen Flöte, Fanfare und Schlagwerk herausholen, ist schon bei der Gesamtprobe faszinierend. Angespielt - aber natürlich nicht verraten - wird auch der Marsch für die Zugabe.

Als großes Projekt im 51. Vereinsjahr steht die Deutsche Meisterschaft, die 2022 in Furth im Wald stattfindet, an. Vorher ist der Verein am 6./7. November 2021 als Ausrichter der Wertungsspiele gefordert. Doch auch die Organisationsarbeit meistern die Spielleute sicher ebenso mit Bravour, wie auch ihr Jubiläumskonzert in zweieinhalb Wochen. Übrigens: Hier stellt sich auch der Nachwuchs musikalisch vor.

Details zur Geschichte des Kolping-Spielmannszuges Oberviechtach

Oberviechtach

"Der Spielmannszug ist einer der wenigen Vereine, die gestärkt aus der Pandemie herausgehen."

Christoph Ahlemeyer, Landesbeauftragter für Spielleutemusik

Hintergrund:

Der Kolping-Spielmannszug Oberviechtach in Fakten

  • Gründung des Kolping-Spielmannszuges (als Fanfaren- und Spielmannszug samt Flötengruppe) im Jahr 1971. Aktuell: 140 Mitglieder und rund 60 Aktive (inclusive Nachwuchs in Ausbildung).
  • Tracht: Erster Auftritt im historischen Eisenbarth-Kostüm erfolgt im Jahr 1974.
  • Unvergessen: Im Jahr 1975 Deutscher Vertreter beim 3. Internationalen Jugend-Musik-Festival in Harrogate (England).
  • Wertungsspiele: Nach der ersten Teilnahme im Jahr 1977 folgen viele großartige Erfolge in der Höchststufe. 2008: Titel "Deutscher Meister" und 2019 "Bayerischer Meister".
  • Die Stabführer seit der Gründung: Willi Hauser, Alois Schneeberger, Reinhard Lößl.
  • Im Nachwuchs-Ensemble werden die jungen Mitglieder, die ein Instrument erlernen, an das gemeinsame Musizieren gewöhnt.
  • Im März 2020 wird der Spielmannszug mit dem "Junior-Award" der Nordbayerischen Bläserjugend ausgezeichnet. Kriterien sind die fachlich und pädagogisch fundierte Instrumentalausbildung und auch die außermusikalischen Angebote.
  • Beim Nordbayerischen Spielleuteorchester (Auswahlorchester des Nordbayerischen Musikbundes), sind viele Oberviechtacher dabei.
  • Aktuelle Termine in Oberviechtach: 23. Oktober, 19 Uhr, Jubiläumskonzert in der Mehrzweckhalle (Eintritt 6 Euro). Wertungsspiele am 6./7. November (Ausrichter: Kolping-Spielmannszug).

 

 

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