Beispiellose Eigeninitiative einer Dorfgemeinschaft

Innerhalb von sechs Monaten haben die Mitglieder der Vereinsgemeinschaft Pertolzhofen (Kreis Schwandorf) in Eigenleistung das Haus der Vereine und das Dorfgemeinschaftshaus im Rohbau erstellt. Zeit für einen Blick auf die Baustelle.

von Christof FröhlichProfil

"Es braucht ein Dorf, um ein Kind zu erziehen", lautet ein Sprichwort. In Pertolzhofen müsste es wohl eher heißen, "es braucht ein Dorf, um zwei Gemeinschaftshäuser zu bauen." Sechs Monate Bauzeit am Haus der Vereine und dem Dorfgemeinschaftshaus sind nun um. Zeit für ein erstes Resümee und einen Blick auf die Baustelle.

Vor gut drei Jahren, war die Prognose für Vereinsleben und Dorfgemeinschaft düster. Die Familie Winderl, die das Dorfwirtshaus neben der Kirche über viele Generationen betrieben hatte, teilte die Schließung mit. Die Wirtschaft war Treffpunkt für die Pertolzhofener und nicht zuletzt Vereinsstätte unter anderem für den Schützenverein. Nur noch ein weiteres Wirtshaus gab es noch, doch auch bei diesem hieß es, es würde bald seine Pforten schließen.

Die Grundlage für eine beispielgebende Dorfgemeinschaft hatten die Pertolzhofener mit der Gründung einer "Vereinsgemeinschaft" geschaffen, der mittlerweile neun Dorfvereine angehören. Ohne lange auf Lösungen "von Oben" zu warten, hat sich die Vorstandschaft der Vereinsgemeinschaft unter Einbindung von Bürgermeister Martin Prey, Gemeinderat und der Verwaltungsgemeinschaft Oberviechtach zusammengesetzt und war sich einig, dass sofort gehandelt werden müsse, um den nachfolgenden Generationen eine Perspektive für ein weiteres funktionierendes Dorfleben bieten zu können. Auch das "Amt für ländliche Entwicklung" hatte Unterstützung zugesagt. Wie in Pertolzhofen gewohnt, wurde nicht lange geredet, sondern schnell geplant. Es war ein sehr hohes Maß an Eigenleistungen angedacht.

Fertig im Herbst

Mitte Oktober 2019 war die Baugrube des Hauses der Vereine fertiggestellt, die Versorgungsleitungen des Dorfgemeinschaftshauses waren verlegt, wobei einige Grundwasser- und Felsprobleme zu überwinden waren. Die Rohbauarbeiten erstreckten sich über den ganzen Dezember und Januar hin. So gut wie es möglich war, sind im Januar und Februar 2020 die Dächer eingeschalt, die Dachlatten aufgenagelt und die beiden Häuser eingedeckt worden, so dass im März bereits mit den Dämm- und Innenausbauarbeiten begonnen werden konnte. Auch die Türen und Fenster sind gesetzt. Fertig soll es bis zum Herbst dieses Jahres werden. Im Erdgeschoss des Hauses ist die neue Heimat für die Edelweißkapelle Pertolzhofen und im Obergeschoss bereits der Schießstand für den Schützenverein "Schlossfalken Pertolzhofen" zu erkennen, wobei beide Häuser bei Bedarf allen Dorfvereinen zur Verfügung stehen. Das Besondere am Projekt ist, dass außer den Spenglerarbeiten alle Tätigkeiten von etwa 90 fleißigen Helfern im Alter von 9 bis 75 Jahren erledigt werden.

Hintergrund:

Da über die Arbeitsleistungen genau Buch geführt wird, konnte der Vorsitzende der Vereinsgemeinschaft Pertolzhofen, "Wuni" Zwack, die ehrenamtlichen Stunden der Arbeitsleistungen mit derzeit fast 5500 Stunden an erbrachten Eigenleistungen beziffern, was etwa 688 "Acht-Stunden-Arbeitstagen" entspricht. Doch gerade beim Innenausbau bis hin zur Fertigstellung gebe es noch viel zu tun, weshalb "Wuni" Zwack an die "Berzhofer" appelliert, auch im Laufe des Sommers in der Arbeitsbereitschaft nicht nachzulassen, damit noch in diesem Jahr, soweit Corona es erlaube, die Einweihungsfeier stattfinden kann.

So war der Spatenstich für das Haus der Vereine in Pertolzhofen (Kreis Schwandorf)

Pertolzhofen bei Niedermurach

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Pertolzhofen bei Niedermurach
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