29.04.2021 - 15:11 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Unterschriften gegen Solarpark "Oberviechtach 2"

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Während der Solarpark 1 aufgebaut wird, regt sich bei einigen Oberviechtachern Widerstand gegen den geplanten Solarpark 2. In Kürze soll eine Unterschriftenaktion für ein Bürgerbegehren gestartet werden.

Der Zaun am Solarpark Oberviechtach 1 steht seit einigen Tagen. Auf der Wiese gegenüber (beim Traktoren-Gespann) soll an der Kreisstraße nach Wildeppenried der Solarpark 2 entstehen. Die Änderung des Flächennutzungsplans und auch der vorhabenbezogene Bebauungsplan haben den Stadtrat passiert.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

Die Energiewende ist eines der zentralen politischen Themen und bietet auch vor Ort viel Diskussionsstoff. „Ich bin nicht gegen erneuerbare Energien. Aber ich glaube, es gäbe geeignetere Flächen, als Weideland von Biobauern“, sagt Hildegard Bücherl im Gespräch mit der Oberpfalz-Medien-Redaktion. Zusammen mit einigen Gleichgesinnten will sie eine Unterschriftenaktion für ein Bürgerbegehren starten und damit den Solarpark 2 an der Kreisstraße zwischen Oberviechtach und Wildeppenried verhindern. Hier in der Hanau entsteht gerade auf zwei Flächen der Solarpark 1. Das neue Projekt befindet sich quasi dazwischen.

„Oberviechtach hätte damit insgesamt 22 bis 23 Hektar an Freiflächen-Photovoltaikanlagen. Das ist eine Fläche so groß wie das Sandradl“, sagt Hildegard Bücherl und kritisiert: „Das liegt weit über der Fläche, welche eine Kommune dafür vorhalten soll.“ Sie zählt auf: An Bestand vorhanden sei eine Freiflächenanlage am Linder Bahnhof (Gewerbebrache 2,7 Hektar), die Anlage im Industriegebiet West 2,5 Hektar, der Solarpark 1 Richtung Wildeppenried (15 Hektar) und der geplante Solarpark 2 (2,3 Hektar). Am Rande des Industriegebiets, am Ortsende von Hof, sei eine weitere Anlage mit einigen Hektar Fläche angedacht. Im Stadtgebiet Oberviechtach existiert eine landwirtschaftlich genutzte Gesamtfläche von 2721,43 Hektar. Zielgröße für den Ausbau von Freiflächenanlagen ist ein halbes Prozent der Landwirtschaftsfläche, das wären rund 13 Hektar.

Hildegard Bücherl appelliert daran, dass sich der Stadtrat - wie in einigen anderen benachbarten Gemeinden - für eine Flächenbegrenzung ausspricht, beziehungsweise keine neuen Freiflächen-Photovoltaikanlagen mehr genehmigt. „Wir haben nur diese eine Erde“ betont Bücherl. Ihrer Meinung nach sollten fruchtbare Böden der Landwirtschaft nicht entzogen werden: „Unter den PV-Platten wächst nichts, da ist es dunkel.“

Solarenergie zentrieren

Im Jahr 2018 hatte sich der Stadtrat dafür ausgesprochen, die Solarenergie auf einigen Flächen in der Hanau und entlang der Kreisstraße SAD 44 in Richtung Wildeppenried zu zentrieren. Mit vier Gegenstimmen der CSU/CWG/Aktive-Fraktion wurde ein Sondergebiet „Photovoltaik-Freiflächenanlage“ beschlossen. Der neue Stadtrat ebnete nun bei der Sitzung im April 2021 mit drei Gegenstimmen (CSU/CWG) den Weg für den Solarpark Oberviechtach 2.

„Wir wollen weg vom Atomstrom und hin zu regenerativen Energien“, freute sich Bürgermeister Rudolf Teplitzky über die „richtungsweisende Entscheidung“. Zur 19. Änderung des Flächennutzungsplans und zum vorhabenbezogenen Bebauungsplan „Solarpark Oberviechtach 2“ (Teilfläche des Grundstücks 1043) startete die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit und Träger öffentlicher Belange mit der Auslegung vom 2. Dezember 2019 bis 12. Januar 2020. Zum Bebauungsplan gingen zehn Stellungnahmen von Behörden, davon fünf mit Anregungen/Bedenken ein. Diese wurden von der Verwaltung eingearbeitet und ebenso der Flächennutzungsplan überarbeitet. Auch bei der zweiten Auslegungsrunde im März/April 2021 brachten die Bürger keinerlei Einwände vor.

500 Unterschriften nötig

Erst jetzt, nachdem der Solarpark 1 aufgeständert wird, erschließt sich anscheinend vielen die Dimension des gesamten Projekts an der Kreisstraße in Richtung Wildeppenried. „Man erschrickt förmlich“, sagt Hildegard Bücherl. Für ein Bürgerbegehren muss die Gruppe mindestens 500 Unterschriften sammeln. „Das müsste zu schaffen sein“, blickt die Oberviechtacherin nach vorne. Sie macht sich jetzt daran, die Verwirklichung des Solarparks 2 zu stoppen.

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„Ich bin nicht gegen erneuerbare Energien. Aber ich glaube, es gäbe geeignetere Flächen, als Weideland von Biobauern.“

Hildegard Bücherl

Hildegard Bücherl

Dieser Teil des Solarparks 1 wird unterhalb des Bundeswehr-Schießplatzes aufgebaut. Die Fläche am Horizont, an der Straße nach Wildeppenried, ist am Entstehen. Der geplante Solarpark 2 liegt dazwischen.
Hintergrund:

Erst das zweite Bürgerbegehren der Stadtgeschichte

  • Aktueller Anlass: Ein Kreis um Hildegard Bücherl möchte ein Bürgerbegehren starten, um den Solarpark "Oberviechtach 2" zu verhindern. Dieser ist an der Kreisstraße nach Wildeppenried geplant.
  • Bisher: Die Initiative gegen den Solarpark wäre erst das zweite Bürgerbegehren in der Oberviechtacher Stadtgeschichte. Die "Premiere" ist noch gar nicht so lange her: Anfang des Jahres 2019 sollte ein geplanter Kindergarten-Neubau im Gewerbegebiet "Am Bahnhof" verhindert und alternativ auf dem Gelände des Freibades verwirklicht werden.
  • Initiator und Unterstützer: Josef Biebl, ehemaliger SPD-Stadtrat, hatte das Bürgerbegehren auf den Weg gebracht. Um die benötigten 400 Unterschriften zu sammeln, gingen ab 14. Januar etwa 20 Helfer von Haus zu Haus.
  • Resonanz: Insgesamt 1051 Wahlberechtigte unterschrieben bis Mitte Februar für das Bürgerbegehren "Kindergarten im Freibad"
  • Doch kein Bürgerentscheid: Am 12. März beschloss der Stadtrat, den Kindergarten-Neubau auf dem Gelände des Freibades zu verwirklichen. In der gleichen Sitzung war auch das Bürgerbegehren einstimmig zugelassen worden. Es kam aber nicht mehr zum Zuge, weil mit dem neuen Beschluss der Forderung der Initiatoren entsprochen wurde. Schon Ende Januar hatte der ursprüngliche Bauträger entschieden, das eigentlich für den Neubau anvisierte Grundstück "Am Bahnhof" nicht mehr zur Verfügung zu stellen.

 

 

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