Im Corso durch die Kunstwelt

In südlichen Ländern wird abends auf dem "Corso" flaniert. Im Norden bleibt der Spaziergänger oft allein vor erleuchteten Fenstern. Der Künstler Armin Saub hat beides im Blick. Einen Ausschnitt zeigt der Kunst-Container in Pertolzhofen.

Kunstvereinsvorsitzender Heiko Herrmann präsentiert in der "Kunsthalle Pertolzhofen" einen "Corso" mit Werken von Armin Saub.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Schmale Ausschnitte aus einer bunten Welt hat der Künstler Armin Saub auf die Leinwand gebannt. Seine Bilder hängen nicht an der Wand, sondern erobern den Raum, lehnen sich aneinander und bilden in ihrer Gesamtheit ein buntes Panorama, das je nach Position des Betrachters variiert. Vor den weißen Wänden der "Kunsthalle Pertolzhofen", einem über Fenster einsehbaren Container am Bayerisch-böhmischen Freundschaftsweg bei Pertolzhofen (Landkreis Schwandorf), entfalten die Werke ein wahres Leuchtfeuer. Entfacht hat es hier vor Ort dank mehrerer Leihgaben der Pertolzhofener Kunstvereinsvorsitzende Heiko Herrmann.

Herrmann kennt Saub von einer gemeinsamen Schaffenszeit im Kollektiv Herzogstraße. Und er kennt auch die Hintergründe des 1939 in Saarbrücken geborenen Künstler-Kollegen, der an der Akademie der Bildenden Künste in München studiert hat und erstmals 1989 eine sogenannte Corso-Installation präsentiere: Armin Saub war beeindruckt von den Menschen, die im Süden abends scharenweise auf Straßen und Plätzen, dem "Corso", unterwegs waren, "unter einer Dusche von Gesprächen". Der Corso ist für ihn ein "aufgebrochenes Labyrinth" mit dem Aufeinandertreffen von Gegensätzlichem und ekstatischem Gedankenaustausch.

"So wie die Leute sind auch die Bilder in ständiger Veränderung", erklärt der Kunstvereinsvorsitzende das Werk des inzwischen 80-Jährigen. "Nach dem Abendessen lassen die Leute den Löffel fallen und gehen auf die Straße", schildert er eigene Erfahrungen in anderen Kulturen. "Da entsteht Leben, da gibt es Kommunikation", hat er festgestellt und fügt bedauernd hinzu: "Hier sieht man um diese Zeit keinen Menschen im Dorf, man trifft die Leute nur noch beim Einkaufen auf dem Norma-Parkplatz."

Wer einen Blick durch die Fenster der "Kunsthalle" riskiert, trifft auf jeden Fall auf einen sehr bunten und abstrakten Ausschnitt der Welt. Da könnte man hie und da eine Figur erahnen – oder einen Gummibaum. Letzteres vermutet Heiko Herrmann hinter einem dieser Fenster- oder Türbilder, die nicht so sehr in der Kunstgeschichte wurzeln, vielmehr in den tristen Zweckbauten der 50er und 60er Jahre. Von seinem Atelier in München-Milbertshofen aus hatte der Künstler wohl einen guten Blick auf die "tagsüber bleiernen Fensterhöhlen", die nachts durch Beleuchtung zu einem hellen Aquarium mit Innenleben mutierten. "Die Fenster wurden für mich zu Formen architekturbezogener Malerei, ein Zeichen des Austausches von Innen und Außen, der Entgrenzung", zitiert Herrmann den Künstler in der Einladung zur Ausstellungseröffnung am Samstag, 11. Mai.

Wer den Corso von Armin Saub erkunden will, hat dazu noch bis Ende August Gelegenheit. Er kann dabei zwar nicht durch den Kunst-Container flanieren, aber immerhin durch die Fenster von mehreren Blickachsen aus einen Eindruck von der Installation bekommen.

Info:

Denkmal für Prem

Pertolzhofen/Roding. (bl) „Heimrad Prem, aus Roding kommend, machte sich malend auf in die Welt. “ So beschreibt der Pertolzhofener Kunstvereinsvorsitzende Heiko Herrmann seinen 1978 verstorbenen Kollegen, der Mitglied der Gruppe „Spur“ war. Diese Gruppe hat Hermann zum Thema einer Skulptur gewählt, die an den Rodinger Künstler erinnern soll. Noch allerdings erinnert sie mehr an ein Miniatur-Werk des Verhüllungskünstlers Christo. Für Prem sei die Gruppe immer ein Kraftzentrum gewesen, so der Schöpfer des Objekts, das in Roding auf die Enthüllung wartet. Am Sonntag, 19. Mai (17 Uhr) wird die Skulptur parallel zur Eröffnung einer Ausstellung von Herrmann der Öffentlichkeit vorgestellt. Zu sehen ist die Ausstellung im Kulturhaus Fronfeste bis 16. Juni.

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