25.03.2020 - 18:10 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Mehr Krankenbetten wegen Corona

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Der Landkreis handelt: Als Vorsichtsmaßnahme in der Corona-Pandemie werden im Oberviechtacher Krankenhaus vier Stationen wiederbelebt. Im Notfall stehen damit 100 Betten zusätzlich zur Verfügung.

Auf der Station 2 gehen die Handwerker und Reinigungskräfte bereits ein und aus. In Kürze stehen hier rund 30 Betten zur Verfügung.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

Drei Handwerksfirmen parkten am Mittwoch ihre Kleinbusse vor dem Haupteingang der Asklepios-Klinik. Viele Nutzungen wurden die vergangenen Jahre durchgespielt, aber damit hatte wohl niemand gerechnet: Die leerstehenden Stockwerke im Oberviechtacher Krankenhaus - Asklepios belegt lediglich das Erdgeschoss plus ebenerdigen Anbau - verwandeln sich wieder in einen Klinikbetrieb zurück. "Das ist kein Planspiel, sondern Realität", betont Pressesprecher Hans Prechtl am Mittwoch im Gespräch mit Oberpfalz-Medien/Der neue Tag.

Schon in der am Dienstag in unserer Zeitung veröffentlichten Presseerklärung informierten wir darüber, dass der Landkreis ein Behelfskrankenhaus errichtet: "Die aktuelle Entwicklung in der Coronapandemie, mit steigenden Fallzahlen und einer größer werdenden Zahl an notwendigen stationären Betreuungen, macht es notwendig." Die zuständige Führungsebene Katastrophenschutz - kurz als "Fü-Ka" bezeichnet - tagt täglich im Landratsamt. Seit der Katastrophenfall ausgerufen ist und damit andere Befehlsstrukturen greifen, spreche man laut Prechtl auch vom "Krisenstab". Am Mittwoch traf sich dieser in größerer Runde zusammen mit Vertretern von Feuerwehr, THW, Johanniter und BRK. Dabei war auch das geplante Behelfskrankenhaus in Oberviechtach ein Thema.

"Wir beschäftigen uns schon seit mindestens zwei Wochen damit und haben auch schon etliches erledigt", erklärt Prechtl. Von allen vier Krankenhäusern im Landkreis (Barmherzige Brüder St. Barbara Schwandorf, Asklepios-Kliniken in Burglengenfeld, Oberviechtach und Lindenlohe) seien auch die Kapazitäten abgefragt worden.

Ein Behelfskrankenhaus über der Asklepios-Klinik Oberviechtach: Der Landkreis Schwandorf will für den Notfall gerüstet sein und stattet vier leerstehende Stockwerke des früheren Kreiskrankenhauses Oberviechtach mit bis zu 100 Betten aus

Asklepios unterstützt

Am Mittwoch erreichte die Redaktion eine Presseerklärung der Asklepios-Klinik Oberviechtach: "Um für den ,Fall der Fälle' gerüstet zu sein, wenn die Krankenhäuser in der Region an ihre Grenzen stoßen sollten, plant das Landratsamt Schwandorf vorausschauend die Einrichtung eines Behelfskrankenhauses - und wurde dabei in Oberviechtach fündig. Dort verfügt die Asklepios-Klinik nicht nur über vier leerstehende Stockwerke mit einer Maximalkapazität von 100 Betten, sondern das Team um Dr. Christian Glöckner steht auch beratend zur Seite." Es fehlt nicht die klare Aussage: "Das Notkrankenhaus wird vom Landkreis Schwandorf unabhängig von der bestehenden Klinik betrieben." Wie der ärztliche Direktor erklärt, sei man aber natürlich sofort bereit gewesen, "die Räume zur Verfügung zu stellen, bei der Planung zu beraten und auch ältere Betten aus dem Lager zu holen."

Das Behelfskrankenhaus Oberviechtach wird nur belegt, wenn alle anderen vier etablierten Kliniken bis Oberkante Unterlippe voll sind.

Hans Prechtl, Landratsamt-Pressesprecher

Hans Prechtl, Landratsamt-Pressesprecher

Grundreinigung läuft

Diese 30 Betten werden auf die Zimmer der Station 2 (erstes Obergeschoss) verteilt. Dr. Glöckner weiter: "Unsere eigenen Kapazitäten für Corona-Patienten sind aktuell ausreichend, doch ist es mehr als vernünftig, wenn alle Kräfte gemeinsam daran arbeiten, schnell und flexibel agieren zu können, sollte die Notwendigkeit stationärer Betreuungen steil ansteigen." Dieses Vorgehen begrüßt auch Bürgermeister Heinz Weigl: "Die Stockwerke stehen leer, die Nasszellen und Zimmer sind in Ordnung." Und er ergänzt: "Ich finde es gut, vorsorglich Kapazitäten vorzuhalten. Das dient ja auch unserer Bevölkerung in Oberviechtach." "Wir müssen schauen, wie sich der Bedarf entwickelt", meint Landratsamt-Sprecher Hans Prechtl. Er stellt klar: "Das Behelfskrankenhaus Oberviechtach wird nur belegt, wenn alle anderen vier etablierten Kliniken bis Oberkante Unterlippe voll sind." Mögliche kritische Anmerkungen sieht er entspannt: "Es ist sicher besser, hier untergebracht zu sein, als keine Versorgung zu haben."

Im Oberviechtacher Haus wurde mittlerweile eine Fäkalien-Absaugeanlage installiert, um auf Patienten, die nicht auf Toilette gehen können, vorbereitet zu sein. Auch die Generalreinigung und die spezielle Dekontamination (Entfernung von eingedrungenen Substanzen aus tieferen Schichten) läuft. Auf den Appell vom Dienstag, wonach für das Behelfskrankenhaus Ärzte, Krankenpfleger und Krankenschwestern sowie Personen, die mit Verwaltungsaufgaben im Gesundheitssektor erfahren sind, gesucht werden, seien erfreuliche Meldungen eingegangen. Zusammen mit den Kräften, die das Landratsamt bereits vorher geworben hatte, standen am Mittwoch neun Ärzte, neun Pflegekräfte und zwei Verwaltungskräfte auf der Liste. "Weitere Kräfte werden gesucht, zumal nicht jeder, der sich bislang freiwillig zur Verfügung stellt, diese Aufgabe in Vollzeit übernehmen kann", so Prechtl. Kontakt: Telefon 09431/471-620 oder katastrophenschutz[at]landkreis-schwandorf[dot]de.

Rückblick:

Rückblick

Im Jahr 2010 verkaufte der Landkreis Schwandorf das Kreiskrankenhaus Oberviechtach an die Asklepios-Gruppe. Vierzig Jahre vorher - im Juli 1970 - wurde der Grundstein für den Neubau des Krankenhauses in der Teunzer Straße gelegt. Im Jahr 2000 beinhaltete das Krankenhaus der Grundversorgung sechs Fachabteilungen (Chirurgie, Innere Medizin, Anästhesie, Gynäkologie und Geburtshilfe, HNO und Geriatrische Rehabilitation) für insgesamt 150 Betten. (ptr)

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