Oberviechtach
16.06.2023 - 15:18 Uhr
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Zeckenhochburg Oberpfalz: Was draußen wichtig ist

Zecken können gefährliche Krankheiten übertragen – doch wie können wir uns vor den kleinen Biestern schützen? Und wie ist es eigentlich um die Zeckenpopulation in der Oberpfalz bestellt? Antworten rund um das Thema.

Welche Zecken gibt es in der Oberpfalz - und wo halten sie sich auf?

In der Oberpfalz und deutschlandweit findet sich nach RKI-Angaben am häufigsten der Gemeine Holzbock. Die Zeckenart kommt vor, wo es Pflanzen gibt - auch in Gärten oder Parks. Die Zecken klettern auf exponierte Punkte (Grashalme, krautige Pflanzen, niedrige Sträucher) und halten sich an vorübergehenden Menschen fest. "Zecken fallen nicht von den Bäumen - auch springen können sie nicht", sagt Ludwig Berger. Der Oberviechtacher hat als Forstsachverständiger der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben beim bayerischen Forstlichen Gutachterdienst (der zum Bundesforstbetrieb Hohenfels gehört) beruflich oft mit den Tieren zu tun. Dieser Mythos halte sich hartnäckig. Nach Angaben des Bayerischen Landesamts für Gesundheit sitzen Zecken in "bodennaher Vegetation" - also in weniger als einem Meter Höhe, nach RKI-Angaben sogar häufig nur 10 bis 50 Zentimeter über dem Boden. Das bedeutet: Je mehr Kontakt mit niedriger Vegetation, desto höher die Wahrscheinlichkeit, sich eine Zecke einzufangen. Während der "Holzbock" aber nur sitzt und wartet, krabbeln die weniger verbreiteten Hyalommazecken aktiv auf den Menschen zu.

Weshalb sind Zecken gefährlich?

Zecken können Infektionskrankheiten übertragen - laut Robert-Koch-Institut sind das vor allem Borreliose und die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Während Borreliose eine Bakterieninfektion ist und bundesweit vorkommt, wird FSME durch Viren übertragen, die hauptsächlich im süddeutschen Raum vorkommen. Während es gegen FSME eine Impfung gibt, ist dies bei Borreliose nicht der Fall.

Was sind die gängigsten Mythen rund um die Zecke?

"Oft hört man den Begriff 'Zeckenbiss'", sagt Berger. "Doch Zecken beißen nicht, sie stechen." Zudem rät er: Hände weg von der Pinzette zur Zeckenentfernung. "Dass man Zecken mit einer einfachen Haushaltspinzette erfolgreich entfernen kann, ist ein Irrglaube. Besonders feine Pinzetten eignen sich für Haustiere, in deren Fell man vollgesaugte und entsprechend große Zecken findet." Auf menschlicher Haut habe man in der Regel mit Zecken im kleinen Nymphen- oder winzigen Larvenstadium zu tun. Die seien genauso gefährlich. "Mit einer handelsüblichen Pinzette reißt man den Hinterleib ab, so dass der Zeckenkopf in der Haut bleibt - oder man quetscht das Tier aus, so dass Mageninhalt oder Speichel mitsamt eventueller Erreger in die Haut gerät." Eine Infektion werde wahrscheinlicher. Für Waldbesucher empfiehlt Berger ösenförmige Zeckenentferner, mit denen man problemlos auch kleine Zecken abziehen könne.

Was gilt speziell für die Oberpfalz?

Laut Ludwig Berger ist die Anzahl der Zecken abhängig von verschiedenen Faktoren, unter anderem der Witterung. Konkrete Zahlen für die Oberpfalz gibt es nicht. "Man kann aber davon ausgehen, dass die Oberpfalz, wie ganz Ostbayern eine Zeckenhochburg darstellt." Ein Blick auf die FSME-Fünfjahresinzidenz bestätigt das: Die höchste FSME-Inzidenz (Erkrankungen pro 100 000 Einwohner in fünf Jahren) für die Oberpfälzer Kreise weisen die Landkreise Amberg-Sulzbach (50,90), der Kreis Schwandorf (41,10), der Kreis Neustadt/WN (35,57) sowie der Landkreis Cham (27,96) auf - das RKI bewertet Inzidenzen über 7,97 als sehr hoch. Deutschlandweit wurden dem RKI 2022 insgesamt 546 FSME-Erkrankungen übermittelt - 30 Prozent mehr als im Vorjahr (2021: 421). Da die Oberpfalz als FSME-Risikogebiet gilt, empfiehlt die Ständige Impfkommission die FSME-Impfung.

Wie kann ich vorbeugen – ganz abgesehen von einer FSME-Impfung?

"Zentrales Gebot aus meiner Erfahrung: Eine Zecke sollte nicht über Nacht gesaugt haben", sagt Berger. Denn nach 12 bis 24 Stunden steigt das Risiko einer Borrelien-Infektion. "Wer sich nach einem Tag in freier Natur abends absucht und etwaige Zecken richtig entfernt, kann das Borreliose-Infektionsrisiko ziemlich sicher ausschalten."

Welche Körperstellen sind besonders gefährdet?

Laut RKI stechen Zecken häufig an geschützten Stellen (Hals, Achsel, Ellenbeuge, Nabel, Genitalbereich, Kniekehle oder unter enganliegender Kleidung, bei Kindern auch am Kopf). Zecken stechen nicht sofort zu: Weil für sie die Einstichstelle von lebenswichtiger Bedeutung ist, laufen Zecken oft bis zu einer Stunde auf der Haut, um eine passende Stelle zu finden.

Deutschland und die Welt20.06.2023
Hintergrund:

Schutz vor Zeckenstichen?

  • Tragen geschlossener Kleidung:Feste Schuhe, lange Hosen, lange Ärmel: Dadurch wird es einer Zecke erschwert, eine geeignete Hautstelle für eine Blutmahlzeit zu finden. Werden die Hosenbeine zudem in die Socken gesteckt, ist die Zecke gezwungen, auf der Kleidung nach oben zu laufen, was ihr Auffinden erleichtert.
  • Zeckenspray: Die Anwendung von Zeckenspray auf der Haut schützt - allerdings zeitlich begrenzt. Falls geeignet, sollte das Spray auch auf die Kleidung aufgetragen werden.
  • Absuchen: Insbesondere Kinder sollten nach dem Spielen im Freien gründlich untersucht werden. Zecken bevorzugen Stichstellen wie zum Beispiel Haaransatz, Ohren, Hals, Achseln, Ellenbeuge, Bauchnabel, Genitalbereich oder Kniekehle.
  • Quelle: Robert-Koch-Institut (RKI)
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