02.07.2018 - 15:34 Uhr
PechbrunnOberpfalz

Sorge für sich stärkt die Seele

Resilienz ist ursprünglich die Fähigkeit eines Materials, nach einer Verformung in den Ausgangszustand zurückzukehren. Aber auch die Widerstandskraft der Seele wird so genannt - ein spannendes und relativ neues Forschungsgebiet.

"Resilienz oder wie ich zum Stehauf-Menschen werde" war ein Vortrag bei der KAB Pechbrunn betitelt. Christa Mösbauer, KAB-Diözesansekretärin sowie Fachwirtin im Sozial- und Gesundheitswesen (IHK), hatte dazu interessante Erkenntnisse. "Resilienz ist nicht angeboren, sondern erlernbar", sagte die Referentin. Das habe die Auswertung vielerlei Studien ergeben. Resilienz könne mit der Zeit und unter verschiedenen Umständen variieren: "Kein Mensch ist immer gleich widerstandsfähig. Die Wurzeln für die Entwicklung für Resilienz liegen einerseits in der Person des Menschen andererseits in der Umwelt."

Die Resilienzforschung habe dazu beigetragen, dass man die seelischen Schutzfaktoren heute besser kennt, um mit schwierigen Lebenssituationen besser fertig zu werden, sagte Christa Mösbauer. Es gebe viele Beispiele aus der Vergangenheit, wie resiliente Menschen zum Erfolg kommen. Ein Beispiel sei Sir Alexander Fleming, der Erfinder des Penicillins. Der sei nur durch Zufall auf die Wirksamkeit des Medikamentes gestoßen, denn das was er ursprünglich erforschen wollte, war ein Misserfolg.

"Gerät der Mensch in eine Krise - durch Verlust eines Angehörigen, durch Arbeitsplatzverlust und vieles mehr - durchläuft er immer fünf Phasen", erklärte die Diözesansekretärin. Nach der Fassungslosigkeit setze die Wut auf die Umwelt ein, diese werde dann von der Realität verdrängt und schließlich lande man in der Depression. "Dies ist die schwierigste Phase. Wissenschaftler sagen, wenn ein Mensch resiliente Fähigkeiten besitzt, meistert er diese Phase besser, schneller und nachhaltiger, um sich dann in der fünften Phase neuen Wegen öffnen zu können." Diese resilienten Fähigkeiten würden in Schlüsselkompetenzen eingeteilt. Ein bewusstes Verhalten, das sich situationsbedingt orientiert, sei der Schlüssel für das Regenerieren aus Rückschlägen. "Viele Menschen befinden sich oft unbewusst in einer Opferrolle, diese zu verlassen oder überhaupt zu erkennen ist eine weitere Schlüsselqualifikation", sagte Mösbauer. Gute Freunde solle man sich schon in gesunden Zeiten suchen. Wahrnehmungskompetenzen und realistische Ziele in Krisenzeiten seien weitere erlernbare Attribute. "Die Sorge für sich selber ist oft der schwerste Ansatzpunkt, weil viele Menschen meinen, man darf sich selber nicht so wichtig nehmen." Doch viele Sprichwörter zeigten einen anderen Weg auf, etwa "Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott".

Die Resilienzforschung bewirke eine optimistische Lebenseinstellung und stärke die Seele, fasste die Referentin zusammen: "Sie würdigt das Vergangene, legt aber den Fokus auf die Zukunft."


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