12.10.2020 - 17:25 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Liebe zu Oberviechtach treibt noch immer an

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Wilfried Neuber ist seit zwei Wochen Träger des Bundesverdienstkreuzes. Eine Ehrung seiner Heimatstadt Oberviechtach bleibt trotzdem seine Nummer eins. Im Gespräch erzählt der Altbürgermeister von Glanzpunkten und Rückschlägen.

Ein Lieblingsplatz am Marktweiher: Ehrenbürger Wilfried Neuber (73) blickt auf eine lange und erfolgreiche Arbeit als Kommunalpolitiker zurück. Seit zwei Wochen ist er Träger des Bundesverdienstkreuzes.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

"Wird das heute eine Lebensbeichte?", fragt Wilfried Neuber (73) beim Betreten der Lokalredaktion schmunzelnd. Das Angebot nehmen wir gerne an. Als Krönung seines Wirkens erhielt der Altbürgermeister am 25. September das Bundesverdienstkreuz am Bande überreicht (wir berichteten). Die Freude darüber war groß, aber Neuber schränkt ein: "Mit der Ehrenbürgerwürde habe ich 2015 die denkbar höchste Auszeichnung bekommen. Denn es ist das höchste, wenn einem die eigene Heimatstadt ehrt." Dabei war es in der Nachbargemeinde Winklarn, wo der junge Wilfried Neuber nicht nur als Torhüter beim dortigen TSV von sich reden machte.

Staatsminister Albert Füracker hat Wilfried Neuber das Bundesverdienstkreuz verliehen

Oberviechtach

Vom Festleiter zum Bürgermeister

Als Festleiter beim ersten wiederbelebten Winklarner Heimatfest betrat er 1971 die öffentliche Bühne und entpuppte sich als Organisationstalent par excellence. In Oberviechtach gründete er eine "Freibad-Bau-Initiative" und organisierte das erste Kindergartenfest. "Ich hab die Gene von meinem Vater", meint er schmunzelnd, "auch in punkto Heimatliebe". Er war 17 Jahre alt, als Stadtrat Georg Neuber 1960 auf den Bürgermeisterstuhl wechselte. Das jähe Ende: Nach 17 Jahren, am 11. Januar 1977, verstarb Georg Neuber im Alter von nur 54 Jahren an Krebs. Das Jahr hatte noch eine weitere Prüfung parat: Im September 1977, einen Tag vor der Einschulung von Sohn Jürgen, wurde auch bei Wilfried Neuber ein Krebsverdacht geäußert, der sich bestätigte. "Es war eine schlimme Zeit", blickt er nachdenklich zurück "den Vater erst beerdigt, der Sohn gerade mal sechs Jahre alt und dann dem Tod so nah". Nach einer geglückten Mammut-Operation ruhte der Krebs 40 Jahre lang. Erst 2019 tauchte er in anderer Form wieder auf. Eine neue Therapie in der Uniklinik Regensburg schürt die Hoffnung, "dass der aktuell gute Gesundheitszustand länger anhält".

Knapp 20 Jahre lang, von 1989 bis 2008, prägte Wilfried Neuber als Bürgermeister die Entwicklung seiner Heimatstadt. Das Jahr 1977 markierte dabei den Einstieg in die Kommunalpolitik: Er managte den Wahlkampf für den PWG-Bürgermeisterkandidaten Otto Lehner, wobei sich jedoch Josef Spichtinger (CSU) durchsetzte. Wilfried Neuber zog 1978 in den Stadtrat ein und trat 1983 selber gegen Spichtinger an (unterlag mit 49 Prozent). Nach den Kommunalwahlen 1984 wurde er als Zweiter Bürgermeister gewählt und startete als Kreisrat (bis 2014). 1989 holte Wilfried Neuber den Rathaus-Vorsitz wieder für die PWG zurück (64 Prozent gegen Karl-Heinz Stoppa) und kam gut bei den Bürgern an: Bei den Wahlen 1995 schaffte er ohne Gegenkandidaten sagenhafte 98 Prozent Zustimmung, im Ortsteil Wildeppenried sogar 100 Prozent. "Wir hatten eine gute Stadtratsarbeit über alle Fraktionen hinweg", beschreibt der rüstige Senior diese Zeit. Doch nichts bleibt wie es ist: Der Wahlkampf 2002, mit einem CSU-Bewerber als Gegenkandidaten, brannte sich, wie auch spätere Vorkommnisse, als "menschliche Enttäuschung" ein. Doch Neuber stellt klar: "Ich bin niemand böse, und ich habe nie den Funken eines Hasses gespürt." Natürlich habe es in all den Jahren auch harte Auseinandersetzungen gegeben: "Wir haben uns gerieben, aber ich hatte und habe mit allen politischen Gegnern gute Kontakte." Eine kleine Lebensweisheit half: "Jede Minute, die du mit Ärger verbringst, versäumst du 60 glückliche Sekunden."

Mit der Ehrenbürgerwürde habe ich 2015 die denkbar höchste Auszeichnung bekommen.

