04.08.2020 - 18:19 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Musikwissenschaftler feiert Geburtstag an der Oberviechtacher Kirchenorgel

Mit dem Konzert zu seinem 80. Wiegenfest in der Oberviechtacher Pfarrkirche pflegt der Berliner Organist Dr. Peter Simonett eine lange Tradition. Das alte Schulhaus mitten in Wildstein ist der Ausgangspunkt dieser Beziehungen.

An der Eisenbarth-Orgel der Stadtpfarrkirche Johannes der Täufer befindet sich der Musiker Peter Simonett auch an seinem 80. Geburtstag in seinem Element.
von Georg LangProfil

Als West-Berlin noch mitten in der DDR lag, da suchte sich die Lehrerfamilie Simonett in den achtziger Jahren ein Feriendomizil im Westen und fand dies in der ehemaligen Schule in Wildstein. Von da aus baute der Musiklehrer und Musikwissenschaftler Dr. Peter Simonett gute Kontakte zum Ortenburg-Gymnasium und zu den Kirchen in Oberviechtach und Winklarn auf. Auf der Eisenbarth-Orgel in der Stadtpfarrkirche begleitet er noch heute Gottesdienste, wenn er Ferien in Wildstein macht. Und so ist es nicht verwunderlich, dass er am Sonntag anlässlich seines 80. Geburtstags alle Musikfreunde zusammen mit seiner Familie zu einem Orgelkonzert in die Stadtpfarrkirche einlud.

Fünf Kinder und 14 Enkel gratulierten Peter Simonett zum Wiegenfest, und viele von ihnen konnten auch das Orgelkonzert und die anschließende Geburtstagsparty im alten Wildsteiner Schulhaus mitfeiern. In der Stadtpfarrkirche erlebten die Besucher ein „grandioses Konzert“, so Dekan Alfons Kaufmann nach der gut einstündigen Darbietung. Unter Berücksichtigung der im Lockdown vorgeschriebenen Abstände war das Gotteshaus ausgebucht.

Das Gastspiel eines Berliner Kirchenchors in Oberviechtach hatte Peter Simonett im Jahr 2014 organisiert

Werke von Johann Sebastian Bach, Max Reger, Felix Mendelssohn-Bartholdy und César Franck präsentierte Peter Simonett in seinem Jubiläumskonzert. Paulinus Lesser assistierte beim Registrieren und Umblättern. Das Programm trug nicht nur die Handschrift des Organisten, sondern auch die des Musikwissenschaftlers, der mit aufschlussreichen Hintergrundinformationen die Darbietung bereicherte. Mit der "Toccata" zum Konzertauftakt könnte Bach einst neue Orgeln geprüft haben, mutmaßte Simonett, denn mit den Zweiundreißigstelwerten im Manual und den Sechzehntelwerten im Pedal entwickelt sich eine Virtuosität, bei der „Spielart und Klangentfaltung einer Orgel eindrucksvoll geprüft werden“.

Mein Alter darf man sehen, hören sollte man es nicht.

Organist Peter Simonett

Nach dem klanggewaltigen Werk von Bach wirkte Max Regers "Benedictus" eher meditativ. Zarte Töne, aber auch kräftige dynamische Akzente im Schlussteil prägen diese Komposition, die für den Gottesdienst geschrieben war. Die folgende Toccata und Fuge in d-moll von Bach zählt zu den bekanntesten Orgelwerken. Vielen Zuhörern merkte man an, wie sie von den eindrucksvoll ausgespielten Kontrastpartien dieses ihnen bekannten Werks berührt waren.

Nach den gewaltigen Kompositionen von Bach ließ es der Organist mit der letzten Sonate des Romantikers Felix Mendelssohn Bartholdy ruhiger angehen, bevor das Geburtstagskind mit dem Choral a-moll von César Franck erneut seine Virtuosität unter Beweis stellte. Die Komposition ist kein Choral im herkömmlichen Sinn, sondern gehört in die Tradition der symphonischen Dichtungen. Regers Toccata und Fuge aus op 59 bildete laut Programm den Abschluss, doch dann gab es nach nimmer endendem Applaus eine Zugabe: "Prière a Notre Dame" von Léon Boellmann.

Dekan Alfons Kaufmann (rechts) bedankte sich beim Jubilar mit einem Buchgeschenk.

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