12.03.2019 - 09:29 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Tipps für schön gewachsene Obstbäume

Alles, was mit Obstanbau und Baumschnitt zu tun hat, erfahren die Kursteilnehmer des Obst- und Gartenbauvereins von Karl Ruhland. Begriffe wie "Pflanzschnitt", "Saftwaage" und "Halbstamm" sind nun keine Unbekannten mehr.

Bevor die Kursteilnehmer auf die Leiter durften,demonstrierte Karl Ruhland, wie man die Baumschere richtig ansetzt.
von Georg LangProfil

„Ein Obstbaum muss so beschaffen sein, dass man einen Hut durch seine Krone werfen kann.“ Diese Faustregel eines früheren Kollegen von Karl Ruhland erzeugte einige Verwunderung bei den knapp 20 Teilnehmern des Obstbaumschnittkurses, den der Obst- und Gartenbauverein Oberviechtach im Turnus von zwei Jahren anbietet. Die Motivation des Vorsitzenden Karl Ruhland, der sich seit zehn Jahren für gut gewachsene Obstbäume einsetzt, springt an diesem Wochenende auf die Kursteilnehmer über, die nach der zweistündigen Theorie am Freitagabend auch die Praxis am Samstagvormittag nicht scheuen, obwohl Nieselregen und kalte Windböen den Lerneifer auf eine harte Probe stellen.

Ein belastungsfähiges Traggerüst für den Obstbaum ist das Ziel des „Pflanzschnitts“, dem man beim Setzen junger Obstbäume gerecht werden muss. Am Stamm bleiben nur drei Leitäste, die unterschiedlich hoch angesetzt sind und in verschiedene Richtungen wachsen. Dabei kommt es auch auf den Winkel zwischen 45 und 90 Grad an. Das ganze Gebilde soll eine Dachform aufweisen, wenn man mit den beiden Daumen und Zeigefingern eine Raute bildet und die Baumkrone ins Visier nimmt. Der Fachmann spricht hier von der „Saftwaage“. Wichtig ist auch noch, dass man beim Zuschneiden kein „Stumperl“ am Stamm übrig lässt, denn dort können gefährliche Pilze entstehen. Der glatte, schräge Zuschnitt erfolgt jeweils knapp oberhalb eines „Auges“, wo sich ein neuer Trieb nach außen entwickeln kann. Die jungen Bäume sollte man in den ersten fünf Jahren immer wieder um ein Drittel zurückschneiden. Damit bei den Ästen der ideale Winkel von 45 Grad erreicht wird, kann man diese auch binden oder beschweren.

"Hopfen und Malz" ist auch bei ganz alten Bäumen nicht verloren, die noch keinerlei Zuschnitt erfahren haben. Das machte Karl Ruhland in seiner optimistischen Art vor allem am Praxistag deutlich, als sich einige Teilnehmer über den Zustand ihrer vergreisten Obstbäume outeten. Baumschere, Astschere und Sägen unterschiedlichen Typs kommen hierbei zum Einsatz. Vieles, was nach innen wächst und sich kreuzt, muss bei älteren Bäumen entfernt werden. Dieser „Ertragsschnitt“ hält die Bäume vital, fördert die Sonnendurchflutung und erleichtert auch die Ernte, da auf diese Weise mühelos eine Leiter angestellt werden kann.

Wurzel, Stamm, Stammverlängerung, Leitäste, Fruchtäste, Triebe und Knospen machen den Aufbau eines Obstbaumes aus. Darauf ging der Referent vor allem beim theoretischen Part des Kurses im Heim des Obst- und Gartenbauvereins ein. Dort erhielten die Teilnehmer wertvolle Informationen zum Obstbau allgemein. Sie kennen jetzt die Stammformen Buschbaum, Halbstamm und Hochstamm und dass man sie in großzügigem Abstand pflanzen soll und zwar mit der Veredelungsstelle zehn Zentimeter über dem Boden. Zum Schutz vor Wühlmäusen kann man ein Hasengitter in die Pflanzgrube einlassen und dann auch ein Gitter gegen das Abknabbern von Hasen aufstellen, falls hier Gefahr droht. Die Kalkung der Baumstämme schützt vor Frostrissen. Eine mäßige Düngung mit Rasenschnitt oder Kompost ist angeraten, beim Gießen sollte man zurückhaltend sein.

Auch zu den Obstarten und zu deren fachgerechter Lagerung, am besten in einem kühlen Naturkeller, erhielten die Kursteilnehmer wertvolle Informationen. Das Gesamtplädoyer am Schluss fiel eindeutig zugunsten der vorgestellten Gehölze aus: „Ein Obstbaum im Garten ist allemal schöner als eine Ulme!“, so das Fazit von Karl Ruhland.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.