23.04.2019 - 12:58 Uhr
Oberwildenau/Luhe-WildenauOberpfalz

Mit Hündin Littlebit auf dem Jakobsweg

Sie haben alles aufgegeben: Job gekündigt und Wohnung aufgelöst. Waltraud und Josef Frischholz begaben sich auf eine knapp 6.000 Kilometer lange Radtour von Oberwildenau nach Santiago de Compostela und zurück. Mit dabei: Hündin Littlebit.

von Redaktion ONETZProfil

"Littlebit war der Star der Tour", erzählt Waltraud Frischholz. "Irgendwann waren wir nur noch ,die mit dem Hund'." Eine vier Jahre alter Jack-Russel-Dame mit Celebrity-Status - auch wegen ihrer Unterbringung. Frauchen hatte den Fahrradkorb, in dem die Hündin den Großteil der Reise verbrachte, selbst präpariert, Polster, Wind- und Sonnenschutz inklusive. "Ja, vielleicht habe ich es ein bisschen übertrieben", lacht Waltraud Frischholz, "aber der Sonnenschutz war nötig, wir waren ja gen Westen unterwegs."

Am 1. Mai 2002 machten sich Josef und Waltraud Frischholz mit ihren vollbepackten Rädern auf den Weg. Bei Ensdorf bogen sie auf den Jakobsweg. Von Bayern aus ging es in den Westen Baden-Württembergs, nach Offenburg. Dort legten sie einen kleinen Zwischenstopp bei Verwandten ein. Weiter führte sie der Jakobsweg über die Vogesen, das Zentralmassiv und die Pyrenäen über Pamplona nach Santiago de Compostela, insgesamt 5575 Kilometer weit.

"Wir wollten ein neues Leben beginnen, mit guten Gedanken." Gute Gedanken zu behalten, war natürlich nicht immer so leicht. "Unsere Freunde haben gesagt, ihr seid verrückt, ihr schafft das nie", sagt die Hundebesitzerin. Außerdem sprachen sie kein Wort Französisch. Aber es hat alles geklappt. Mehr oder weniger. "Uns hat immer jemand geholfen, wenn wir eine Panne hatten. Aber in Spanien hatten wir tatsächlich Probleme wegen des Hundes." Klitschnass versuchte das Ehepaar Frischholz in Galicien nach einem anstrengenden Tag ein Hotelzimmer zu bekommen. Doch Hunde sind in spanischen Hotels nur selten erlaubt. "Wir haben Littlebit hochgehoben und hergezeigt, um zu beweisen, dass sie ja nur eine kleine süße Hundedame ist, aber es hat nichts gebracht." Sie mussten weiterziehen.

Pro Tag radelten sie zwischen 60 und 100 Kilometer. Das war natürlich auch für Littlebit ganz schön anstrengend. "Wenn wir das Zelt aufgebaut haben, hat sie sich immer sofort einen Schlafplatz gesucht. Morgens mussten wir sie regelrecht aus dem Schlafsack rausschütteln. Sie hat sich dann sofort wieder in ihrem Korb verzogen."

Waltraud Frischholz baute meist das Zelt auf den Campingplätzen auf, während ihr Mann nochmals losfuhr, um Essen und Proviant zu kaufen. Die Vorräte reichten meist nur für ein bis zwei Tage. Mehr wäre zu schwer gewesen. Für die Jack-Russel-Dame gab es immer Schälchen von "Cesar". "Littlebit ist ja nicht alles."

Natürlich ließ sich die zu dem Zeitpunkt vier Jahre alte Hündin nicht nur kutschieren. Bergauf und bei einfachen Strecken lief sie auch mal neben den Fahrrädern her. Aber auch das war nicht immer ungefährlich. In den Pyrenäen kam es zu einer brenzligen Situation. "Ganz still, ohne Knurren oder Bellen kamen über eine Wiese drei Hunde auf uns zugelaufen. Sie wollten uns den Weg abschneiden. Einer hat Littlebit gepackt und in die Luft geschleudert." Waltraud Frischholz schmiss ihr Fahrrad weg und ging dazwischen. "Danach ist mir das Herz in die Hose gerutscht. Ich dachte, die bringen Littlebit um", erinnert sie sich. Die Hündin blieb bis auf ein paar Schwellungen unverletzt.

Dieses Mal beschützte Frauchen Littlebit. Sonst übernahm die Hündin die Rolle des Wachhundes. Auf einer früheren Fahrradtour hatte sie bereits einmal Alarm geschlagen. In der Nacht versuchte ein Unbekannter, in das Zelt von Waltraud und Josef Frischholz einzudringen.

"Unsere Hündin war sehr intelligent und treu. Sie war mehr ein Familienmitglied als nur ein Haustier. Sie hatte immer Spaß am Reisen." Und zum Reisen gehört natürlich auch, neue Freunde zu finden. Nicht unbedingt nur welche mit sechs Beinen ... "Das war auf einem Campingplatz in Le-Puy-en-Velay. Da waren ganz viele zutrauliche Igel", sagt Waltraud Frischholz. "Littlebit hat sich mit ihnen angefreundet. Ich konnte förmlich sehen, wie die Flöhe übergesprungen sind, und sie hat ja mit uns im Bett geschlafen." Das Mittel aus einer französischen Apotheke half dann aber gegen die unerwünschten Besucher.

Am 3. September 2002 kehrte das Trio nach Oberwildenau zurück, nach vier Monaten auf Tour. Geblieben sind viele schöne Erinnerungen, unbezahlbare Erfahrungen und Mitbringsel. Littlebit ist mittlerweile verstorben. Die reisefreudige Hündin wurde 17 Jahre alt.

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