06.05.2019 - 12:20 Uhr
PechbrunnOberpfalz

Der "verrückte Bahnhof" verschwindet

Die Gemeinde Pechbrunn verliert eines ihrer bekanntesten Gebäude. Der "verrückte Bahnhof" wird dem Erdboden gleichgemacht.

von Josef RosnerProfil

Im Juli vergangenen Jahres informierte Bürgermeister Ernst Neumann den Gemeinderat über einen Beschluss der Deutschen Bundesbahn, wonach der Alte Bahnhof abgerissen wird. Nur der Termin stand noch nicht fest. Jetzt scheint klar, dass dies noch in dieser Woche geschehen wird.

Die Vorbereitungen dazu sind weit gediehen. Das Dach ist entfernt, alle Fenster und Türen wurde rausgerissen, die Böden im Bahnhofsgebäude entfernt. Alles wurde fachgerecht entsorgt. Eigentlich steht nur noch die Raumhülle, die jetzt auf den Abrissbagger wartet. Damit endet die Ära des im 19. Jahrhundert erbauten Bahnhofsgebäudes in Pechbrunn, das einige Jahre nach seiner Fertigstellung versetzt wurde.

Was nach dem Abriss mit der dann freien Fläche passiert, wusste Bürgermeister Ernst Neumann auch nicht. "Die Fläche gehört der Deutschen Bundesbahn", sagte der Rathauschef. Der Bürgermeister könnte sich Parkflächen vorstellen. Für viele Pechbrunner endet damit die Geschichte des Bahnhofs Pechbrunn. Während einige froh sind, dass das leerstehende Gebäude verschwindet, konnten sich andere durchaus eine weitere sinnvolle Nutzung vorstellen, das sich aber nicht verwirklichen lassen ließ. Laut Angaben der Bauarbeiter, die den Abbruch vorbereiten, sollen noch diese Woche die Abrissbagger anrücken und das Gebäude entfernen.

Die Geschichte des Bahnhofes reicht übrigens bis 1882 zurück. Beim Bau erhielt der Bahnhof zwar den Namen Groschlattengrün, wurde aber auf dem Gebiet der Nachbarortschaft Pechbrunn errichtet. Ein Kuriosum, welches erst 1962 richtig gestellt wurde. Auf Antrag der mittlerweile von Pechofen in Pechbrunn umbenannten Gemeinde und der Bereitschaft, die dafür anfallenden Kosten zu übernehmen, wurde der Bahnhof "umgetauft". Ein Schönheitsfehler war damit beseitigt.

Hintergrund:

Bahnhof wird berühmt

1900 machte der Bahnhof in Pechbrunn Schlagzeilen. Nach der Fertigstellung der eingleisigen Strecke Wiesau – Marktredwitz 1883 erkannte die Verantwortlichen des Basaltwerkes die Möglichkeiten des Transportmittels und errichtete gegenüber des Bahnhofes eine Anlage zur Schotterverladung. Dafür war der Bau eines Verladegleises notwendig. Gleichzeitig wollte die Bahn die Strecke zweigleisig ausbauen, doch dafür reichte der vorhandene Platz zwischen Bahnhof und Basaltwerkes nicht aus, so dass nach längeren Überlegungen der Plan heranreifte, das Bahnhofsgebäude um rund zehn Meter zu verschieben.

In einer aufsehenerregenden Aktion ging dieses Vorhaben nach längeren Vorarbeiten am 30. Oktober 1900 über die Bühne. Pechbrunn hatte von diesem Zeitpunkt an seinen „verrückten Bahnhof“, die Platzfrage war gelöst, das zweite Gleis konnte gebaut werden.

Damit konnte auch der wirtschaftliche Aufschwung, der mit dem Bahnbau und der Errichtung des Bahnhofs in Pechbrunn verbunden war, weitergehen.

Anfang der 90er Jahre kündigte sich das Ende für den Bahnhof Pechbrunn an. Im September 1993 wurde der Verkauf von Fahrkarten eingestellt, der Schalter wurde geschlossen. Danach stand der „verrückte Bahnhof“ leer. (jrh)

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