17.07.2019 - 15:44 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Shopping zwischen Schmutz und Staub

Staub, Krach und kein Parkplatz vor der Ladentür. Das vergrault die Kunden in der Bahnhofstraße. Für die Inhaber der Geschäfte ist das kein Zuckerschlecken. Einige greifen in ihrer Not zum "Baustellen-Rabatt".

Mit Hinweisen auf Parkplätze in der Nähe und Rabatt-Aktionen versuchen die Inhaber der Geschäfte in der Oberviechtacher Bahnhofstraße ihre Kunden mit der Baustelle zu versöhnen.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Durchfahrt verboten: Seit Mitte Juni ist die Bahnhofstraße für Autofahrer weitgehend tabu. Lediglich über die Karfreitagsgasse ist noch ein Teilstück Richtung Marktplatz befahrbar. Der übrige Abschnitt wird von Erdhaufen, Rohren, Containern und einem Bagger blockiert. Nach einer Reihe von Rohrbrüchen in den vergangenen Jahren, war die Hauptwasserleitung zu erneuern. Der erste Bauabschnitt nähert sich nun dem Ende, aktuell werden hier noch Hausanschlüsse erneuert. "Alles läuft planmäßig", freut sich Bürgermeister Heinz Weigl. Für die meisten Inhaber der Geschäfte in der Bahnhofstraße ist die dreieinhalbmonatige Bauphase trotzdem hart. Nach Abschnitt eins bleibt keine Zeit zum Verschnaufen. Mitte August geht es im zweiten Bauabschnitt von der Einmündung der Karfreitagsgasse weiter bis zum Marktplatz. Die Durchfahrt ist voraussichtlich bis Ende September gesperrt.

Für Fußgänger ist es eigentlich kein Problem, die Geschäfte in der Bahnhofstraße zu erreichen. Trotzdem scheint die Baustelle Kunden zu vergraulen, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß. Das ist zumindest das Ergebnis einer Nachfrage von Oberpfalz-Medien bei den betroffenen Geschäftsinhabern.

Bei der Metzgerei Meindl allerdings, die direkt am Einmündungsbereich liegt, ist die Welt noch in Ordnung. Von der Operation an der Flaniermeile der Stadt ist man hier kaum tangiert, und für Wurst und Fleisch legt die Kundschaft keine Pause ein. Am anderen Ende der Straße, bei der Bäckerei Scheitinger, ist die Baustellen-Flaute aber schon spürbar. "Vor allem morgens kommen weniger Kunden", hat man hier festgestellt.

Deutlicher zeichnet sich die Baustellen-Phase beim Schuhgeschäft ab. "Letzte Woche konnte ich daheim bleiben, weil so wenig los war", berichtet eine Verkäuferin. "Uns fehlen jetzt die Parkplätze, die meisten Leute parken eben am liebsten vor der Ladentür." Da hilft es auch nicht, dass die Stadt den Anwohnern mit einem zusätzlichen Angebot an Kurzzeit-Parkplätzen entgegen gekommen ist und alle Geschäfte fußläufig ständig erreichbar sind. "Eine Kugel Eis ist ja auch nicht so schwer zu schleppen", merkt Stefan Pronold, an, der bei der Stadt für die auf 450 000 Euro veranschlagte Maßnahme mit punktueller Kanalsanierung zuständig ist.

Baustellen-Rabatt

Dann ist da noch der Staub, der von draußen in die Läden dringt oder der Container direkt vor dem Schaufenster von "Ovi Optik". "Bei warmen Wetter kann man unter diesen Bedingungen die Tür nicht länger aufmachen, aber da hilft halt nichts", räumt Optiker Jürgen Kett ein. Da bleibe nur die Hoffnung, dass es so schnell wie möglich vorbei ist mit der Baustelle. "Wir halten durch", so seine Devise mit Blick auf den Baustellen-Rabatt, der an der Ladentür 30 Prozent Ermäßigung verspricht."Vielleicht motiviert das ja doch den ein oder anderen, auch wenn er nicht vor der Türe parken kann."

Das Modehaus Mehler hat ebenfalls schon eine Baustellen-Rabatt-Aktion hinter sich. Während man um die Unvermeidbarkeit der Arbeiten weiß, ist man hier aus einem anderen Grund empört.

"Die Informationspolitik der Stadt ist eine Katastrophe, wir haben erst im Mai von den geplanten Arbeiten erfahren", klagt Barbara Mehler - zu spät um den Einkauf darauf auszurichten, der ein Jahr Vorlauf hat. "Ich fürchte, dass jetzt auch noch die Telekom kommt und den Bürgersteig aufreißt." Doch auch da müssen die Gewerbetreibenden wohl durch, Maximilian Mehler ist soeben mit einer entsprechenden Nachricht aus dem Rathaus zurück.

Nicht ohne Parken

"Das Geschäft ist tot, aber wir wussten ja, dass mit dieser Baustelle einiges auf uns zukommt", sagt Anneliese Kraus vom gleichnamigen Foto-Händler in der Bahnhofstraße. Lieferungen seien momentan extrem schwierig, hat sie festgestellt. Sie sorgt sich aber auch darum, dass möglicherweise nach der Baustelle die Parkplätze in der Karfreitaggasse ganz gestrichen werden. "Wie das wohl zu Schulbeginn wird?", überlegt man bei Schreibwaren Blenz, wo man sich die Baustelle "schlimmer vorgestellt" hat. Allerdings soll sie ja auch erst Mitte August direkt vor der Ladentüre ankommen.

Einer allerdings hadert kaum mit dem Bagger und seinen Begleiterscheinungen, allenfalls mit dem Staub: "Ich habe momentan mehr Umsätze als sonst, vielleicht ist das aber auch nur Glück", überlegt Manfred Süß vom Schmuckgeschäft in der Bahnhofstraße. "Aber zu mir kommen die Leute eher gezielt, Laufkundschaft gibt es hier weniger", stellt er fest und rechnet nach Erfahrungen aus den vergangenen Jahren eher für die Zeit nach dem großen Umgraben mit einer Flaute. "Die Baustelle haben meine Kunden dann eher beim nächsten geplanten Einkauf im Kopf", spekuliert er und hofft, dass dieses Bild durch eine glatte Asphaltschicht am Ende der Baumaßnahme ganz schnell wieder gelöscht ist.

Im ersten Bauabschnitt ist die Hauptwasserleitung bereits verlegt, momentan werden noch Hausanschlüsse erneuert.
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