Perschen bei Nabburg
14.09.2026 - 15:52 Uhr
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Großer Kartoffeltag im Freilandmuseum Neusath: Fenster in die Vergangenheit

Ob Dotsch oder als Knödel: Kartoffeln – oder besser gesagt „Erdäpfel“ – sind aus der Oberpfälzer Küche nicht wegzudenken. Das Oberpfälzer Freilandmuseum Neusath widmet diesem vielseitigen Gemüse einen interessanten Aktionstag.

Seit die Kartoffel, die ursprünglich aus Südamerika stammt, auch in Europa heimisch wurde, sind gerade einmal 280 Jahre vergangen. Heute gehört die Kartoffel zu den Grundnahrungsmitteln, ohne welche die heimische Küche nicht denkbar wäre. Gerade in der Oberpfalz, die auch gerne „Erdäpfelpfalz“ genannt wird, steht das heimische Gemüse in den verschiedensten Variationen fast täglich auf dem Tisch. Wie beschwerlich der Kartoffelanbau gerade in früheren Zeiten einmal war, führte der Große Kartoffeltag im Freilandmuseum den Besuchern deutlich vor Augen.

Los ging es mit dem Kartoffelgraben am museumseigenen Acker. Geführt vom Museumsmitarbeiter Mario zogen die beiden Kaltblüter Fonse und Veit den Kartoffelernter auf das Feld, auf dem bereits viele Kinder, ausgerüstet mit kleinen Säcken, auf das Gespann warteten. Ein lautes „Wüa“ und schon ging es los. Der mehrzackige Rechen begann sich zu drehen und die Erdäpfel wurden zusammen mit Erdreich neben den Bifang geschleudert. Jetzt musste der Schorsch mit dem Rechen die Kartoffel und das Kartoffelkraut noch ein Stück zu Seite räumen und das „Klauben“ konnte beginnen. Bei den vielen Helfern waren die Kartoffel im Nu in den Säcken verstaut und der nächste Bifang konnte geerntet werden.

Kartoffeln heuer kleiner

Alle Kartoffel, die in die kleinen Säcke passten, durften die Kinder mit nach Hause nehmen, der Rest wurde auf dem Erntewagen verstaut und dient als Futter für die Museumstiere. „Die Kartoffel sind heuer wegen der Trockenheit etwas kleiner und auch weniger, aber für die Tiere reichen sie“, war der Schorsch dann doch mit der Ernte zufrieden.

Im Stiftland stand eine historische Dämpfkolonne, mit der in früheren Jahren ein Unternehmer von Bauernhof zu Bauernhof zog und Kartoffeln in großem Stil dämpfte, die dann für den Winter einsiliert wurden. Etwas kleiner in der Ausführung war der Erdäpfeldämpfer im Matzhof. Die frisch gedämpften Erdäpfel der Sorte „Goldmarie“ durften von den Besuchern vor Ort gleich verkostet werden. Mit etwas Salz schmeckten sie vorzüglich.

Überlebensnahrungsmittel

Der „haitigen Erdäpfel“ , wie er im Volksmund genannt wird, war das Überlebensnahrungsmittel in früheren Zeiten schlechthin. „Wenn das Brot in unserer vielköpfigen Familie knapp wurde, gab es bereits zum Frühstück haitige Erdäpfel“, erzählte eine Besucherin aus ihrer nicht einfachen Jugendzeit. Über eine andere Verwendung der haitigen Erdäpfel erzählte eine andere Besucherin: „ Wenn es im Winter richtig kalt war, haben wird vor dem Schulweg eine heiße Kartoffel in die Fausthandschuhe gesteckt, so blieben die Hände lange Zeit warm. In der Schule angekommen, wurde die noch warme Kartoffel auch gleich gegessen.“

Ums Essen ging es dann auch im Wirtshaus Unterbürg. Hier standen Kartoffelsuppe oder Schopperla mit Apfelmus oder Dotsch mit Kraut auf der Speisekarte. Eine interessante Führung zum Thema „Erdäpfel ham ma gestern ghabt, Erdäpfel hama heit a“ rundete den Aktionstag ab. Zum Abschluss konnten die Besucher noch im Köstlerwenzelhof eine Spiralkartoffel verkosten.

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