12.02.2019 - 08:51 Uhr
PechbrunnOberpfalz

Rückzug aus Pechbrunn

Die VR-Bank Fichtelgebirge-Frankenwald reduziert ihr Netz von 20 auf 13 Filialen. Das bedeutet auch das Aus für die Zweigstelle in Pechbrunn.

Die Pechbrunner Zweigstelle der VR-Bank Fichtelgebirge-Frankenwald wird zum 1. August 2019 geschlossen.
von Autor FPHProfil

Immer weniger Kunden gehen in die Filialen, sie erledigen stattdessen ihre Bankgeschäfte online. Auf das geänderte Kundenverhalten müsse man reagieren, sagte jetzt Johannes Herzog, Vorstandsvorsitzender der VR-Bank Fichtelgebirge-Frankenwald. Vieles gehe heute schneller und bequemer über digitale Kanäle. "Die Gewohnheiten unserer Kunden haben sich geändert. Deshalb müssen auch wir uns ändern und neu aufstellen", betonte er.

Konkret bedeutet das: Sieben Filialen werden vom 1. August dieses Jahres an mit nahe gelegenen Geschäftsstellen zusammengelegt. Geschlossen werden die Standorte in Pechbrunn, Schönwald, Marktleuthen, Röslau, Höchstädt, Nagel und Geroldsgrün. Die dortigen Kunden werden künftig von Marktredwitz, Selb, Wunsiedel, Thiersheim, Tröstau und Bad Steben aus betreut. Jedem Kunden wird sein Berater weiter zur Verfügung stehen, nur eben in anderen Räumen, wie die VR-Bank mitteilte.

Keine Entlassungen

"Dieser Schritt ist uns nicht leicht gefallen", erklärte Herzog. Die Genossenschaftsbank will ihm zufolge Online-Schulungen für Kunden anbieten, um gerade auch denjenigen zur Seite zu stehen, die nicht mobil seien. Es werde "keiner auf der Strecke bleiben", versicherte der Vorstandschef. "Die nächstgelegenen Geschäftsstellen sind fünf bis maximal zwölf Kilometer entfernt. Da kann man wirklich nicht davon sprechen, dass wir uns aus der Fläche zurückziehen", sagte Vorstandsmitglied Christian Mandel. Herzog fügte hinzu, dass man mit den verbleibenden 13 Geschäftsstellen im bayernweiten Vergleich der Volks- und Raiffeisenbanken immer noch deutlich über dem Durchschnitt liege. Einschnitte beim Personal werde es übrigens nicht geben: "Wir werden keine Mitarbeiter entlassen."

Die Führungsspitze der Bank, zu der neben Herzog und Mandel noch Generalbevollmächtigter Matthias Benesch gehört, sicherte der Kommunalpolitik in den von den Schließungen betroffenen Orten ihre Unterstützung zu. Die VR-Bank werde etwa mithelfen, Nachmieter zu finden. Mandel sagte, man sehe sich als Teil der Region und fühle sich für sie mitverantwortlich.

Schwieriges Umfeld

Herzog ging auf das schwierige Umfeld ein, in dem sich die Finanzbranche seit Jahren bewegt. Das habe die vom Aufsichtsrat mitgetragene Entscheidung des Vorstands mit beeinflusst. Herzog und Mandel kritisierten die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) scharf. Nach Schätzungen der VR-Bank Fichtelgebirge-Frankenwald wird der Überschuss aus dem für sie als Regionalbank traditionell sehr wichtigen Zinsgeschäft zwischen 2015 und 2020 von 15 Millionen Euro auf 10 Millionen Euro zurückgehen. Das könne man nicht durch höhere Provisionserlöse kompensieren. Zudem mache gerade den kleinen und mittleren Instituten die überbordende Regulatorik zu schaffen. Man sei gezwungen, diesen Faktoren Rechnung zu tragen und "Kostenstrukturen anzupassen". Dennoch kündigte Mandel an: "Wir wollen unsere Bank online und mobil weiterentwickeln." Es seien weitere Investitionen in das digitale Angebot geplant. "Wir wollen den Anforderungen der nächsten Generation gerecht werden."

Die VR-Bank Fichtelgebirge-Frankenwald hat ihren Hauptsitz in Marktredwitz. Das Genossenschaftsinstitut beschäftigt 140 Mitarbeiter und hat rund 16 570 Mitglieder. 2017 betrug die Bilanzsumme 622 Millionen Euro, das betreute Kundenanlagevolumen belief sich auf 802 Millionen Euro, das betreute Kundenkreditvolumen auf 405 Millionen Euro (der Jahresabschluss für 2018 liegt noch nicht vor).

Nachgefragt:

Vor allem ältere Leute betroffen

„Das ist für uns die dritte Hiobsbotschaft nach der Schließung der Bäckereifiliale und des Basaltwerks“, sagt Bürgermeister Ernst Neumann zum Rückzug der VR-Bank aus Pechbrunn. Am Freitag hätten ihn die Vorstände persönlich über den Schritt informiert, so Neumann. Besonders fatal sei, dass es nicht mal mehr einen Geldautomaten und ein Selbstbedienungsterminal für Überweisungen und Auszüge in der Gemeinde geben werde. „Das wird sich ungünstig auswirken“, ist Neumann überzeugt und bedauert darauf, dass es wieder einmal vor allem die älteren Bürger treffen werde, die nicht mobil seien. Zwar würden Schulungen fürs Online-Banking angeboten, aber Neumann hält es für zweifelhaft, dass dies bei den Senioren gut ankommt.

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