16.01.2020 - 16:23 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Mehr Spiel als Sprache

Eine Zusammenarbeit der besonderen Art: Beim internationalen Theaterprojekt erleben die Schüler der Berufsfachschulen Oberviechtach das Thema "Heimat" in vielen Facetten. Applaus gibt es auch für Selbstironie.

Mit großer Dankbarkeit nahmen die jungen Schauspieler den Applaus der Zuschauer entgegen. Schulleiter Thomas Schiller (rechts) und Regisseurin Theresa Weidhas (links) zeigten sich von der Leistung der jungen Menschen begeistert.
von Udo WeißProfil

Die Berufsintegrationsklasse an der Berufsfachschule stellte in Zusammenarbeit mit dem Ovigo-Theater und dem Jugendmigrationsdienst Schwandorf der Katholischen Jugendfürsorge der Diözese Regensburg ein gemeinsames Projekt auf die Beine. Das Ergebnis war ein 20-minütiges Theaterstück zum Thema "Heimat".

Etwas Neues entsteht

Federführend auf Seite der Berufsfachschulen waren Studienrätin Corinna Hanauer und Studienrat Michael Heinisch, für Ovigo stand Theaterpädagogin Theresa Weidhas im Zentrum des Geschehens. In zehn jeweils zweistündigen Probeneinheiten entwickelte sie das Stück mit den jungen Erwachsenen aus verschiedenen Ländern (Syrien, Äthiopien, Eritrea und Irak). "Es war und ist eine große Herausforderung, diese jungen Menschen aus verschiedensten Kulturkreisen an das Theater heranzuführen", betonte Weidhas bei der Aufführung, "doch als die ersten Hemmungen fielen, war es eine wunderbare Atmosphäre, in der etwas völlig Neues entstanden ist." Viel Wert wurde dabei auf nonverbales Spiel gelegt. Die Akteure mussten sich auch ohne Sprache verständigen.

Hatten die jungen Schauspieler, vor allem die männlichen Akteure, anfänglich noch Angst, ausgelacht zu werden, so agierten sie doch mit viel Spielfreude und Engagement in ihren Rollen. Den mutigen Darstellern wurde Respekt mit kräftigem Applaus gezollt. Die Idee des Stückes war, dass die jungen Menschen den Begriff "Heimat" spielerisch definierten. Schlagwörter wie Liebe, Sprache, Spaß, Gemütlichkeit, Essen und Erinnerungen wurden gemeinsam erarbeitet und wie ein Puzzle zu einem Theaterstück zusammengefügt. Auch Schwierigkeiten mit der Sprache wurden spielerisch in Szene gesetzt und mit Hilfe von Theresa Weidhas selbstironisch umgesetzt.

Ein Beispiel: Ein junger Mann kommt in den Laden, zeigt ein Ei her und sagt: "Ich möchte Mama von diese." Gemeint hat er damit ein Hühnchen. Szenen wie diese sorgten immer wieder für Heiterkeit. Studiendirektor Thomas Schiller zeigte sich erfreut über die "tolle Sache" und sprach allen Verantwortlichen seinen Dank aus. Aktiv begleitet wurde das Projekt von dem beiden Beraterinnen des Jugendmigrationsdienstes (JMD) Schwandorf, Suse Haase und Uschi Maxim. "Wir unterstützen junge Migranten dabei, in Deutschland ihren Weg zu finden. Und das nicht nur durch Beratung, sondern auch durch solche Projekte", bekräftigte Suse Haase.

Das Ovigo-Theater und die Schüler der Integrationsklasse zusammenzubringen, vereinte mehrere Ziele der Jugendmigrationsarbeit, wie sprachliche, schulische und soziale Integration zu fördern. Finanziert wurde das Projekt vom JMD mit Unterstützung des Kreisjugendamtes im Landratsamt Schwandorf.

Zeichen setzen

"Beim Ovigo-Theater ist es uns sehr wichtig, gesellschaftlich ein Zeichen zu setzen und uns für Integration und Teilhabe einzusetzen", begründete Theresa Weidhas ihr Engagement. "Wir möchten Asylsuchenden und Migranten helfen, sich sozial zu integrieren und ihnen bei ihrem neuen Leben helfen."

Ein gutes Beispiel dafür sei Junaid Ahmad aus Pakistan, der schon viele Hauptrollen bei Ovigo übernommen hat und um dessen Aufenthaltsgenehmigung die Theaterfamilie ständig bemüht ist. Schule, Theatergruppe und Jugendmigrationsdienst hoben abschließend die tolle Zusammenarbeit hervor und sprachen neben dem Dank auch die Hoffnung auf eine weitere Zusammenarbeit aus. Vielleicht bleibt es ja nicht bei dieser ersten Vorführung innerhalb der Schulfamilie.

Mit viel Engagement vertieften sich die jungen Schauspieler der Berufsintegrationsklasse in ihre Rollen.

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