19.10.2018 - 15:26 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Renaissance der Hausnamen

Hausnamen sind ein altes Kulturgut, das in der heutigen Zeit in manchen Orten eine Art Renaissance erfährt. Im Doktor-Eisenbarth- und Stadtmuseum Oberviechtach hat man den 133 Hausnamen der Altstadt sogar eine ganze Abteilung gewidmet.

AWO-Vorsitzender und Museumsleiter Wilfried Neuber (links) dankt Dr. Ludwig Schießl mit einem „flüssigen Geschenk“ für seinen interessanten Vortrag.
von Autor SLUProfil

Über das Konzept und die sozialgeschichtliche Bedeutung der Hausnamen referierte Dr. Ludwig Schießl beim Senioren-Café Ü50 der Arbeiterwohlfahrt. Dieses Treffen fand auf Anregung von Juane Demleitner dieses Mal im Kulturzentrum in der Marktmühle statt. Wilfried Neuber begrüßte die zahlreichen Gäste in seiner zweifachen Funktion als AWO-Vorsitzender und Museumsleiter und gab einen Abriss über die Geschichte des Hauses.

Zur Unterscheidung

In seinem Vortrag mit dem Titel "Hausnamen als Spiegel der Sozialgeschichte und des Dialekts im Doktor-Eisenbarth- und Stadtmuseum Oberviechtach" ging Ludwig Schießl, seines Zeichens Vorsitzender des Heimatkundlichen Arbeitskreises Oberviechtach und Mitarbeiter im Museum, zunächst auf die Entwicklung und den Stellenwert der Hausnamen in früherer Zeit ein, wobei er mit dem Beispiel von mehreren Trägern des Namens "Hans Roßmann" die Bedeutung der Hausnamen zur Unterscheidung von Personen illustrierte.

Nach einem kurzen Streifzug durch das Museumskonzept und den Aufbau der Abteilung "Handwerk und Hausnamen" beschäftigte er sich mit der Wortbildung der Hausnamen, wobei der Schwerpunkt auf der Gruppe der Berufsbezeichnungen lag. Für einen Beitrag im Jahrbuch der Johann-Andreas-Schmeller-Gesellschaft 2013 hatte der Referent die im Museum unter anderem in Form eines Hausnamenbandes dargestellten Hausnamen einer sprachwissenschaftlichen Analyse unterzogen, deren Ergebnisse er den Anwesenden vortrug. Demnach weisen 85 der 133 erfassten Hausnamen auf einen Berufs- bzw. Tätigkeitsbereich hin. Die größte Gruppe mit 13 Vertretern stellt das Lederhandwerk dar, gefolgt vom Holzhandwerk und der Gruppe der Müller und Bäcker (jeweils zehn). Insgesamt ergeben sich 15 verschiedene Bereiche.

Oft Berufsbezeichnung

Anhand dieser 85 Hausnamen zeigte Schießl die Muster auf, nach denen die Wortbildung der Hausnamen erfolgt ist. Der häufigste Fall sind jene Hausnamen, die aus einer Berufsbezeichnung ohne Zusatz bestehen; ihre Anzahl beträgt 34. Danach kommen Berufsbezeichnungen mit einem Vornamen (21 Belege). Beispiele dafür sind: Sodlerhans, Schreinernickl, Beckermichl, Fawerhansherl, Koubäider und Minzndama. Die Vornamen dienten dem Referenten auch als Mittel, um dialektale Charakteristika zu veranschaulichen, die in den Hausnamen zum Ausdruck kommen. Zuvor war er noch kurz auf ein weiteres Wortbildungsmuster eingegangen, nämlich Hausnamen aus so genannten Übernamen.

Die Gäste im Kulturzentrum in der Marktmühle zeigten sich sehr interessiert, und manche von ihnen nutzten nach dem Dank von Wilfried Neuber an Ludwig Schießl noch die Gelegenheit eines Museumsbesuchs.

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