Pertolzhofen bei Niedermurach
12.07.2024 - 16:13 Uhr
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Nach Asthma-Anfall und Herzstillstand: Spenden für Lukas aus Pertolzhofen

Der Asthma-Anfall mit Herzstillstand von Lukas ändert schlagartig das Leben der Vogls aus Pertolzhofen. Um den Jungen aus der Klinik nach Hause holen zu können, sind große Umbaumaßnahmen am Haus nötig. Eine Spendenaktion wird organisiert.

Neun Monate nach dem schweren Asthma-Anfall wird Lukas immer noch teilintensiv überwacht und kann sich quasi nicht artikulieren. Bild: Vogl/exb
Neun Monate nach dem schweren Asthma-Anfall wird Lukas immer noch teilintensiv überwacht und kann sich quasi nicht artikulieren.

Der 8. Oktober 2023 wird zum Schicksalstag für die Familie Vogl aus Pertolzhofen. Sohn Lukas, damals 16 Jahre alt, hat einen Asthma-Anfall. "Mama, ich krieg keine Luft mehr", sagt er. Eigentlich ist das nicht so ungewöhnlich, die Erkrankung ist längst bekannt. Als aber weder Asthma-Spray noch Inhalieren wirklich helfen, merkt Mutter Alexandra Vogl, dass etwas nicht stimmt, dass es anders ist als sonst. Sie ruft den Krankenwagen. Zum Warten setzt sich Lukas auf die Treppe vor dem Haus. Und plötzlich kippt er um.

Alexandra Vogl (54) startet sofort mit den Wiederbelebungsmaßnahmen, Nachbarn eilen zur Hilfe. Warum dieser Anfall so viel schlimmer war als sonst, warum das Spray diesmal nicht wirkte? Eine Grippe, an der Lukas kurz vorher erkrankt war, könnte dabei eine Rolle spielen. Mit Sicherheit wird man es aber nie erfahren. Sicher ist allerdings, dass die Vogls viel Geld in die Hand nehmen müssen, um ihren Sohn wieder aus der Klinik nach Hause holen zu können – Hilfe für die Familie formiert sich.

Hilfe für einen Jungen, der, wäre dieser Tag am 8. Oktober nicht gewesen, jetzt gerade seinen Schulabschluss an der Realschule machen würde. Der wohl schon bald seine Ausbildung beginnen würde, nach einem Praktikum hat er sich sehr für den Bereich Elektronik interessiert. Dessen Ein und Alles sein Hund Bomber und seine Katze Bruno sind. Lukas hat gerne am PC gezockt und sich mit Freunden getroffen, "wie es die Jungen halt so machen", sagt Alexandra Vogl. Er ist gerne geschwommen, war auch bei der Wasserwacht in Oberviechtach und Mitglied im SV Pertolzhofen. Und: "Als Teenager hat er sich auch gerne mal mit mir gestritten", erzählt sie und muss grinsen.

Im Herbst soll’s nach Hause gehen

Im Herbst sollte es so weit sein, hofft Alexandra Vogl, dann soll Lukas nach Hause kommen. In welchem Zustand ihr Sohn, inzwischen ist er 17 Jahre alt, bis dahin ist, steht in den Sternen. "Es kann eine Besserung geben oder auch nicht." Nach dem Herzstillstand hat er schwere Gehirnschäden, war lange im künstlichen Koma und wird auch heute noch teilintensiv überwacht. Lukas versteht, was um ihn herum passiert, berichtet seine Mutter. Er weint, wenn sie ihm in der Klinik sagt, dass sie jetzt wieder nach Hause fährt. Er lacht, wenn sie ihm eine lustige Geschichte erzählt. Selbst kann er aber weder sprechen noch sich bewegen. Wenn sie ihn im Herbst nach Hause holt, könnte er immer noch ein Intensivpatient sein oder sich vielleicht schon mit Hilfe eines Rollstuhls fortbewegen können. Dabei hatte es schon einmal bessere Fortschritte gegeben. Lukas war wacher, konnte schon einzelne Worte sprechen. Nach einer erneuten OP hat der Junge aber wieder mehr Schmerzen, muss wieder stärker sediert werden, die Besserungen sind zunichte gemacht.

