Ohrenbach bei Auerbach
31.08.2018 - 14:07 Uhr

Wenn die Natur blau macht

Biobauer Gerold Hörl ist einiges gewohnt in Sachen Artenvielfalt. Aber das hat er noch nicht erlebt: Nachdem er seinen Weizen gedroschen und das Stroh eingefahren hat, liegt über dem Stoppelfeld ein blauer Schimmer - Feldrittersporn.

Rittersporn Bild: exb
Rittersporn

Gerade mal 15 bis 30 Zentimeter hoch stehen Millionen zarter Pflänzchen zwischen den Stoppeln. Die Ökomodellregion Amberg-Sulzbach und Stadt Amberg gerät in einer Presseinfo richtig ins Schwärmen: Viele Insekten fliegen von Blüte zu Blüte. Besonders auffällig sind die Taubenschwänzchen - Schmetterlinge, die im Flug wie Kolibris vor den blauen Blüten schweben. Mit ihrem langen Saugrüssel gelangen sie an den tief in den Blütenspornen verborgenen Nektar. Auch viele Hummeln sind zu sehen, die diese Quelle nutzen.

Gerold Hörl hat den Eindruck, dass sich die Ackerwildkräuter in den 17 Jahren, die er ökologisch ackert, stetig vermehrt haben. Für die extreme Ausbreitung der blauen Blume hat er keine Erklärung: "Keine Ahnung, warum der Rittersporn heuer so stark vertreten ist. Gestriegelt habe ich im Frühjahr kräftig. Das scheint ihn nicht zu hindern."

Normalerweise hätte er das Feld längst umgeackert. Seit Ende Juli freut er sich schon am Anblick des blühenden Rittersporns. "Eigentlich viel zu schade für die Stoppelbearbeitung", meint er - "aber jetzt wird's wirklich Zeit. Da sind heuer auch Disteln auf dem Acker. Die müssen zügig umgeackert werden, damit sie keine Kräfte sammeln können. Dann säe ich hier Kleegras, damit kann ich die Disteln gut zurückdrängen."

Als Biobauer verzichtet Gerold Hörl auf Herbizide, bekämpft Beikräuter nur mechanisch und über eine angepasste Fruchtfolge. Nährstoffe bringt er mittlerweile nur noch durch Kleegras- und Ackerbohnen-Anbau auf seine Äcker. Die wurden 2016 beim Ackerwildkraut-Wettbewerb der Oberpfalz ausgezeichnet - wegen ihres außergewöhnlichen Reichtums an seltenen Arten.

feld-Rittersporn:

Der Feld-Rittersporn steht in Deutschland auf der Roten Liste der gefährdeten Arten (RL 3): Darauf macht die Ökomodellregion aufmerksam. Das einjährige Ackerwildkraut wächst typischerweise auf kalkreichen Äckern zwischen Wintergetreide. Überleben kann die Art nur, wenn keine Herbizide ausgebracht werden.

Hat der Bauer den Feld-Rittersporn erstmal auf seinem Acker, kann er ihn fördern, indem er das Stoppelfeld etwas länger liegen lässt, bevor er mit der Bodenbearbeitung für die nächste Saat beginnt. So können die Pflanzen noch zahlreiche Samen ausstreuen. Wer den Feld-Rittersporn fördert, kann sicher sein, dass sich weitere seltene Ackerwildkräuter ansiedeln, die ähnliche Ansprüche haben. Die meisten von ihnen sind so klein, dass sie keine Konkurrenz für die Getreidepflanzen sind. Davon profitieren auch zahlreiche Insektenarten.

Gerold Hörl und der Rittersporn leben in Ohrenbach, Ortsteil von Auerbach Bild: exb
Gerold Hörl und der Rittersporn leben in Ohrenbach, Ortsteil von Auerbach
Ritternsporn und Taubenschwänchzen Bild: exb
Ritternsporn und Taubenschwänchzen
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