Oberviechtach
12.01.2023 - 10:05 Uhr
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Winter ohne Schnee: Wie reagieren die Wintersportvereine darauf?

Zwangspause für alle Wintersportfans: Mit zu viel Regen und zu hohen Temperaturen lässt der Winter 2022/23 nicht nur die Schneemänner vermissen. Auch Skier, Schlitten und Eisstöcke bleiben im Keller. Quo vadis Wintersportvereine?

Seit der Weihnachtswoche präsentiert sich der Winter mit ungewöhnlich frühlingshaften Temperaturen samt Wärmerekord an Silvester. Der Klimawandel lässt grüßen. Selbst die klassischen Wintersportgebiete in Europa kommen derzeit nicht ohne Schneekanonen aus. Grün statt Weiß sind da natürlich auch die Wiesen in den Höhenlagen der mittleren Oberpfalz, die in normalen Wintern zu Langlauf oder Rodeln einladen.

Auch wenn die Schneefallgrenze in den kommenden Tagen laut Wetterbericht auf 800 bis 1000 Meter sinken soll, wird eher ein kurzes Intermezzo von Frau Holle erwartet. Anders sah es da im Vorjahr aus: Der Winter 2021/22 punktete in der Region mit einer wochenlangen Schneedecke. Das ist auch der Grund dafür, warum sich die Wintersportvereine laut Nachfrage von Oberpfalz-Medien nicht mit Auflösungsgedanken tragen. Reagiert wird aber trotzdem - mit Alternativ-Angeboten.

WSV Schönsee

Das Schönseer Land ist in vielen Wintern ein Eldorado für Langlauffans. Aber halt nur, wenn es schneit. Der Loipenbericht vom Nordic-Sport-Centrum Schönsee-Schwand ist mit dem letzten Update vom 23. Dezember (null Zentimeter Schneehöhe) stehengeblieben. Möglich wären auf bis zu 735 Metern Höhe knapp 34 Kilometer gespurte Loipen (Skating und klassisch). In der vorigen Saison war der neu angeschaffte Pisten-Bully viel im Einsatz, der Parkplatz in Nähe der Servicestation stets belegt. Doch aktuell liefern die zwei Webcams nur Bilder auf die Vereinshomepage, die keinen Wintersportler erfreuen.

Das Logo des WSV Schönsee "Ski & Fun - Bike & Run" zeigt aber, dass der Verein nicht nur auf Skifahrer (Alpin und nordisch) setzt, sondern zwölf Monate sportlich unterwegs ist. Die Läufer trainieren unter anderem für den Johannislauf in Schönsee, das ganze Jahr über wird Kinderturnen und Erwachsenengymnastik angeboten und es gibt regelmäßig Fahrrad- und Wandertouren. "Unsere Mitgliederzahlen sind stabil", berichtet Vorsitzender Helmut Kiesl. Im Januar startet ein neuer Kurs für Skigymnastik. Saisoneinstieg war bereits Ende November mit der WSV-Fahrt zum Stubaier Gletscher mit 40 Skifahrern und Snowboardern. Die Nachtloipe im Nordic-Sport-Zentrum wurde auf LED-Beleuchtung mit Zeitschaltung umgestellt, und kurz vor Jahreswechsel wieder die Winterparty am Wasserrad organisiert, die seit 2004 ein beliebter Treffpunkt ist.

Die für die Weihnachtsferien am Arber geplanten WSV-Alpin-Skikurse für Anfänger und Fortgeschrittene wurden aufgrund Schneemangels verschoben. So auch die beliebten Skifahrten zum Klínovec (Keilberg) nach Tschechien. "2022 lief es super", erinnert sich Helmut Kiesl, für den Winter 2023 hat er "keine große Hoffnung". Er selber ist aber eh lieber mit dem Mountainbike unterwegs.

WSV Oberviechtach

Walken und Mountainbiken steht derzeit auch beim Wintersportverein Oberviechtach hoch im Kurs. Auch hier fielen die geplanten Skikurse ins Wasser. "Wir hatten genügend Anmeldungen, doch wir brauchen auch Schnee", stellt WSV-Übungsleiter Hans Hösl fest. Falls möglich, werden die Kurse nachgeholt. Mitte Januar 2022, also genau vor einem Jahr, war die Schneelage in der Region einige Wochen lang optimal. Da war bei einem gut gebuchten Kinderskikurs "Brettlspaß am Johannisberg" angesagt. Auf der Wiese war früher auch Loipengleiten beliebt.

Im aktuellen Winter konnten sich die Mitglieder nur zu einer geselligen Veranstaltung (Wintergrillen) in der Skihütte treffen, sowie zum Walken und Radfahren. "Daneben finden das ganze Jahr über Gymnastikstunden in der Halle statt", berichtet Hösl. Akut Sorgen um den Mitgliederstand müsse sich der WSV Oberviechtach mit Vorsitzenden Michael Baumer auch in schneefreien Wintern nicht machen.

WSV Winklarn

Der Wintersportverein Winklarn (TSV-Sparte) hat die Skisaison im Dezember mit einer Drei-Tage-Fahrt zum Kronplatz (Südtirol) eröffnet. Skigymnastik wird von September bis Pfingsten angeboten, im Sommer halten sich die Mitglieder mit Radfahren fit. Abteilungsleiterin ist Sonja Lingl, aber auch Kassiererin Hildegard Lingl ist ein echter Brettlfan: "Ich hab noch die Hoffnung, dass es schneit."

Sohn Tobias Lingl, der in der Vergangenheit die Skikurse für Kinder am Winklarner Kalvarienberg leitete, hat heuer nichts zu tun. Auch das jährliche Eisstockturnier steht bei den aktuell milden Temperaturen in der Warteschleife, ebenso Langlauf auf den drei Loipen (Kreuzbergloipe, Rundloipe Winklarn sowie Winklarn-Schneeberg-Gaisthal und zurück). Hat der Wintersportverein also ausgedient? Da gibt Hildegard Lingl Entwarnung: "Die Mitglieder bleiben uns treu."

Hintergrund:

Milder Winter: Folgen für die Natur

  • Studien aus den letzten zehn Jahren liefern eindeutige Indizien, dass die Veränderung des Klimas die Tier- und Pflanzenwelt massiv beeinflusst und verändert
  • Wärmeliebende Vogelarten (wie Bienenfresser, Girlitz und Wiedehopf) profitieren vom Klimawandel, alpine Vogelarten (Goldammer) ziehen sich zurück
  • Vogelarten die überwintern, verändern Zug-, Brut- und Fortpflanzungszyklus. Blaumeisen, Sumpfmeisen und Kleiber brüten früher im Jahr, das Nahrungsangebot ist meist nicht optimal
  • Amphibien (wie Frösche) starten ihre Wanderung verfrüht und können bei plötzlichen Kälteeinbrüchen erfrieren
  • Frühjahrsblüher (Krokusse, Winterlinge) treiben teils schon jetzt aus: Der Blühzeitpunkt von Pflanzen stimmt oft nicht mehr mit dem Flugzeitpunkt von Insekten überein. Aber auch Wild- und Honigbienen sowie Schmetterlinge sind oft schon im Januar aktiv und drängen sich um das spärliche Blütenangebot. (Quelle: NABU)
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