16.04.2019 - 15:26 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Ran an den Wischmopp

Es gibt Traditionen, die erleben eine Renaissance. Dazu gehört auch der Frühjahrsputz. Frische und Ordnung in der Wohnung heben das Wohlbefinden und wirken sich positiv auf die Seele aus. Fachoberlehrerin Barbara Röhrl gibt Tipps.

Diese vier Schülerinnen der Staatlichen Berufsfachschule „Ernährung und Versorgung“ in Oberviechtach haben Spaß beim Fensterputzen. Bei der dreijährigen Ausbildung steht auch die Praxis im Stundenplan.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

"Den Frühjahrsputz gibt es in vielen Familien immer noch", erklärt Barbara Röhrl, Fachbetreuung für Ernährung und Versorgung an der Berufsfachschule Oberviechtach. Sie spricht sogar von einem schönen Gefühl: "Beim Heilfasten reinigt man den Körper von innen, beim Großputz ist es der Haushalt." Ihr Fazit: "Schränke aussortieren und säubern hat eine befreiende Wirkung auf die Psyche." Und das passe auch zum österlichen Gedanken von der Erneuerung.

Die ältere Generation kennt noch die Zeit, als weniger der "Wohlfühl-Effekt" im Vordergrund stand. Denn als überwiegend mit Holz- und Kohleöfen geheizt wurde, lüftete man die Wohnungen äußerst selten, um die wertvolle Wärme in den eigenen vier Wänden zu halten. Der Ruß lagerte sich im ganzen Haus ab. Vor Ostern wurden dann oft die Möbel ins Freie gebracht, alles gründlich gereinigt und die Wände neu geweißelt. Aber auch heutzutage zeigt die Frühlingssonne, dass die Fenster über den Winter etwas an Schmutz zugelegt haben. Im Schlafzimmer stören "Wollmaus-Kolonien" und die Terrasse präsentiert sich wenig einladend für die erste Grillparty. Wie Barbara Röhrl aufzeigt, gibt es durchaus Bereiche, bei denen sich ein jährliches Großreinemachen noch immer lohnt (siehe Kasten). Sie appelliert daran, umweltfreundlich zu reinigen und keine aggressiven Mittel zu verwenden. Zwar gebe es für fast jedes Material und jeden Zweck einen Spezialreiniger, doch das sei übertrieben. "Ein Neutralreiniger reicht meist völlig aus", betont die Expertin. Denn es gehe nur darum, die Oberflächenspannung des Wassers herabzusetzen, damit sich der Schmutz leichter löst. Außerdem: "Wenn man regelmäßig reinigt, kann man auf die harten Mittel verzichten, da sich nichts hartnäckig festsetzt." Früher gab es hier mehr Routine. Da wurde jeden Samstag geputzt, während dies heute der Familientag für Freizeit und Einkaufsfahrten ist.

Von Nano bis Bambus

Im Dschungel der Reinigungssysteme und Hilfsmittel kann man sich leicht verirren. Barbara Röhrl zählt einige auf: Nano-Technologie, effektive Mikroorganismen (EM), Jemako-Tücher, Hara. Je nach Preis und Vorlieben habe jeder so seine Favoriten. Sie selber benutzt am liebsten Bambus-Tücher. Nicht mehr verzichten möchte sie auch auf den Akku-Fenstersauger, der Zeit spare und ein "super Ergebnis" liefere. Ein wenig überholt seien Fensterleder, fusselfreies Baumwolltuch oder Zeitungspapier gegen Streifen. "Aber einige stehen noch darauf", betont die Expertin

Auch die Berufsfachschülerinnen lernen die breite Auswahl der verschiedenen Möglichkeiten kennen. Barbara Röhrl stellt klar: "Putzen ist negativ belastet. Wir Lehrkräfte müssen die Schüler schon dazu motivieren." Jeweils zwei Wochenstunden sind für Theorie im Fach HHT (Haushaltstechnologie) und Praxis in RTP (Raum- und Textilpflege) eingeplant. Der Tipp der Fachbetreuerin: "Immer zuerst mit einem harmlosen Reinigungsmittel beginnen. Erst wenn unbedingt notwendig, die Keule einsetzen." Dies sei umweltfreundlich und spare Geld. Ein Aspekt der Reinigung sei auch die Werterhaltung. Zuviel könne aber auch schaden und deshalb sei bei Kleidung eine gute Option: "Lüften statt Waschen".

Putzen in Portionen

Damit der Frühjahrsputz gelingt, rät sie zum "Zwei-Eimer-System", zu Teleskopstange und stabiler Trittleiter. Zu beachten sei, dass Mikrofasertücher nicht für Holzoberflächen verwendet werden dürfen und rückenschonend sei es, beim "Schränke-Ausmisten" in die Hocke zu gehen. Damit schlechte Laune keine Chance hat, sollte man sich nicht übernehmen: "Putzen in kleinen Portionen und die Leistungskurve beachten", appelliert Barbara Röhrl. Am effektivsten sei der Vormittag oder nachmittags ab 16 Uhr. Ihr Rat: "Täglich im Vorbeigehen aufräumen, damit keine Berge entstehen." Also, ran an den Wischmopp - und das schöne Gefühl genießen, wenn die Wohnung grundlegend gereinigt ist. Ostern und der Frühling können kommen!

Schränke aussortieren und säubern hat eine befreiende Wirkung auf die Psyche.

Fachoberlehrerin Barbara Röhrl sieht den Frühjahrsputz positiv

Mehrere Bereiche:

Hier ist Frühjahrsputz angesagt

n Fenster

Nachdem in den kalten Wintermonaten das Fensterputzen meist außen vor blieb, hat sich mehr Schmutz angesammelt. Moderner Helfer ist der Fenstersauger.

n Balkon/Terrasse

Mit Wurzelbürste und viel Wasser fit für die Grillparty machen. Blumentöpfe und Gartenmöbel reinigen, Holzstühle schleifen und ölen.

n Schränke

Nach dem Winter, macht es Spaß, Platz für neue Klamotten zu schaffen. Nicht zufällig finden viele Kleiderbörsen und Altkleidersammlungen im Frühjahr statt. Für mehr Übersicht trägt auch die Änderung der Schrankordnung bei; viele räumen halbjährlich um. Auch in den Küchenschränken lohnt sich ein näheres Hinsehen auf Lebensmittelvorräte, die viel Platz einnehmen und vielleicht nur als Staubfänger dienen oder deren Haltbarkeit abgelaufen ist. Auch Kühlschrank und Gefriertruhe warten aufs Reinigen und Sortieren.

n Textiles

Sofa reinigen sowie Waschen von Kissenbezügen, Vorhängen und Betten (Pflegeetikett beachten). Matratzen auslüften und abnehmbaren Bezug waschen. Tipp: Jeden Tag nach dem Aufstehen die Bettdecke zurückschlagen, damit sich die Matratze entlüften kann. Winterschuhe säubern. Tipp von Barbara Röhrl: „Innen mit wenig Essigreiniger auswischen, das hilft gegen Gerüche“. Mit Schuhspanner oder Zeitungspapier in Form halten; trocken und luftdurchlässig lagern.

n Grundregel

Vom Sauberen zum Schmutzigen, von oben nach unten und von innen nach außen putzen.

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