29.11.2019 - 11:02 Uhr
Oberwildenau/Luhe-WildenauOberpfalz

Friseursalon schließt: Dauerwellen statt Strähnen in Mode

Über vier Jahrzehnte bedienten Friseurmeister Karl Ermer und seine Frau Agnes ihre Kunden im Friseursalon in der Straße „Am Naabtalhaus“. Mit der Schließung des Friseurgeschäftes geht auch ein Stück Dorfgeschichte zu Ende.

Bitte Haare waschen, schneiden, fönen - diese Worte gehörten viele Jahre zum täglichen Wortschatz im Friseurgeschaft von Karl und Agnes Ermer.
von Walter BeyerleinProfil

Karl Ermer begann unmittelbar nach der Volksschule seine Lehre als Friseur im Friseurgeschäft Kaspar am Oberen Markt in Weiden. Bei der Entscheidung diesen Beruf zu wählen, war die Mutter Karl Ermers nicht ganz unschuldig. „Ich bin mit 1,40 Meter Größe aus der Schule gekommen, da meinte meine Mutter, das sei ein leichter Beruf“, erzählt Karl Ermer. Und er erinnert sich auch noch, dass ihm der Friseurkittel weit über die Knie reichte.

Nach dem Ende der Lehrzeit arbeitete Karl Ermer als Geselle in Unterköblitz, Bad Tölz und Weiden. Die Meisterprüfung legte Karl Ermer in Weiden im Jahr 1974 ab. Im Jahr 1975 heiratete Karl Ermer. Ehefrau Agnes, bis dahin noch Kinderpflegerin, schulte im Jahr 1978 zur Friseurin um. Das Friseurgeschäft „Am Naabtalhaus“ eröffnete Karl Ermer bereits ein Jahr vorher. „Es war das einzige in der Gemeinde.“ Das Geschäft hat Karl Ermer selbst eingerichtet. „Die Möbel waren stabil, haben bis heute gehalten, hätten aber jetzt ausgetauscht werden müssen.“ Einer der Gründe, warum sich Karl und Agnes Ermer für die Aufgabe ihres Friseurgeschäfts am alten Standort entschieden haben.

Zur Zeit der Eröffnung des Friseurgeschäftes kannte das Handwerk auch keine Nachwuchsprobleme, berichtet Karl Ermer aufgrund seiner Erfahrung. Doch jetzt herrscht, wie in vielen anderen Berufen, Mangel an Lehrlingen. „Es gibt kaum noch Männer die Friseur werden wollen.“

Doch auch beim Umgang mit der Haarpracht steht die Uhr nicht still. „Damals hatten wir viele Dauerwellen, bei Frauen und Männern“, berichten Karl und Agnes Ermer. „Diese Dauerwellen-Generation gibt es nicht mehr, heute sind Strähnen und anderes mehr gefragt.“ Das bedeutet für einen „alten Friseur“ wie Karl Ermer sich auch der neuen Zeit anzupassen.

Es waren Stammkunden, die in den Friseursalon „Am Naabtalhaus“ gekommen und mit uns älter geworden sind, erzählen Karl und Agnes Ermer. „Für junge Menschen bin ich ein alter Mann“, räumt Karl Ermer ein.

Unüberhörbar kommt Wehmut bei Karl und Agnes Ermer auf, wenn sie sich an frühere Zeiten erinnern. Da hatte vor allem Agnes Ermer viel zu tun: Schleier stecken, war bei den Hochzeiten angesagt, und das nahezu jeden Samstag. Vor der Hochzeit gab´s mit der Braut eine Generalprobe. Karl Ermer erinnert sich an eine besonders lustige Begebenheit: Ein Bräutigam saß am Tag der Hochzeit geduldig in der Wartereihe im Friseursalon und meldete sich erst, als er noch gut 15 Minuten bis zur Trauung hatte. „Da musste dann alles schnell gehen.“

Karl Ermer, jetzt 66 Jahre alt, gibt aber sein Handwerkszeug nicht ganz aus der Hand. In seinem Haus in der Forsthofstraße hat er im Keller einen Friseursalon eingerichtet, in dem die Kunden von Dienstag bis Freitag von 8 bis 18 Uhr bedient werden.

Über vier Jahrzehnte war der Friseur Ermer in der Straße "Am Naabtalhaus" für seine Kunden da.
Im Jahr 1974 hat Karl Ermer die Meisterprüfung das Friseurhandwerk abgelegt.
Für sein jahrelanges Wirken als Friseur, auch als Lehrmeister, verlieh die Handwerkskammer den Goldenen Meisterbrief.
Auch nach der Aufgabe des Friseurladens in der Straße "Am Naabtalhaus" will Karl Ermer Schere und Messer nicht aus der Hand geben. Im Keller seines Hauses hat er einen kleinen Friseursalon eingerichtet.
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