Altbürgermeister und Ehrenbürger Wilfried Neuber

Im Team erfolgreich

Auch hier sei ihm das Beispiel seines Vaters Lehrmeister gewesen, allerdings im umgekehrten Sinn: "Meinem Vater ist der politische Ärger auf den Magen geschlagen." Das habe er schon als kleiner Bub mitbekommen und so habe er es immer vermieden, Konflikte mit nach Hause zu tragen. Und Wilfried Neuber ergänzt: "Eigentlich hätte mein Vater das Bundesverdienstkreuz eher verdient als ich. Denn er hat als PWG-Gründer den Grundstein gelegt, wir haben es dann nur verfeinert und ausgebaut." Das "wir" wählt er ganz bewusst. Denn die Ehrung, verbunden mit einer Laudatio für vorbildliche Arbeit, hohes Pflichtbewusstsein und große Tatkraft, habe er als eine Stellvertreter-Ehrung für viele Personen dankbar und mit Demut entgegengenommen. "Wir waren im Rathaus ein Team. Ich habe mich immer als erster Diener der Stadt verstanden, als Anwalt der Bürger." Neben dem herausragendem Engagement in der kommunalen Selbstverwaltung würdigte Laudator Staatsminister Albert Füracker die Vielzahl an Ehrenämtern. "Ich war in meiner aktiven Bürgermeisterzeit bei über 70 Vereinen Mitglied, jetzt sind es noch an die 50", sagt Neuber und ergänzt: "Vereine waren mein Hobby, ich bin dort groß geworden." 1978 wurde er zum Vorsitzenden der Arbeiterwohlfahrt Oberviechtach gewählt, und ist es nach über 40 Jahren noch. Doch den AWO-Vorsitz möchte er - ebenso wie die Leitung des Museumsvereins - bei der nächsten Wahl abgeben: "Während meiner Krankheit habe ich die Last der Verantwortung gespürt." Mitarbeiten wolle der Altbürgermeister weiterhin gerne: "Ich habe 19 Jahre lang ein so schönes und verantwortungsvolles Amt gehabt. Ich möchte meiner Heimat etwas zurückgeben." Die Zeit um die Jahrtausendwende sei durch die desolate Finanzsituation in den Kommunen aber auch schwierig gewesen. Er vergleicht: "2005 bekamen wir 3,7 Millionen Euro Zuweisungen und Steuereinnahmen, 2020 sind es 7,5 Millionen. Damals mussten wir 500 000 Euro Zinsen bezahlen, jetzt sind es 200 000 Euro." In dieser Zeit gab es aber auch Glanzpunkte. Neuber zählt auf: Die Schwarz-Stiftung als unerwartetes Geschenk an eine hochverschuldete Gemeinde, der Erhalt von Bundeswehrstandort, Krankenhaus und Polizeiinspektion. "Freunde zu haben hat geholfen", betont der Macher ohne Parteibuch, der gleich bei seinem ersten Besuch bei der Regierung der Oberpfalz ein Schlüsselerlebnis hatte und verstand: "Mit Fleiß, Geradlinigkeit und Glück schafft man vieles." Dankbar sei er dafür gewesen, dass sich Sohn Jürgen politisch engagierte. Die Umstände zu dessen Austritt aus der PWG gehören zu den bitteren Momenten des Lebens. Diese gab es 2019 vermehrt auch am Grab von Wegbegleitern.

Beim Ortsschild mit Bundeswehr-Schleife und Partnerstädten: Wilfried Neuber hat vieles bewegt.

Drei Wünsche

Wilfried Neuber legte nach seinem 70. Geburtstag vor drei Jahren zum ersten Mal das Sportabzeichen (Gold) ab. "Schwimmen hat mir dabei geholfen", meint er lachend. Sein Wunsch für die Zukunft: "Jeden Augenblick genießen und viel Zeit mit der Familie verbringen." Ganz ohne Politik geht es beim Oberviechtacher Ehrenbürger aber dann doch nicht ab: "Schön wäre es, wenn zu meinem 75. Geburtstag der Verbindungsbau vom Stadtarchiv zum Museum fertig wäre!"

Hintergrund:

Bilanz, Titel und Auszeichnungen

  • 1989 bis 2008 Bürgermeister
    Ein Auszug der Leistungsbilanz: Stadtsanierung mit Aufnahme ins Städtebauförderprogramm; Erhalt von Bundeswehrgarnison, Polizeiinspektion, Kfz-Zulassungsstelle, Krankenhaus; die Ortsteile "zu blühenden Landschaften" gemacht; Ausweisung von Gewerbe- und Industriegebiet; Bau von zwei Kläranlagen; Sanierung Marktmühle zum Museum; Initiierung von Doktor-Eisenbarth-Festspiel und Bau der OGO-Dreifachturnhalle; fünf neue Feuerwehrhäuser; Generalsanierung Grundschule und Förderschule.
  • Titel und Auszeichnungen
    Vier Ehrungen durch die Bundeswehr (1999: Ehrenkreuz in Gold). Zehn kommunale und staatliche Ehrungen (2008: Altbürgermeister, 2009: Bayerische Staatsmedaille für Soziale Verdienste, 2015: Ehrenbürger, 2016: Landkreisverdienstmedaille). 22 Auszeichnungen durch Verbände/Vereine (1991: Deutsche Feuerwehr-Medaille, 1999: Steckkreuz des BKV), plus viele Treueurkunden und Ehrenmitgliedschaften.
  • Ehrenämter
    Start: 1969 Personalratsvorsitzender Finanzamt Neunburg. Ein Auszug: Elternbeiratsvorsitzender Kindergarten und Doktor-Eisenbarth-Schule, Stadtrat, Bürgermeister, Kreisrat, PWG-Sprecher, FWG-Fraktionssprecher, stellvertretender Sparkassen-Verwaltungsratsvorsitzender.
    Vereine: Seit 1978 Vorsitzender AWO Oberviechtach, 1999 bis 2008 AWO-Kreisvorsitzender, 1993 bis 2015 Vorsitzender "Humanitäre Hilfe für die Ukraine", seit 2008 Vorsitzender Museumsverein. Vielfaches Vorstandsmitglied und Mitglied in über 50 Vereinen, darunter im Förderkreis Deutsches Heer.

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