10.12.2019 - 14:59 Uhr
MünchenOberpfalz

"Orlando"-Ausstellung im Münchener Literaturhaus

Das Münchener Literaturhaus kombiniert eine New Yorker Ausstellung über Gender mit Virginia Woolfs "Orlando". Die Figur hat einige Künstler so beeindruckt, dass sie sie in ihren Werken verarbeitet haben.

Virginia Woolfs „Orlando“ geht als Jüngling auf eine Zeitreise bis in die Gegenwart, wurde mit Tilda Swinton von Sally Potters verfilmt und inspiriert eine Reihe von Gegenwartskünstlern, die sich mit der Genderfrage auseinandersetzen.
von Redaktion ONETZProfil

"Orlando", Virginia Woolfs "übermütigstes Werk" (1928), entstand nach einer Liason mit Vita Sachwille-West. Die Erzählung wurde durch Sally Potters Verfilmung (1992) mit Tilda Swinton weltberühmt, "Orlando" zum Symbol androgyner Energie. Jetzt zeigt Tilda Swinton eine spektakuläre Fotoausstellung zur Gender-Thematik, wobei die Bezüge, die das Literaturhaus zu den autobiografischen Hintergründen Virginias Woolfs "Orlando" herstellt, am interessantesten sind.

Virginia Woolfs "Orlando" (1928) erzählt die Biografie eines jungen Adligen, der mehrere Jahrhunderte durchlebt. Der Roman beginnt in der Renaissance. Orlando, ein junger Edelmann, begegnet Elizabeth I. Er altert nicht merklich, erwacht nach einem langen Schlaf plötzlich eine Epoche später als Frau auf. Die Zeitreise geht in der Erzählung bis 1928, in der Verfilmung bis 1990.

Vor diesem Hintergrund gewinnt die Gender-Fotoausstellung, die Tilda Swinton für die Aperture Foundation, New York, kuratierte eine überraschende Tiefgründigkeit. Androgyne Energie, von der schon Virginia Woolf begeistert war, wird über die sexuelle Freiheit hinaus zum Symbol für die Freiheit von Geschichte, sozialen Hierarchien, ethnischer Zugehörigkeit, "Orlando" zur Chiffre dieser Freiheit. Egal ob Mann oder Frau, in der Freiheit der eigenen Identität drückt sich die gesellschaftliche Freiheit aus.

Die Fotografen, darunter Zackary Drucker, Lynn Hershman Leeson, Paul Mpagi Sepuya, Jamal Nxedlana, Walter Pfeiffer, Viviane Sassen bewegen sich zuweilen sehr plakativ zwischen Kunst, Mode, Gesellschaftsfotografie und historischer Nachahmung. Mit am beeindruckendsten ist Collier Schorrs Serie vom knabenhaften Mädchen zum mädchenhaften Jungen, ohne die Identität infrage zu stellen. In Lynn Hershman Leesons Collagen aus Prominenten und Werbefotos leuchten männliche und weibliche Schattierungen subtil in einem Gesicht auf.

Die Ausstellung im Münchener Literaturhaus ist bis 12. Januar 2020 zu sehen.

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