Den letzten Programmpunkt des kommunalen Ferienprogramms übernahmen die Schachfreunde Witzlasreuth. Am Samstagnachmittag hatten sie Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren zu einer rund sechs Kilometer langen Radtour entlang des Höhenkammes Richtung Bayreuther Haus eingeladen. Die Teilnehmerzahl von 18 Kindern bestätigte das große Interesse am Freizeitangebot der Schachfreunde, die sich mit zwei Veranstaltungen am Ferienprogramm beteiligten. Um 14 Uhr ging's mit Start am Vereinslokal „Zur Schönen Aussicht“ angeführt von Vorsitzendem Josef Prechtl Richtung Staatswald los. Bei trockener Witterung und auf den Waldwegen erstrampelte die Radlergruppe zunächst die Anhöhe nordwestlich von Ölbrunn und tauchte danach in den Hochwald des Lenauer Forstes ein. Nach rund 20 Minuten Fahrzeit bogen sie vom Hauptweg nahe des Scheibenberges ab und erreichten die im Wald etwas versteckte Wolfssäule. Josef Prechtl erzählte: Vor 125 Jahren wurde in der Waldabteilung Südtanne der letzte Wolf im Fichtelgebirge geschossen. 1882 waren im waldreichen Fichtelgebirge Spuren von zugewanderten Wölfen gesichtet worden, die großen Schaden unter den Tieren des Waldes und auf den bäuerlichen Weiden angerichtet haben. An einer Hirschtreibjagd nahmen damals 16 jagdbegeisterte Männer aus Kemnath, Kulmain, Frankenreuth, Ebnath und Mehlmeisel teil. Beim vierten Treiben wurde ein Kapitalhirsch erlegt und kurz danach kam dem Gasthofbesitzer Martin Wiesend aus Kulmain der gefürchtete Wolf vor die Flinte, den er mit zwei Schüssen niederstreckte. Mit Freudensalven wurde dieses seltene Jagdglück gefeiert und Jagdgesellschaft samt Beute fotografisch festgehalten. 1907 stellte man als Erinnerung eine alte ausgediente Straßenbegrenzungssäule aus Granit zur Erinnerung an den letzten erlegten Wolf in ganz Bayern auf, zu der auch vom Waldhaus aus ein ausgeschilderter etwa 3,5 Kilometer langer Weg führt. Man findet sie in Höhe des Scheibenberges, rund 400 Meter östlich der Forststraße an einem Waldweg gelegen und gut ausgeschildert. Die Kinder sahen, dass die obere Hälfte die Umrisse eines hundeartigen Tieres trägt, darunter das Datum der Wolfsjagd 21.7.1882. Im unteren Teil der Granitsäule fanden sie die drei Buchstaben H.R.G., darunter die Zahl 1907. Die Inschrift bezeichnet den Stifter H., ein unbekannter Beamter des damaligen Straßenbauamtes Kemnath. R. steht für Roidl (Anton), er war von 1898 bis 1912 Amtsvorstand des Forstamtes Kemnath. G. steht für Genner, damals königlich-bayerischer Revierförster in Frankenreuth. Die darunter stehende Zahl 1907 gibt das Jahr der Errichtung des Jagddenkmals an. Prechtl berichtete, dass die Wolfssäule am Südrand des Fichtelgebirges eine der wenigen Denkmäler in ganz Deutschland ist, die einem Wildtier gewidmet ist und alle Wanderer und Einheimischen an die Geschichte um den letzten Wolf unserer Heimat erinnert. Anschließend radelten die Kinder zum Zinnenbrunnen, zu dem auch der Max-Reger-Rundwanderweg aus Brand kommend führt. Nach einer kurzen Rast ging es zurück ins Vereinslokal. Dort hatten die Vereinsmitglieder bereits Schachbretter aufgebaut, um sich im Spiel der Könige weiter zu üben. Dazu gab's Leckeres vom Grill und Getränke für die tapferen jungen Radler.
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