17.08.2018 - 15:02 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Schlaraffenland im Obstgarten

Obstbäume haben heuer schwer zu tragen. Nicht wenige brauchen Stützen, so mancher Ast senkt sich bis auf den Boden oder ist schon abgebrochen. Die Gartenbauvereine rüsten sich für einen Ansturm auf ihre Saftpressen.

Unter der Last von ungewöhnlich vielen Äpfeln biegen sich die Zweige der Bäume in der Region. Allerdings rechnen die Betreiber der Obstpressen mit relativ kleinen Früchten.
von Monika Bugl Kontakt Profil

(bl) "Das ist der Wahnsinn", schwärmt Monika Rosskopf, Vorsitzende beim Dieterskirchener Gartenbauverein. "Ich komme gerade vom Obstlehrpfad, da gibt es heuer einfach alles in Hülle und Fülle: Nüsse, Zwetschgen, Birnen und natürlich Äpfel." Zwar dürften die Früchte bedingt durch die Trockenheit etwas kleiner ausfallen, aber das machen sie durch enorme Mengen wieder wett. "Wenn es mehr geregnet hätte, wäre die Ernte noch üppiger", sagt Rosskopf, die sich noch gut an die maue Ausbeute vom Vorjahr erinnert: Da lohnte es gar nicht, die Obstpresse in Betrieb zu nehmen. Heuer sind nach ihrer Einschätzung die Äpfel auch noch früher reif, und mangels Wasser rechnet sie mit einem "zuckersüßen" Apfelsaft. Weil Dieterskirchen über eine Packpresse verfügt, können dort auch Kirschen samt Kern oder Johannisbeeren verarbeitet werden, die eingefroren und rechtzeitig zum Pressen wieder aufgetaut wurden. "So ein Apfel-Kirsch-Saft, das ist ein Traum", meint die Gartenbauvereinsvorsitzende. Die Dieterskirchener Ernte muss sich allerdings noch etwas gedulden, denn gepresst wird erst ab 7. September, wenn das Helferteam zu Stelle ist.

Schon ab Mittwoch, 22. August, will man dagegen beim Obst- und Gartenbauverein Schönseer loslegen. "Die Bäume sind über und über voll, bei meinem Birnbaum sind schon drei Ästen abgebrochen, bei den Apfelbäumen ist es das gleiche", berichtet Vorsitzender Andreas Ebnet, der sich an keine ähnlich üppige Ernte erinnern kann. "Das Wetter hat einfach super gepasst", sagt er "und ab und zu hab' ich halt einen Kübel Wasser hingeschüttet". Er schätzt, dass die Vereinsmitglieder heuer nicht nur an zwei Tagen Saft pressen, sondern dass die ganz Woche durchgehend produziert wird. "Wir rechnen auf jeden Fall mit einem enormen Ansturm, das Mostteam kann sich schon mal auf Überstunden einstellen." Ein Bitte hat er in diesem Zusammenhang: Wer Äpfel anliefert sollte aus organisatorischen Gründen die Menge möglichst genau einschätzen, auch wenn das erfahrungsgemäß nicht ganz einfach ist. Der Apfelsaft aus dem eigenen Garten wird jedenfalls zunehmend beliebter. "Ungespritzt und Natur pur, das ist eine super Sache" schwärmt Ebnet, "gar nicht zu vergleichen mit dem Produkt aus dem Supermarkt, das aus Asien kommt". Auch wenn jetzt schon viele Anfragen da sind, so rechnet Ebnet aber erst mit einer Hauptlast für September.

"Das Problem bei den frühen Terminen ist, dass viele Äpfel dann noch gar nicht richtig reif sind", warnt Karl Ruhland, Vorsitzender des Oberviechtacher Obst- und Gartenbauvereins (OGV). "Oft liegen Äpfel nur deshalb auf dem Boden, weil der Wurm drin ist." Sein Tipp: Wenn der Baum die Frucht mit einem sanften Drehen locker hergibt, ist sie reif. Im Zweifel hilft das Aufschneiden; Braune Kerne sind ebenfalls ein Beweis für den richtigen Zeitpunkt. Auch Ruhland rechnet für heuer mit großen Mengen, die lediglich durch den Bedarf des Endverbrauchers begrenzt werden. "1000 Liter Saft, das kann ja auch keiner trinken", stellt er klar und kalkuliert mit etwa 200 Litern pro Familie. Und ein fünf Jahre alter Saft schmecke ja auch nicht mehr ganz frisch.

Überrascht hat den Oberviechtacher OGV-Vorsitzenden das gute Apfeljahr heuer nicht. "Normalerweise sind die ungeraden Jahre immer schlecht, in den geraden gibt es viel zu ernten", hat er festgestellt, nachdem er seit 1986 die Saftpresse im Blick hat. Damit die Bäume bis zur Reife durchhalten, rät er, schwere Äste abzustützen ‒ und beim nächsten Schnitt im Frühjahr vorzubeugen. "Man schneidet die Bäume ja auch so, damit sie etwas aushalten können." Gepresst wird in Oberviechtach auf jeden Fall so lange, wie Bedarf besteht. "Bei uns kriegt jeder einen Termin", beruhigt Ruhland die "Kundschaft" des Gartenbauvereins. "Wir hatten die Presse auch schon mal bis Allerheiligen in Betrieb, sogar bei Schneefall." "Da kommt man dann schon am Zahnfleisch daher", seufzt seine Kollegin aus Dieterskirchen.

Info:

Der OGV Oberviechtach startet am 25. August mit dem Saftpressen (Termine unter 09671/91644 oder über E-Mail ogv.ovi-ruhland[at]t-online[dot]de. Äpfel, Birnen, Quitten und Trauben können angeliefert werden. Der OGV Schönsee beginnt bereits am Mittwoch, 22. August mit dem Pressen (Terminvergabe ab Montag, 20. August, unter Telefon 0160/92579679).

Der Gartenbauverein Dieterskirchen wirft seine Saftpresse am 7. September an (Termine unter 09671/2894). Der GOV Kulz bietet für Mitglieder das Mosten der Äpfel an, kann aber keine "Übermengen" bewältigen (Termine bei Hans Kulzer, Telefon 09676/9233710; ab 18 Uhr).

Die meisten Gartenbauvereine füllen inzwischen nicht in Flaschen, sondern in Beutel ab. Allerdings sind dabei laut Monika Rosskopf einige Punkte zu beachten: Sie rät, die Beutel in Obststeigen aus Pappe statt in Holzkisten zu transportieren, um durch kleine Nägel oder Splitter bedingte Löcher zu vermeiden. Kühl, dunkel und auf dem Zapfhahn liegend sollten die Behälter dann aufbewahrt werden. "Und auf jeden Fall sicher vor Mäusen, die gerne mal am Plastik knabbern. Da entstehen oft zwar nur winzige Löcher, aber der Saft wird dann schlecht." Wer selbst nichts zu ernten hat, der kann im Übrigen von den Früchten am Dieterskirchener Lehrpfad kosten. "Da darf jeder naschen", erklärt Rosskopf, "nur nicht gleich einen ganzen Kofferraum voll abräumen, sonst haben andere nichts mehr davon". (bl)

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