20.03.2020 - 16:11 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Oberviechtacher Tafel stellt Ausgabe ein

Bedürftige müssen sich die nächsten Wochen noch etwas mehr einschränken: Die Tafel in Oberviechtach und Neunburg vorm Wald schließt bis nach Ostern ihre Lebensmittelausgabe. Dafür gibt es zwei Gründe.

Corona verordnet eine Zwangspause: Der „Glücksbringer-Bus“ der Oberviechtacher Tafel wird nächste Woche keine Lebensmittel zur Ausgabestelle in der ehemaligen Metzgerei Suckart bringen. Mindestens bis Ostern bleibt die Theke leer.
von Gertraud Portner Kontakt Profil
Das kennt man normalerweise bei der Tafel nicht: Leere Thekenflächen kurz vor der Ausgabe. Besonders abgepackte Wurst und Käse fehlen.

Bei der ersten Nachfrage der NT-Redaktion zeigte sich Friedrich Keller noch zuversichtlich. Am Mittwoch meinte der Vorsitzende der Oberviechtacher Tafel: "Wir behalten unsere Öffnungszeiten so wie jeder normale Supermarkt." Schon am nächsten Tag hatte sich die Situation verändert: "Wir haben nur noch heute offen und schließen die Ausgabe zunächst bis Ostern. Wie es weitergeht weiß keiner."

Wir haben keine Fälle hier. Es ist eine reine Vorsichtsmaßnahme.

Friedrich Keller, Vorsitzender der Oberviechtacher Tafel

Friedrich Keller, Vorsitzender der Oberviechtacher Tafel

Drastisch weniger

Keller schaut bedrückt zu Boden als er diese Auskunft gibt, während sein Mitarbeiterteam die Theke im ehemaligen Metzgerladen Suckart in der Nabburger Straße einräumt. Jeden Donnerstag decken sich hier rund 50 Bedarfsgemeinschaften aus dem Oberviechtacher und Schönseer Land mit Lebensmitteln ein. Wie Keller betont, hänge die vorübergehende Schließung mit der dramatischen Veränderung der Gesamtlage in Deutschland zusammen. Bis Donnerstagmorgen hätten 300 von 900 Tafeln im Bundesgebiet ihre Ausgabe eingestellt.

Der Vorsitzende nennt zwei Gründe: So werden die Lebensmittelspenden der Supermärkte drastisch weniger, was auch an den aktuellen Hamsterkäufen liege. "Und als Verantwortlicher muss ich handeln. Unsere Helfer sind alle Rentner und damit im Risikoalter ." Die Gefahr, sich mit Corona zu infizieren, sei für die Ehrenamtlichen einfach zu groß. "Es hilft nichts", meint Friedrich Keller und betont: "Wir haben keine Fälle hier. Es ist eine reine Vorsichtsmaßnahme."

Vier Frauen und ein Mann platzieren das Angebot. Laut dem Vorsitzenden schaue dieses noch halbwegs gut aus, die Menge sei aber drastisch weniger als üblich. Das sieht man schon beim Brot und Gebäck gleich neben der Kasse, wo für jeden Einkauf symbolisch ein Obolus (Single 1 Euro, Familie 2 Euro) bezahlt wird. Bei den Milchprodukten, und vor allem im Regal mit abgepackter Wurst, bleiben große Lücken. Sonderartikel wie Kaffee oder Schokolade gibt es gleich gar nicht.

Brot und Gebäck ist diesmal deutlich weniger. Die beiden ehrenamtlichen Helferinnen hoffen, dass es trotzdem für alle reicht.

Wie vor sieben Jahren

Besser schaut es bei Obst und Gemüse aus, "das horten die Leute eh nicht". Keller zeigt auf die Körbe und erklärt: "Es ist heute relativ viel Frischware hier". Denn die Firma "Call a Körndl" aus Altenschneeberg/Tiefenbach - ein Bio-Lieferdienst fürs Frühstück in Kindergärten - hat unter anderem Milch und Frischkäse sowie eine riesige Menge an Bananen vorbeigebracht. Für nächste Woche sei mit einem weiter verringerten Angebot zu rechnen. Das habe sich schon am Dienstag gezeigt, als der "Glücksbringer-Bus" die Märkte in Oberviechtach bis hinter nach Schönsee und Waidhaus abklapperte.

"Den Bedürftigen geht es jetzt genauso wie vor sieben Jahren, als wir mit der Tafel angefangen haben", meint der Koordinator und stellt fest: "Es wird keiner verhungern." Allerdings müssten sich viele noch mehr einschränken, wenn der Vorteil des günstigen Lebensmitteleinkaufs einmal pro Woche wegfalle. Das gilt nun ab nächster Woche bis mindestens 19. April auch für die Bedarfsgemeinschaften im Bereich Neunburg vorm Wald. Hier sperrten am Freitag die Ehrenamtlichen der Oberviechtacher Tafel noch einmal auf. Allerdings mit einer Vorsichtsmaßnahme: Damit sich nicht zu viele Personen im Verkaufsraum versammelten, wurden die in der Vorwoche ausgegebenen Nummern nach und nach aufgerufen. Das Tafel-Team um Friedrich Keller hofft, dass sich die Situation bald entspannt. Dann werden auch die zwei Kühlwagen wieder unterwegs sein und an zwei Tagen in der Woche die Lebensmittel bei den Einkaufsmärkten abholen, die ansonsten aufgrund ihres nahenden Mindesthaltbarkeitsdatums im Abfallcontainer landen.

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