19.05.2019 - 11:05 Uhr
PechbrunnOberpfalz

Rainer Fischer gibt SPD-Vorsitz ab

Die Sozialdemokraten im Landkreis haben jetzt eine Chefin. Brigitte Scharf übernimmt den Kreisvorsitz von Rainer Fischer, der 17 Jahre Verantwortung an der Spitze getragen hat.

17 Jahre lang stand Rainer Fischer an der Spitze des SPD-Kreisverbandes Tirschenreuth. Bei der Kreisversammlung wurde er dafür mit Ovationen gefeiert.
von Josef RosnerProfil

„Ihr habt es so gewollt“, waren die ersten Worte von Brigitte Scharf als SPD-Kreisvorsitzende. Die 61-jährige Erbendorfer Bezirksrätin löst den Waldsassener Rainer Fischer (71) ab. Scharf wurde von den 48 Delegierten mit 46 Ja-Stimmen bei einer Enthaltung gewählt. Vorgeschlagen worden war sie vom stellvertretenden Kreisvorsitzenden Uli Roth: „Sie ist unsere Bezirksrätin, eine gewandte Rednerin, Rentenberaterin und ein sozialdemokratisches Urgestein.“ Kritisch merkte die frisch Gewählte an, sie hätte sich gewünscht, dass die Jugend mehr Verantwortung übernehme. „Aber ich fürchte mich nicht, ich hänge an meiner SPD.“

Beigetreten ist Scharf der Partei 1982, als das Misstrauensvotum gegen Helmut Schmidt lief. „Das war für mich damals das Startsignal.“ Sie setze auf die Jugend, sagte sie: „Lasst uns zusammenarbeiten, es wird schon werden.“ Die Nachfrage von Oberpfalz-Medien, ob die SPD einen eigenen Landratskandidaten bringen wird, ließ sie offen. „Wir müssen uns in der neuen Zusammensetzung erst mal zusammensetzen. Bis im Oktober wird die Liste für den Kreistag stehen“, sagte sie.

„Für mich schließt sich heute in Pechbrunn ein Kreis“, sagte Rainer Fischer in seiner letzten Rede als Chef der Kreis-SPD. „Am 12. Februar 2002 mussten wir mit großem Bedauern zur Kenntnis nehmen, dass unser Kreisvorsitzender Norbert Scharf nicht mehr kandidieren wird. Ich habe mich damals bereit erklärt, für kurze Zeit den Vorsitz zu übernehmen. Dass daraus 17 Jahre werden sollten, konnte niemand ahnen. Bitte glaubt mir, ich bin nicht besonders fest an diesem Sessel geklebt.“

Im Rückblick auf die Bundestagswahl 2017 meinte Fischer: „Offensichtlich haben immer noch nicht alle begriffen, dass es um die Zukunft unserer einst so stolzen Partei und mit der SPD um einen Grundpfeiler der demokratischen Verfasstheit unserer Republik geht.“ Auch die folgenden Landtags- und Bezirkstagswahlen standen unter keinem guten Stern. Positiv erwähnte Fischer den Wiedereinzug von Brigitte Scharf in den Bezirkstag.

Wenig Freude bereitete dem Kreisvorsitzenden die Mitgliederentwicklung. 35 Neuaufnahmen und 7 Zuzügen stehen 67 Austritte, 6 Wegzüge und 37 Sterbefälle gegenüber. Aktuell zählt der Kreisverband noch 777 Mitglieder. Die Ortsverbände Brand und Mähring mussten sogar aufgelöst werden, weil sich dort kein Vorsitzender fand. Auch beim Ortsverein Tirschenreuth scheiterten die Neuwahlen, persönliche Gespräche blieben bislang ohne positives Echo, bedauerte Fischer.

Die Neuwahl des Kreistags mit 50 statt 60 Mitgliedern werde die SPD vor eine besondere Herausforderung stellen. „Klar ist, auch der künftige Tirschenreuther Kreistag braucht eine starke SPD-Fraktion. Ich sage in aller Bescheidenheit, es kommt nicht auf die zahlenmäßige Stärke an, sondern auf die gute Arbeit, und die leisten wir.“ In diesem Zusammenhang kritisierte er den CSU-Landratskandidaten Roland Grillmeier für den Satz, die CSU stehe für eine aktive Kommunalpolitik und sonst niemand. „Mit Blick auf die zahlreichen Bürgermeister, Stadt- und Gemeinderäte, die nicht der CSU angehören, kann ich nur von einer absoluten Respektlosigkeit sprechen.“ Diese Aussage sei auch im Bezug auf die Arbeit im Kreistag eine bloße Unverschämtheit. Fischer: „Hochmut kommt vor dem Fall. Wenn Herr Grillmeier diesen Stil der Auseinandersetzung will, dann werden wir uns zu wehren wissen.“