"Dass wir ihn überhaupt heim bringen können, ist ein Riesenaufwand", berichtet Alexandra Vogl. Es braucht einen Weg und eine Auffahrrampe ums Haus zur Balkontür, an der Lukas' Zimmer direkt liegt, eine neue Tür, das Bad muss barrierefrei umgebaut werden. Um Lukas zum Beispiel zum Arzt bringen zu können, bräuchten die Vogls ein behindertengerechtes Auto. Von anderen Eltern, die Alexandra Vogl in der Klinik kennengelernt hat, hat sie außerdem von einem renommierten Rehabilitationszentrum in der Slowakei gehört. Wenn es Lukas' Zustand zulässt, würden sie es gerne mit einer Therapie dort versuchen – die ebenfalls selbst zu zahlen wäre.

Ein paar Möglichkeiten für Zuschüsse gibt es zwar, das reicht aber längst nicht aus. Die Kosten privat zu stemmen, ist für die Familie ebenso schlicht unmöglich – derzeit leben sie quasi vom Halbtagsgehalt, das Alexandra Vogl auf der Zulassungsstelle in Oberviechtach verdient. Denn Vater Hubert Vogl (63) ist als Folge seiner Diabetes an Demenz erkrankt. Seit dem Vorfall mit Lukas hat sich sein Zustand erheblich verschlechtert, arbeiten kann er nicht mehr.

Viel Unterstützung für Familie

"Familienleben gibt es gar nicht mehr, man funktioniert nur noch", beschreibt Alexandra Vogl das Leben seit vergangenem Oktober. Zwei bis drei Mal die Woche fährt sie frühmorgens in die Klinik nach Vogtareuth, wohin Lukas seit Januar verlegt wurde, und kommt spätabends wieder heim. Sie fürchtet, darunter leidet auch ihr zwölfjähriger Sohn Tom. "Ich bin halt ständig unterwegs."

Zum Glück gibt es Freunde, Verwandte, Nachbarn und Kollegen, die für die Vogls da sind. Alexandra Vogl ist dafür dankbar. Da ist zum Beispiel ihre Cousine, die schon in Rente ist und deshalb rund um die Uhr bei Lukas in Vogtareuth bleibt, auch deren Ehemann ist inzwischen nachgezogen. Bekannte, die nach Tom sehen an den Tagen, an denen Alexandra Vogl Lukas in der Klinik besucht. "Komm, wir machen eine Spendenaktion", sagt eine Bekannte schließlich.

Die Vereinsgemeinschaft in Pertolzhofen lässt sich da freilich nicht lange bitten, der Verein "9.9 im Schwarzachtal" aus Altendorf, der Menschen in Not unterstützt, wird mit ins Boot geholt. Schnell ist klar, dass hier ein echter Härtefall vorliegt, bei dem eine größere Summe zusammenkommen muss. Beim Verein 9.9 kann man unter Angabe des Verwendungszwecks "Lukas" jederzeit spenden, das Geld wird dann gegen Vorlage von Rechnungen zweckgebunden ausgezahlt.

Doch damit nicht genug: Am Sonntag, 22. September, planen die Vereinsgemeinschaft und 9.9 noch eine große Benefizveranstaltung – vom Vormittag bis in den Abend am Feststodl in Pertolzhofen. Live-Musik gibt's da auf jeden Fall und auch weiteres Rahmenprogramm wie zum Beispiel Kinderschminken wollen die Planer organisieren. Wer sich mit Programmpunkten an der Benefizaktion beteiligen will, kann sich beim Verein 9.9 melden. "Wir sind für jede Hilfe dankbar", so Vorsitzender Daniel Maierhofer.

Pertolzhofen bei Niedermurach12.07.2024
Hintergrund:

Spendenmöglichkeiten

  • Spende: jederzeit an IBAN: DE76 7506 9171 0000 1127 71, Empfänger: Verein 9.9 Schwarzachtal e.V., Verwendungszweck: "Lukas"; bei Angabe einer E-Mail- oder Wohnadresse und Bitte darum im Verwendungszweck wird auch eine Spendenquittung ausgestellt
  • Mitgliedschaft: Mitgliedsbeiträge (9,09 oder aufgerundet 10 Euro im Jahr) für den Verein 9.9 werden an ausgewählte Projekte gespendet, in diesem Jahr gehen die Beiträge an Lukas
  • Benefizveranstaltung: große Spendenveranstaltung für Lukas am Sonntag, 22. September, ganztägig am Feststodl in Pertolzhofen
  • Mehr: Wer mehr Infos braucht oder anderweitig Hilfe anbieten möchte, kann sich per E-Mail an verein9.9schwarzachtal[at]gmail[dot]com wenden, weitere Infos zudem unter www.9punkt9.org
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