Was in der Reuse hängen blieb

Mit der Taschenlampe hat Heiko Hermann auf dem Dachboden in Pertolzhofen nach Kunstwerken gesucht. Jetzt packt er aus: Allerlei bizarre Fundstücke bevölkern den Kunst-Container von Pertolzhofen.

Eine bunte Sammlung mit Werken seiner Kollegen zeigt Künstler Heiko Herrmann in Pertolzhofen.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Vor mehr als 25 Jahren hat Heiko Herrmann die "Kunstdingertage", in Pertolzhofen etabliert. Von so manchem der jeweils zweiwöchigen Künstlertreffen blieb ein Relikt. Eine Art "Zwischenlager für Kunst" habe sich da auf dem Dachboden seines Ateliers eingenistet. Was in all den Jahren an Skulpturen "in der Reuse hängen blieb", hat jetzt einen Platz bekommen in der jüngsten Ausstellung "Positionen zeitgenössischer Skulptur III" in der "Kunsthalle Pertolzhofen". Dort, in dem über Fenster einsehbaren Container am Bayerisch-böhmischen Freundschaftsweg wartet nun ein filigraner "Hund" aus rostigem Metall neben einem etwas beleibten "Adam" und einer absurden Gießkanne.

Für Kunstinteressierte bietet sich ein Wiedersehen mit so manchem Werk an, das hier in Pertolzhofen entstanden ist. Die Liste der Künstler, die etwas beigesteuert haben, ist lang. Einige Objekte hat der Pertolzhofener Kunstvereinsvorsitzende Herrmann erst beim Zurechtstutzen der Brennnesseln in seinem Garten wiederentdeckt.

Andere, wie der große "Tropfen" von Ossi Fink, zierten die Fassade des Zehentstadels, in dem Herrmann sein Atelier hat. "Ich glaub, deine Dachrinne ist krank", scherzte einst ein Nachbar des Künstlers angesichts der überdimensionalen Träne, die dort hing. Manches Objekt ist eine Co-Produktion aus Tagen, als die Künstler sich unter Anleitung des Schmieds aus dem Dorf im Schweißen versuchten. Albert Beedi, David Hardy und Harald Björnsgard versuchten sich in dieser Technik, die den kritischen Augen des Fachmanns nicht immer stand hielt. "Aber in der Kunst muss so eine Schweißnaht ja auch nicht dicht sein wie beim Öltank, sondern Poesie haben", sagt der Künstler.

Alles andere als dicht ist auch die "Gießkanne" von Max Bresele, deren Gitter-Boden diesen Alltagsgegenstand ad absurdum führt. Nicht weniger skurril: die Ackerbau-Maschine von Bresele, konstruiert aus Eisenteilen und alten Eisstöcken. Filigran nimmt sich dagegen die rote Holzskulptur von Pomona Zipser aus. Einmal habe man bei den Kunstdingertagen bei der Produktion von Skulpturen alle Abfälle aus dem Atelier mit Klebepistole bearbeitet, erzählt Veranstalter Herrmann, der mit fast jedem Objekt Erinnerungen an seine Entstehungszeit verbindet.

Die bunte Holz-Collage von Claudette Griffiths beispielsweise verbindet sich mit Plänen für den Kunst-Container, der einmal fast bis Jamaika reisen sollte. Und die Kanne aus Blech von Axel Heil bekommt einen ganz anderen Nimbus, wenn ihr Inhalt, ein Schlagzeugstock, angeblich von den Rolling Stones stammt.

Wer diese Sammlung in der "Kunsthalle Pertolzhofen" mit eigenen Augen sehen will, kommt am besten bei Tageslicht und wirft über die Fenster einen Blick in den Container. Noch bis 31. März repräsentieren die Skulpturen "Höhen und Tiefen" von 25 Jahren Pertolzhofener Kunstdingertage. Für Künstler Heiko Herrmann ist dieser Titel nicht zuletzt auch eine Anspielung auf die Fundorte: Höhe für den Speicher, Tiefe für die Brennnesseln.

Info:

Beteiligte Künstler

Sylvester Ambroziak, Albert Beedi, Max Bresele, Franz Burkhardt, Harald Björnsgard, Michael Denkler-Gietz, Ossi Fink, Ruth Gilberger, Friedemann Grieshaber, Claudette Griffiths, David Hardy, Axel Heil, Heiko Herrmann, Sabrina Hohmann, Thomas Kahl, Susanne Mansen, Albert Pfrieger, Stewens Rgone, Herbert Wurm und Pomona Zipser.

Heiko Herrmann inmitten der Fundstücke aus 25 Jahren Kunstdingertage in Pertolzhofen.
Gießkanne von Max Bresele.
Von Claudette Griffiths stammt diese Skulptur.

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