Abschließender Dank galt allen Genossen für die Unterstützung. „Am 27. Februar 1977 wurde ich zum SPD-Ortsvorsitzenden in Waldsassen gewählt. In den folgenden 42 Jahren war ich ohne Unterbrechung Ortsvereinsvorsitzender und/oder Kreisvorsitzender. Meiner Ehefrau habe ich versprochen, dass ich künftig alle Termine zunächst mit ihr bespreche.“ Die Delegierten feierten Rainer Fischer mit Ovationen für seine letzte Rede. Viel Beifall gab es auch, als Fischer der früheren Unterbezirks-Geschäftsführerin Gisela Birner für ihre jahrzehntelange Arbeit dankte und ihr einen Gutschein für den Besuch im Sibyllenbad überreichte.

„Diese Kreiskonferenz ist nicht wie jede andere“, wandte sich Bayerns SPD-Generalsekretär Uli Grötsch an den scheidenden Vorsitzenden. „Du hast dich in all den Jahren in den Dienst der Partei gestellt und sie geprägt. Du hast den Landkreis repräsentiert und hinterlässt einen gut bestellten Kreisverband. Du hast Herausragendes geleistet, du bist ein Sozialdemokrat von echtem Schrot und Korn.“

Ein Strauß roter Rosen musste es schon sein für die neue SPD-Kreisvorsitzende Brigitte Scharf (Zweite von links). Ihr gratulierten (von links) stellvertretender Kreisvorsitzender Uli Roth, SPD-Generalsekretär Uli Grötsch, Wahlleiterin Gisela Birner und Vorgänger Rainer Fischer.
Die 61-jährige Erbendorferin Brigitte Scharf ist neue Kreisvorsitzende der SPD im Landkreis Tirschenreuth. Die Rentnerin wurde am Samstag mit überwältigender Mehrheit gewählt und löst nach 17 Jahren den bisherigen Kreisvorsitzenden Rainer Fischer.
Dies ist der engere neue SPD-Kreisvorstand (von links) mit Claudia Betzl, Thomas Döhler, Christine Trenner, Katrin Hüttner, Uli Roth, Brigitte Scharf, Bayerns SPD-Generalsekretär Uli Grötsch und Rainer Fischer.
Zwei Urgesteine des regionalen SPD. Rainer Fischer dankte der scheidenden Unterbezirksgeschäftsführerin Gisela Birner. Beide geben nach Jahrzehnten politischen Engagements ihre Führungspositionen auf.
Mit dieser Mannschaft geht der SPD-Kreisverband in die kommenden zwei Jahre. Neue Kreisvorsitzende ist Brigitte Scharf (rote Jacke, erste Reihe). Eine der ersten Aufgaben wird es sein, die neue Kreistagsliste und einen Landratskandidaten zu benennen.
SPD-Kreisvorstand:

Das Ergebnis der Wahlen: Kreisvorsitzende Brigitte Scharf, Stellvertreter Uli Roth (Krummennaab), Katrin Hüttner (Plößberg, neu) und Thomas Döhler (Pechbrunn), Kassiererin Claudia Betzl (Mitterteich), Schriftführerin Christine Trenner (Erbendorf), Bildungsbeauftragte Andreas Demleitner und Sybille Bayer (beide Kemnath), Organisationsleiter Alfred Schuster (Immenreuth) und Edwin Ulrich (Fuchsmühl), AsF-Vertreterin Irene Meinzinger (Reuth), Juso-Vertreter Raphael Bittner (Plößberg) und Florian Dick (Waldershof). Weitere Vorstandsmitglieder sind Gottfried Beer (Bärnau), Johann Brandl (Mitterteich), Anton Buschette (Neusorg), Jürgen Feldsmann (Mitterteich), Martin Gallersdörfer (Erbendorf), Monika Gerl (Waldsassen), Karl Georg Haubelt (Wiesau), Robert König, Simone König (beide Neusorg), Hans Männer (Tirschenreuth), Wolfgang Nikodem (Wiesau), Wolfgang Pötzl (Konnersreuth), Karl-Heinz Rottmann (Erbendorf) und Helmut Zeitler (Waldsassen). Kassenrevisoren sind Ursula Schuster (Immenreuth) und Angelika Würner (Mitterteich). (jr)

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