ONETZ: Wie immer sind Sie als Ovigo-Intendant sehr beschäftigt. Was ist denn der Grund dafür?
Florian Wein: Es sind zum einen unsere Open-Air Aufführungen. Und gleichzeitig die Spielplanvorbereitung für nächstes Jahr. Deswegen fahre ich gerade zweigleisig: Die derzeitigen Aufführungen mit betreuen, und gleichzeitig schon die Zukunft planen.
ONETZ: Vergangenes Jahr gab es einen neuen Zuschauerrekord. Wie sehen Sie dieses Jahr bislang?
Florian Wein: Sehr positiv. Wir haben neue Stücke mit "Das Experiment", “Nur ein Tag” und "Robin Hood" gezeigt. Sowohl sie als auch die Bestehenden liefen sehr gut. Wir können nicht klagen, was die Besucherzahlen betrifft. Deswegen kann ich jetzt schon prognostizieren, dass wir den Rekord von letztem Jahr toppen werden. Ich denke, dass es realistisch ist, dass wir die Marke von 20.000 Besuchern knacken.
ONETZ: Wie erklären Sie sich den Sprung, dass so viel mehr Leute kommen?
Florian Wein: Ich glaube, unser Erfolgsrezept ist, dass wir in so vielen verschiedenen Regionen spielen und sehr hartnäckig sind an gewissen Orten. Und wir fächern die Stücke und Spielorte breit. Das funktioniert sehr gut. Dazu kommt, dass es gut angenommen wird, dass wir an Schulen spielen. Und die Nachfrage für Formate, wie unsere Dinner-Events ist ungebrochen. Das multipliziert sich und spricht sich immer mehr rum. Auch der Verein wird immer größer. Die Mitglieder fungieren als Multiplikatoren. Sie sind in allen Orten der Oberpfalz vertreten und erzählen von ihrem Verein und dem Wirken. Das funktioniert fast von allein. Natürlich müssen wir auch etwas dafür tun und in Werbung investieren. Es gibt auch Aufführungen, die nicht gut besucht sind, aber unterm Strich sind wir sehr zufrieden.
ONETZ: Nach welchen Kriterien haben Sie die Stücke für das diesjährige Programm unter dem Motto “Die Zeit, die uns bleibt” ausgewählt?
Florian Wein: Aus einem längeren Katalog an Stücken schaut man zum Beispiel: Ist ein Stück in den letzten Jahren irgendwo in der Region schon aufgeführt worden? Dann fällts im Grunde fast raus. Oder ähneln sich manche Stücke von der Thematik zu sehr? Dann überlegen wir: Haben wir Schauspieler, die sowas spielen wollen und können? Außerdem müssen wir auch beim Verlag anfragen, ob das Stück verfügbar wäre. Und dann treten wir in Kontakt mit den Regisseuren, die mitentscheiden. Die letzte Entscheidung liegt zwar bei mir, aber natürlich soll sich ein Regisseur mit dem Stück wohlfühlen. Und man muss überlegen: Kann das jeweilige Stück an den bei uns zur Verfügung stehenden Bühnen umgesetzt werden? Funktioniert es an mehreren Spielorten? Und ich muss mir auch überlegen: Kommen da die Leute? Ist es interessant genug? Wobei wir nicht nur Stücke auswählen, um möglichst viele Leute anzulocken, sondern wir wollen auch inhaltlich interessante Stücke.
ONETZ: Was ist persönlich Ihr liebstes Stück, das in dieser Saison aufgeführt wird?
Florian Wein: Das ist ganz schwer zu sagen, weil ich – klingt jetzt blöd – nur Favoriten habe. Jedes Stück hat einen eigenen Charme und man merkt, dass es Ovigo ist. Dass sich diese Begeisterung, die von den Schauspielern auf die Bühne gebracht wird, einfach aufs Publikum überträgt. Jetzt im Sommer liefen die beiden Sommerkomödien “Eine ganz heiße Nummer” und “Blind Date” exzellent. Also wenn ich müsste, dann würde ich die beiden hervorheben. Es war einfach eine grandiose Sommerstimmung. Wir hatten auch unsere 1000. Ovigo-Aufführung bei “Eine ganz heiße Nummer” in Nabburg, das war ein ganz besonderes Event und vielleicht das größte Highlight.
