Oberviechtach
27.04.2026 - 12:03 Uhr

Märchenkönig Ludwig II. kommt zur Audienz nach Oberviechtach

120 Zuschauer erleben im Emil-Kemmer-Haus in Oberviechtach ein vergnügliches Zweipersonenstück über den Märchenkönig Ludwig II. und seinen Psychiater. Zum rätselhaften Tod der beiden kommen interessante Perspektiven ans Licht.

Der Märchenkönig Ludwig II. (Sebastian Schlagenhaufer) und der Nervenarzt Dr. Bernhard von Gudden (Ramon Bessel) treten in dem satirischen Stück zu einem humoristischen Schlagabtausch an. Bild: lg
Der Märchenkönig Ludwig II. (Sebastian Schlagenhaufer) und der Nervenarzt Dr. Bernhard von Gudden (Ramon Bessel) treten in dem satirischen Stück zu einem humoristischen Schlagabtausch an.

Von Georg Lang

Die Todesumstände von König Ludwig II. und seinem Psychiater Bernhard von Gudden am 13. Juni 1886 im Starnberger See geben noch immer Rätsel auf. Gleichwohl versucht das Zweipersonenstück von Sebastian Schlagenhaufer (Ludwig II.) und Ramon Bessel (Dr. Bernhard von Gudden), Licht in das Dunkel der mysteriösen Todesfälle zu bringen.

120 Zuschauer erlebten bei dem satirischen Kammerspiel „König Ludwig II. – Der bayerische Patient“ im Emil-Kemmer-Haus in Oberviechtach das posthume Zusammentreffen Seiner Majestät und seines Nervenarztes bei einem gewitzten Schlagabtausch der beiden prominenten historischen Figuren. Deren Schicksal bewegt auch im 140. Todesjahr noch die Gemüter.

Guter Zuspruch

Mit dem Engagement der beiden Schauspieler haben die Freunde der Kunst einen guten Griff getan. Deren Vorsitzende, Monika Krauß, freute sich über den regen Publikumszuspruch. In ihrer Begrüßung verwies sie darauf, dass der Autor des Stücks und Darsteller des Königs, Sebastian Schlagenhaufer, familiäre Wurzeln in Oberviechtach hat.

Von Anfang an merkt der Zuschauer, dass eine intensive historische Recherchearbeit als Grundlage der fiktiven Bühnenhandlung dient. Doktor von Gudden greift immer wieder auf Diagnose-Dokumente zurück, die auf einer detaillierten geschichtlichen Quellenarbeit des Autors basieren. Als „seelengestört und unheilbar“ und mit einem „irren Blick“ wird der König in Guddens Gutachten eingestuft. Gleichwohl verlangt der Doktor zum Auftakt einen respektvollen Umgang mit Seiner Majestät und fordert die Zuschauer auf, sich zu erheben, sobald der König zur Audienz erscheint. Das Publikum steht, imposante Wagner-Klänge erfüllen den Grenzlandsaal, und der König lässt auf sich warten.

Monarch mit Bauleidenschaft

Nach seinem Erscheinen kommt es zügig zu einem Streitgespräch zwischen Patient und Arzt. Ohne konkrete Untersuchung sei er entmündigt worden, rügt der König die „Ferndiagnose“, und verteidigt sich gewitzt, als von Gudden nach Art der Psychologie die Kindheit und die Bezugspersonen des Monarchen unter die Lupe nimmt. Da kommt das Verhältnis zu Kaiserin Sisi und zu ihrer Schwester Sophie aufs Tapet, Ludwigs Faszination für die Wagner-Musik und seine unterdrückte Homosexualität werden unter Bezug auf Sigmund Freud mit Beispielen belegt. Breiten Raum nimmt die Bauleidenschaft des Monarchen ein. „Bei Neuschwanstein, Linderhof und Herrenchiemsee stiegen die Baukosten ins Unermessliche.“

Die Schlösserbauten zeigten aber auch die Umsetzung zukunftsweisender Techniken. So wartet das satirische Stück bei den Eskapaden des Königs immer wieder mit entlastenden positiven Wendungen auf. Bemüht wird hier auch der namhafte deutsche Psychiater Professor Heinz Häfner, der im Jahr 2004 die einst von Gudden attestierte „Geistesschwäche und paranoide Psychose“ des Monarchen zurückgewiesen hat. „Ich bin vielleicht verrückt, aber kein Narr“, beendet der König vielsagend seine Audienz beim Oberviechtacher Publikum.

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