12.06.2019 - 16:49 Uhr
Oed bei WeigendorfOberpfalz

Ansturm auf Industriedenkmal Oedmühle

Der Deutsche Mühlentag, traditionell am Pfingstmontag, öffnet ein Fenster in die Vergangenheit. An Technik interessierte Leute schauen gerne hinein.

Diese Gäste erkunden das Stockwerk bei den Walzkästen.
von Franz MüllerProfil

Zu den vielen denkmalgeschützten ehemaligen Mühlen gehört auch die Oedmühle, die einen großen Ansturm von Besuchern meistern musste. Doch auf dem weitläufigen Grundstück mit Bachnähe, einem altem Gastraum, Sitzgelegenheiten im Freien und einem kleinen Markt kam erst gar keine Hektik auf.

Das Warten auf eine Führung verkürzten sich die Gäste beim Bummeln an Tischen mit eisernem Gartenschmuck, Papierbasteleien, Alu-Schmuck, Seifen, Wandteppichen und Zimmertextil. Aktiv ging es bei der Klöpplerin Betty Helmich und am Imkerstand mit "Bienenkino" zu. Nicht fehlen durfte der Stand der Streuobstwiesen mit Infos und Säften. Die Küche war mit Kaffee und Kuchen, der Ausschank mit Bier und Blütenschorle für eine Stärkung gut ausgestattet.

Aber die Hauptsache waren die Führungen durch die gut erhaltene Kunstmühle. Im Untergeschoss mit den vielen Schwungrädern der Transmission zum Antrieb der technischen Ausstattung erzählten Gabriele Leonie und Fabian Bräutigam als Eigentümer des Anwesens von der Geschichte, die 1368 begann. 1820 entstand das Gebäude in seiner heutigen Gestalt.

So wurde mit den Bronzehammern das Industriezeitalter eingeläutet. Gefundene Materialreste und Papiere zeigten rege Lieferungen in die weite Welt. Man könne vermuten, dass sogar der Eiffelturm mit den Bronzefarben versehen wurde. Erst 1929 richtete die Familie Arnold die jetzt erhaltene Kunstmühle in den weiteren vier Geschossen bis unters Dach ein. Die Energie für den Betrieb lieferte eine Turbine, vom Wasser des Etzelbachs angetrieben. Neben dem Antrieb der Geräte wurde auch Strom erzeugt und sogar der Ort Oed damit versorgt. Ein Aufzug (Elevator) förderte das angelieferte Getreide in die Obergeschosse, wo die Anlagen für Reinigung und Aussortierung die Mahlung vorbereiteten. Dies geschah in vier Walzkkästen im Erdgeschoss. Altes Zubehör wie Säcke und Kleingeräte ergänzte die Ausstattung. Damit der Müller den ganzen Vorgang rationell gestalten konnte, musste er wohl oft über die Holztreppen hinauf und herab eilen.

Als besondere Bauart gilt das Satteldach mit durchgehenden Querbalken, im ersten Obergeschoss beginnend mit 18 Metern. Dies war auch die größte Anforderung bei der Restaurierung des Baus, da es hier Versäumnisse der früheren Besitzer gab. Die Anstrengungen über einige Jahre wurden mit der Bayerischen Denkmalmedaille belohnt.

Gabriele Leonie Bräutigam (links) bei einer der vielen Führungen am Mühlentag.
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