„Die Kriminalitätsentwicklung im Dienstbereich der Polizeiinspektion Oberviechtach zeigt im Mehrjahresvergleich eine nicht unerhebliche Steigerung um 87 Fälle auf eine Gesamtzahl von 332“, stellte der neue Dienststellenleiter, Polizeihauptkommissar Werner Linhart fest, als er die Präsentation der Polizeistatistik 2022 im Rathaus eröffnete.
Oberviechtachs Bürgermeister Rudolf Teplitzky und die Bürgermeister der Verwaltungsgemeinschaft Oberviechtach (Gleiritsch, Niedermurach, Teunz, Winklarn) waren interessierte Zuhörer und hakten nach, als Polizeihauptkommissar Norbert Ehebauer (Polizeiliche Kriminalstatistik) und Polizeioberkommissar Armin Ismail (Lagebild Verkehr) ihre detaillierten Daten in differenzierter Weise präsentierten.
Im Bereich der PI Oberviechtach stiegen die registrierten Fälle der Polizeilichen Kriminalstatistik um 35,5 Prozent. Ein Erklärungsansatz für den Anstieg der meisten Straftaten ist das Ende der Corona-Beschränkungen und die damit einhergehende Steigerung der Aktivitäten, welche auch wieder zu mehr Straftaten führten.
Die von Polizeihauptkommissar Ehebauer präsentierten Grafiken offenbarten, dass fast alle Deliktsbereiche mit höheren Zahlen zu Buche schlugen als ein Jahr zuvor. Dabei ist aber zu beachten, dass im Vorjahr 2021 bei der PI Oberviechtach der niedrigste Wert der Gesamtkriminalität im Zehnjahresvergleich registriert wurde. Einzig die Vermögens- und Fälschungsdelikte sanken 2022 um 34,5 Prozent. Einen Ausreißer nach oben bildeten dagegen die Fahrten unter Drogeneinwirkung, die um acht Fälle auf 19 stiegen, was einen Anstieg um 137,5 Prozent ausmacht. Die Diebstahlsdelikte stiegen um 65,5 Prozent, die Rohheitsdelikte um 75 Prozent, ebenso die Rauschgiftkriminalität.
„Die Aufklärungsquote von 77,4 Prozent kann sich sehen lassen“, registrierte der Dienststellenleiter Werner Linhart. Zwar sank diese Quote im Vergleich zum Vorjahr, das Oberviechtacher Ergebnis lag aber deutlich über dem Aufklärungserfolg von Bayern (64,4 Prozent) und toppte auch die Werte der Oberpfalz (70,8 Prozent) und des Landkreises Schwandorf (76 Prozent). Bei der Kriminalitätsbekämpfung wurde der Präventionsarbeit ein hoher Stellenwert eingeräumt. Die Bilanz der Referenten verwies auf Informationsveranstaltungen sowie Beratungen in den Bereichen Einbruch, Neue Medien sowie Gewalt und Drogen.
Zum „Lagebild Verkehr“ legte Polizeioberkommissar Armin Ismail eine informative Statistik vor. Als erfreulich wertete er die Tatsache, dass wie in den sieben Jahren zuvor kein tödlicher Verkehrsunfall im Dienstbereich zu verzeichnen war. Die Gesamt-Unfallzahl stieg 2022 auf 420 (Vorjahr 414). Dagegen sanken die Zahlen mit Personenschaden von 45 auf 32. Von 38 angezeigten Verkehrsunfallfluchten konnten im vergangene Jahr zehn Fälle geklärt werden. Bei den insgesamt 238 Wildunfällen wurde eine Steigerung um 17 Fälle (7,7 Prozent) festgestellt. Bei den Fahrradunfällen wurden zwei Radfahrer schwer und vier leicht verletzt. „Gott sei Dank haben alle einen Helm getragen“, so das Resümee von Polizeioberkommissar Ismail.
Bürgermeister Rudolf Teplitzky bedankte sich namens der Stadt und Bürgermeister Martin Prey (Niedermurach) für die Verwaltungsgemeinschaft für die Leistungen der Polizei im Bereich Sicherheit und Ordnung. Sie registrierten aber auch ein Verständnis der Bürger und deren Aufgeschlossenheit in Sachen Prävention.
Besondere Fälle
- Sturmgewehr M 16 sichergestellt:
Bei einer Wohnungsdurchsuchung wegen Verdacht der Unterschlagung von Bundeswehreigentum wurde im Februar 2022 in Oberviechtach bei einem 24-Jährigen aus dem Raum Regensburg ein Sturmgewehr M 16 vermutlich aus US-Militärbestand sichergestellt. Die Kriminalpolizei Amberg hat die Ermittlungen übernommen. Die Herkunft der Waffe konnte aber bislang immer noch nicht geklärt werden. Es stellt sich die Frage, ob sie aus dem Darknet bezogen wurde. Der Beschuldigte hat keinen Bezug zur Bundeswehr Oberviechtach und war auch nicht mehr im Wehrdienst. - Jagdunfall bei Niedermurach: Im Dezember 2022 kam es im Rahmen einer Treibjagd zu einem folgenschweren Jagdunfall. Ein 72-jähriger Treiber wurde durch einen Schuss getroffen und schwer am linken Knöchel verletzt. Sämtliche Waffen wurden sichergestellt. Nach derzeitigem Ermittlungsstand dürften zwei Jäger als Schützen in Frage kommen. Der Endsachstand steht aber noch nicht fest.
- Tuningtreffen in Fuchsberg: Im August 2022 wurde bei einem ortsansässigen Autohaus in Fuchsberg das erste Mal ein Tuningtreffen veranstaltet, zu dem 250 Fahrzeuge und 500 Personen kamen. Die Polizeiinspektion Oberviechtach wurde unterstützt durch speziell geschulte Beamte mit Tuning-Kenntnissen. Insgesamt wurden sieben Pkw und ein Motorrad wegen Erlöschen der Betriebserlaubnis angezeigt und vier weitere Teilnehmer verwarnt. Drei Pkw wurden abgeschleppt und zur Erstellung eines Gutachtens sichergestellt.













Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.
Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.