09.09.2019 - 16:08 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Zeitungspapier statt Spielzeug

Alexander Flierl wollte unbedingt eine Hausaufgabe machen und Marianne Schieder war sehr schüchtern. Aber nicht nur die beiden Politiker erinnern sich an ihren ersten Schultag.

Marianne Schieder (Mitte, im grünem Kleid) erinnert sich an ihren ersten Schultag an der Grundschule in Glaubendorf.
von Gertraud Portner Kontakt Profil
Alexander Flierl freute sich über Playmobil-Figuren in der blauen Schultüte.
Hans Prechtl machte sich 1968 ins nahe Schulhaus auf.

„Wie war Ihr erster Schultag?“, lautete die Frage an die Bundestagsabgeordnete und den Landtagsabgeordneten und auch an einen Bürgermeister, einen Pfarrer und eine Rektorin. Wie es der Zufall wollte, wurden vier der Befragten im Jahr 1968 eingeschult. Damals war dieser Tag noch kein Familienfest. Meist war es die Mutter, welche das Kind an die Hand nahm und zum Schulhaus begleitete.

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Marianne Schieder erinnert sich noch gut an das Jahr 1968 und ihre Einschulung in Glaubendorf: "Das war eine typische kleine Dorfschule mit zwei Räumen. In einem wurden die Grundschulkinder unterrichtet, im anderen die Hauptschüler." Ihre Schultüte war randvoll mit Süßigkeiten, "allerdings war die Spitze unten, wie bei den allermeisten Mitschülern, mit Zeitungspapier aufgefüllt". "Unsere Mütter waren dabei und es wurden Fotos gemacht, an mehr kann ich mich nicht erinnern." Marianne Schieder weiß aber noch, dass sie vor der Schule große Angst hatte. "Ich war ausgesprochen schüchtern. Zu Hause gab es deshalb im Vorfeld eine Diskussion, ob man mich nicht erst ein Jahr später einschulen soll." Insgesamt sei für sie und ihre Mitschüler die Umstellung auf den Schulalltag sehr groß gewesen. "Wir alle hatten keinen Kindergarten besucht, denn in der damaligen Gemeinde Glaubendorf gab es keinen."

Alfons Kaufmann, Dekan und Stadtpfarrer von Oberviechtach, wurde ebenfalls im Jahr 1968 eingeschult. "Ich kann mich noch daran erinnern, dass meine Mama und ich mit einem Auto zur Schule nach Pressath mitgefahren sind", berichtet er. Kaufmann wuchs im nahen Ort Grub auf. Obwohl es damals nur ein Dorf mit zehn Häusern war, gab es vier Abc-Schützen (drei Buben und ein Mädchen). "Ich weiß noch, dass es zwei große erste Klassen waren", berichtet der Geistliche. In der Schultüte war "sehr, sehr viel Papier" und kein Spielzeug. Es gab aber natürlich Süßigkeiten.

Der CSU-Landtagsabgeordnete und Rechtsanwalt Alexander Flierl erinnert sich noch gut an seinen ersten Schultag im September 1976 mit Gottesdienstbesuch. Und an die prallgefüllte blaue Schultüte. Besonders freute er sich über die top-aktuellen Playmobil-Figuren. Flierl berichtet, dass er und seine Mitschüler unbedingt eine Hausaufgabe machen wollten, "um gleich richtige Schüler zu sein". Die Klasse durfte dann zu Hause die Schultüte malen. "Es waren halt die 1970er Jahre", meint er lachend zum Foto mit grauer Schlaghose. Lehrerin Maria Schuma begleitete Flierl durch die ersten beiden Schuljahre.

Mars und Beckenbauer

Hans Prechtl, Bürgermeister der Gemeinde Stulln und Pressesprecher des Landratsamtes Schwandorf, marschierte 1968 mit der Schultüte los. "Da ich zwei ältere Schwestern hatte, freute ich mich sehr darauf. Noch dazu, wo die Schule ganz in der Nähe meines Elternhauses steht." Prechtl erinnert sich daran, dass der erste Schultag ziemlich kurz und die Mama dabei war. "Und in der Schultüte war bestimmt auch ein Mars. Das war so ziemlich der einzige Schokoriegel, den es damals gab." Unvergessen bleibt dem Kommunalpolitiker, dass er in seiner Grundschulzeit einmal den Franz Beckenbauer gemalt hat. "Ich habe ihm das Bild zugeschickt und er hat es mir unterschrieben zurückgesandt."

Für Christine Schneider, neue Rektorin an der Grundschule Oberviechtach, ist der 10. September 2019 auch eine Art „erster Schultag“. „Ich wünsche mir selber Glück für diese Aufgabe“, sagt sie beim Anruf von Oberpfalz-Medien. Eingeschult wurde die gebürtige Kleinschwanderin 1968 in Tännesberg. „Ich war Buskind und die ersten Tage sehr aufgeregt“, so ihre Erinnerung. Die 40 Erstklässler wurden in einem Raum unterrichtet. „Es war halt die Zeit der Babyboomer“, stellt sie lachend fest.

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