ONETZ: Sind diese Sommerstücke etwas für junge Leute? Weil viele ja das Klischee haben, dass Theater langweilig ist...
Florian Wein: Ja! Wir haben gerade "Robin Hood" im Angebot. Ein Stück für die ganze Familie. Da stehen Kinder, Jugendliche und Erwachsene auf der Bühne und genauso ist es auch für sie geeignet. Es ist kindgerecht, aber auch mit Witzen für die Erwachsenen. Und in eine Komödie wie “Blind Date” kann man locker mit Jugendlichen gehen. Außerdem kommt im Dezember "Momo" dazu. Ich würde schon sagen, dass wir viele Stücke haben, die für alle Alterssparten spannend sind. Und das keiner rausgeht und am Ende sagt: “Das war langweilig.”
ONETZ: Gibt es auch Stücke, die eher für Erwachsene sind?
Florian Wein: Ja, zum Beispiel “SAD 88”. Das ist das Schauspiel zu dem rechtsradikalen Angriff in Schwandorf von 1988. Es ist für Jugendliche ab der 9. Jahrgangstufe geeignet, aber nicht für zu junge Leute. Weil es schon sehr heftig ist und man auch die Zusammenhänge nicht versteht, wenn man es früher sieht. Auch im Schauspiel “Das Experiment” geht's sehr heftig zur Sache, denn es wird Gewalt thematisiert und dargestellt. Das ist eher ab 16 geeignet. Vorher auf keinen Fall.
ONETZ: Bei einigen Stücken sind Sie auch für die Regie verantwortlich. Ist das dann zusätzlich noch mehr Aufwand?
Florian Wein: Wenn ich “nur” Intendant bin und nicht die Regie mache, dann kümmere ich mich um alles drum herum, aber ich muss nicht bei den Proben und Aufführungen sein. Wenn ich selbst die Regie mache, dann habe ich alle Fäden in der Hand. Das ist ein ordentlicher Aufwand. Im Sommer hatte ich unter anderem die Regie bei “Eine ganz heiße Nummer” und “Blind Date”. Da war schon viel zu tun. Jetzt setzen wir immer mehr neue Regisseure ein und da werde ich mich etwas zurückziehen. Ich werde die Regie nicht aufgeben, aber früher war es so, dass ich eigentlich jedes Stück inszeniert habe. Das funktioniert zeitlich nicht mehr. Jetzt kann ich besser auswählen: Wo möchte ich selbst die Regie machen und was besetzen wir mit anderen?
ONETZ: Wenn wir jetzt in die Zukunft schauen: Gibt es Stücke, bei denen Sie sagen: Die muss ich mit Ovigo noch unbedingt aufführen?
Florian Wein: Ja. Und zwei, drei dieser Stücke kommen schon nächstes Jahr. Ich freue ich extrem auf den Spielplan 2027. Leider darf ich noch nichts verraten bis zur Präsentation im Oktober. Da sind auf jeden Fall schon große Träume drin, die dann verwirklicht sind. Ich denke, die Ideen und die Stücke werden uns in den nächsten Jahren nicht ausgehen.
ONETZ: Auf was können sich die Leute in nächster Zeit bei Ovigo freuen?
Florian Wein: Auf Formate für Klein bis Groß und Jung bis Alt. Und wir werden wieder zahlreiche Spielorte der Oberpfalz bereisen und noch mehr unterwegs sein in den Landkreisen Neustadt, Tirschenreuth und in der Stadt Weiden. Unser Kerngebiet ist der Landkreis Schwandorf, da werden wir weiterhin so fleißig spielen wie bisher, aber grundsätzlich orientieren wir uns ein bisschen mehr in den Norden der Oberpfalz.



















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