07.03.2021 - 13:03 Uhr
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Oberviechtachs Gesellschaftsvereine in der Pandemie: Die Sehnsucht nach dem Stammtisch

Die Pandemie kennt keine Geselligkeit. Seit Monaten ruht das Leben in den Oberviechtacher Gesellschaftsvereinen. Die Stammtische bleiben leer, Monatstreffen sind gestrichen. Vorsitzende berichten, was ihre Mitglieder am meisten vermissen.

Ein Bild aus der Zeit vor Corona: In geselliger Runde prosten sich die Oberviechtacher Feuerwehrsenioren am Stammtisch zu. Nicht nur sie vermissen die monatlichen Treffen mit Gleichgesinnten.
von Christof FröhlichProfil

Den Begriff der Geselligkeit definiert das Online-Lexikon Wikipedia als "Grundform des menschlichen Miteinanders und Austauschs". Sie diene "der Zerstreuung und Unterhaltung wie der Identitätsstiftung und Einbindung in die Gesellschaft". Dieser Pflege von Geselligkeit und Gemeinschaft haben sich vor allem die Gesellschaftsvereine in Oberviechtach verschrieben. Doch die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Einschränkungen haben das Vereinsleben komplett ausgebremst. Wenn keine Wirtshäuser geöffnet sind, muss der Stammtisch leer bleiben. Und an Ausflüge ist auch nicht zu denken.

Viele der Mitglieder in den Gesellschaftsvereinen gehören älteren Semestern an. Die gegenseitigen Kontakte, gesellige Treffen und ein fröhliches Miteinander stellen für sie ein Stück Abwechslung im Alltag dar. "Es tut schon weh, wenn man die liebgewonnenen Freunde plötzlich nicht mehr treffen kann", stellt Rainer Rabe, Vorsitzender des "Club 73" fest. So lange wie er führt in der Region wohl niemand einen Verein: Seit mehr als vier Jahrzehnten steht er an der Spitze des Gesellschafts- und Geselligkeitsverein.

"Es tut schon weh, wenn man die liebgewonnenen Freunde plötzlich nicht mehr treffen kann."

Richard Rabe, Vorsitzender des "Club 73"

Der "73" im Vereinsnamen sind die meisten Mitglieder mit ihren Lebensjahren schon sehr nahegekommen, manche haben sie auch schon überschritten. Für viele von ihnen ist der Verein im Laufe der Zeit auch ein Stück weit Familie geworden. Die Erinnerungen an Fahrten, Betriebsbesichtigungen, Kegelabende, Wandertage sowie gesellige Treffen mit Musik und Ausbuttern sind der Kitt, der diese Gemeinschaft zusammenhält. Nachdem mittlerweile der "Tatendrang" und die Beweglichkeit einiger Mitglieder krankheits- und altersbedingt nachgelassen haben, spielen mittlerweile die monatlichen Treffen und Vereinsausflüge die Hauptrolle.

"Unser Vereinsleben ruht allerdings momentan komplett", bedauert Rainer Rabe. Kontakt untereinander werde derzeit nur per Telefon gehalten. Und weil die regelmäßigen Treffen fehlen, können diese Anrufe manchmal auch ein wenig länger dauern. "Die direkten Kontakte werden sehr vermisst", so Rabes Eindruck. Viele seien froh, am anderen Ende der Telefonleitung jemanden zu haben, mit dem sie offen reden könnten.

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Schon über ein Jahr ruhen die Aktivitäten der Oberviechtacher "Feuerwehrsenioren". Zuletzt war im Februar 2020 der "Globus" in Schwandorf besichtigt worden. Dieser lockere Zusammenschluss aus früheren Aktiven, einstigen Führungskräften sowie Freunden der Oberviechtacher Stützpunktwehr, trifft sich eigentlich jeden zweiten Dienstag im Monat in Gaststätten, deren Besitzer Mitglieder der Feuerwehr sind.

Zu den Unternehmungen auf dem gesellschaftlichen Sektor gehören üblicherweise drei bis fünf kleinere Ausflüge im Jahr, Betriebsbesichtigungen oder Besuche von Festen. Und einmal im Jahr werden sie von den Aktiven der Stützpunktwehr bei einer "Senioren-Schulung" im Gerätehaus auf den aktuellen Stand in Sachen Feuerwehrtechnik gebracht.

Doch die Pandemie hat auch diesen Aktivitäten einen Riegel vorgeschoben. "Mittlerweile warten viele von uns mit Sehnsucht auf das nächste Treffen", beschreibt Karl Bauer, der für den Organisationsablauf bei den Feuerwehrsenioren verantwortlich zeichnet. Besonders vermisst werde vor allem das Miteinander unter Gleichgesinnten.

"Nichts zu machen" war zuletzt auch bei den "Königstreuen" im Ortsteil Lind die aufgezwungene Devise. Seit vielen Jahrzehnten vereint die Mitglieder die Verehrung für Ludwig II., den bayerischen "Märchenkönig". Doch auch hier hat die Pandemie beispielsweise den monatlichen Treffen im Landgasthof "Taverne" einen Riegel vorgeschoben. Seit Monaten bleiben die für jedes Mitglied individuell angefertigten "Kini-Bierkrügl" leer.

Fackel- und Nachtwanderungen, Vereinsfahrten und Tagesausflüge: Bunt gemischt sind üblicherweise die Aktivitäten im Verein. Höhepunkt ist das dreitägige "Kinifest", das stets um den Geburtstag des Monarchen im August gefeiert wird. Doch alle Aktivitäten mussten seit dem Vorjahr entfallen. Da verwundert es nicht, wenn – bei allem Verständnis für die getroffenen Maßnahmen – jede Menge Bitterkeit aus den Worten von Vereinswirt Herbert Reger herauszuhören ist. Er befürchte, bei einem weiter anhaltenden Lockdown, enorme Auswirkungen auf das gesellschaftliche Leben und auch auf die Gastronomie.

Was aus allen Gesprächen mit den Vereinsvertretern durchklingt ist die Sehnsucht nach ein Stück Normalität. Nach der langen Zeit des Lockdown, mit lediglich einem Minimum an sozialen Kontakten, hoffen die Mitglieder in den Gesellschaftsvereinen auf das Comeback von Stammtisch, geselligen Runden und den Ratsch von Angesicht zu Angesicht.

Erst im Januar 2020 war beim "Club 73" eine neue Vorstandschaft gewählt worden. Die neue Amtszeit für Vorsitzenden Rainer Rabe (links) und sein Team war noch gar nicht richtig in Schwung gekommen, als der Coronavirus das öffentliche Leben lähmte.
Die Böller blieben stumm: Nachdem das "Kinifest" der Linder Königstreuen im Vorjahr ausfallen musste, entfiel auch der krachende Salut zum Auftakt.

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