Wenn der Hackstock blüht

Eine Astgabel wird zur Steinschleuder, aus dem Baumstamm löst sich eine Figur und wird zu Kunst, mal elegant und mal bizarr. Eine Sammlung solcher Objekte, die alle etwas mit einem Stock zu tun haben, zeigt die "Kunsthalle Pertolzhofen".

von Monika Bugl Kontakt Profil

(bl) In der Ecke des Kunst-Containers am Bayerisch-böhmischen Freundschaftsweg lehnen ein paar schlichte Äste, manche gerade, andere verzweigt: Ausgangsmaterial für große Kunst. Der Pertolzhofener Kunstvereinsvorsitzende Heiko Herrmann hat ein Faible für die "Gattung" Stock. Bei vielen Künstler-Kollegen, bei Nachbarn und Freunden ist er fündig geworden und hat auch aus seiner eigenen Sammlung so manches beigesteuert. Den Hackstock beispielsweise, der kombiniert mit einer Axt und einer hölzernen roten Blume von Michael Denkler-Dietz den Titel für die Ausstellung liefert: "Wenn der Hackstock blüht - der Stock in der Welt und in der Kunst".

Blühende Fantasie hat jedenfalls dafür gesorgt, dass aus simplen Holzstücken die unterschiedlichsten Gebrauchsgegenstände und Kunstwerke entstanden sind - vom bunt verzierten Stab eines australischen Ureinwohners, über einen bäuerlichen Spazierstock vom Großvater bis hin zum hausgemachten bischöflichen Erkennungszeichen. Letzteres Objekt ist freilich nicht aus Silber, sondern zusammengesetzt aus Holz mit einem Stück Gartenschlauch am oberen Ende, alles mit Alufolie eingewickelt und verziert mit einem Gold-Ornament, das einer Zigarrenkiste entliehen ist. Gleich daneben ein Aluminium-Stock, der einst einem Schäfer gehörte. "Das passt doch ganz gut, weil beide Besitzer sich um Schäfchen gekümmert haben", meint Künstler Herrmann. Vom verstorbenen Künstler Max Bresele stammt ein "absurdes Werkzeug", ein seltsam geformter Malerpinsel musste erst für die Kunst entdeckt werden. "Es ist enorm, was sich alles aus einem Stock entwickelt hat", erklärt Sammler Heiko Herrmann.

Von Menno Fahl stammt der "Hammermann", Sven Malwin ist der Schöpfer von zwei figürlichen Holz-Skulpturen, und Axel Heil hat eine bunte Kanne geliefert, in die beim Aufbau der Schau noch einen Schlagstock gesteckt wird. "Ein Miraculum", kommentiert Herrmann, "man muss ja nicht alles enträtseln".

"So ein Stock ist eigentlich der verlängerte Arm des Menschen", philosophiert der Künstler und erzählt von einem Galeristen, der einem aggressiven Ganter mit ausgestrecktem Arm entgegentreten wollte - um ihm klar zu machen, wer den längeren Hals hat. "Das Stockmaß ist eine der ältesten Maßeinheiten überhaupt", überlegt Herrmann. Ob Maß, Waffe oder Kultgegenstand: So manches Objekt aus Afrika weist da durchaus Parallelen auf zu den Spazierstöcken, die der Pertolzhofener Thomas Bauer aus dem Nachlass seines Großvaters beigesteuert hat. Und noch eine Leihgabe stammt aus Pertolzhofen: Herrmanns Nachbarin Therese Hoch hat die antiquierte Bügelmaschine (Mangel) aus Familienbesitz zur Verfügung gestellt, die in der Kunst zwischen Rechen, Schaufel, Flöte, Baseball-Schläger und einem verlängerten Holzlöffel ihren Platz behauptet.

"Stöcke haben mich schon immer fasziniert", gesteht Kurator Herrmann, den es noch immer erstaunt, wie schnell Stöcke in der Hand von pazifistisch erzogenen Kindern zur Waffe werden: "Das geht dann gleich los mit bum, bum, bum."

Einer der antiken Stöcke in der Sammlung birgt aber tatsächlich eine Waffe, eine Art Dolch kommt zum Vorschein hinter der harmloseren Funktion als Flöte. Ein gewaltiger Kontrast zu zwei ganz banalen Krücken mit ihrer Mahnung an die Verletzlichkeit.

Die Ausstellung ist bis Ende März über die Fenster im Kunst-Container einsehbar. Vernissage ist am Sonntag, 16. September im Anschluss an die Versammlung des Kunstvereins, die um 14 Uhr im Zehentstadel von Pertolzhofen beginnt.

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