05.06.2020 - 17:21 Uhr
PfreimdOberpfalz

20-Jährige organisiert in Pfreimd Demo gegen Rassismus

Ein brutaler Akt in den USA lässt Menschen in der ganzen Welt auf die Straße gehen. Der Tod von George Floyd ist jetzt auch Anlass für eine Demo in einer Kleinstadt wie Pfreimd – organisiert von einer 20-Jährigen.

Die 20-jährige Eva Brunner organisiert für Samstag um 14 Uhr auf dem Pfreimder Marktplatz eine stille Demo gegen Rassismus.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Zur Demo nach München oder Nürnberg fahren? Krankenschwester Eva Brunner wählt einen anderen Weg. Sie holt in Zeiten von Corona den Protest nach Pfreimd. Ein Statement gegen Rassismus ist geplant, ein leises und friedfertiges. Anlass ist der Tod des 46-jährigen Afroamerikaners George Floyd, der durch einen Polizeieinsatz am 25. Mai in Minneapolis ums Leben kam. Die "silent demo" (stille Demo) startet am Samstag um 14 Uhr auf dem Marktplatz. Statt schriller Pfiffe und lauter Rufe soll dort für eine Stunde ein großes Schweigen herrschen, Dresscode schwarzes Shirt und Mundschutz, Banner und Transparente erwünscht. Im Interview mit Oberpfalz-Medien erzählt die 20-Jährige, was sie sich von der Aktion verspricht.

ONETZ: Wie kommt es, dass du dich für eine Demo in deiner Heimatstadt stark machst?

Eva Brunner: Das Thema "Rassismus ist bekannt, hat aber zu wenig Reichweite. Gerade auf dem Land kriegt man vieles nicht mit. Der Fall von George Floyd zeigt, dass man sich einsetzen muss, dass es nicht reicht, einfach nur dagegen zu sein.

ONETZ: Warum in Pfreimd demonstrieren, wo es parallel in Städten wie München oder Nürnberg Demos gibt?

Eva Brunner: Ein Grund dafür ist das Coronavirus. In den großen Städten kann oft der Abstand nicht eingehalten werden. Außerdem gibt es dort eher gewaltbereite Gruppen, die den friedlichen Protest stören könnten. Und es ist auch wichtig, hier vor Ort etwas zu bewegen.

ONETZ: Kann so eine kleine Veranstaltung etwas bewirken?

Eva Brunner: Ich denke, dass jede Stimme zählt. Wenn man nur eine einzige Person erreichen kann, dann ist das doch ein Anfang.

ONETZ: Warum soll es eine stille Demo sein?

Eva Brunner: Weil die Wut über so einen Fall wie den von George Floyd uns sprachlos macht. Es ist uns auch ganz besonders wichtig, als friedliche Einheit zu protestieren.

ONETZ: Wie läuft die Demo ab?

Eva Brunner: Wir stehen ab 14 Uhr einfach alle in schwarzen Shirts, mit Mundschutz und Sicherheitsabstand eine Stunde lang schweigend auf dem Marktplatz. Da wird nicht gesprochen. Wer etwas sagen will, kann ein Schild mitbringen.

ONETZ: Wie schwer ist es, so eine Demo genehmigt zu bekommen?

Eva Brunner: Ich habe einfach Kontakt zum Bürgermeister aufgenommen. Übers Ordnungsamt wurde ich ans Landratsamt verwiesen. Da gibt es so ein Formular zu Anmeldung einer Veranstaltung unter freiem Himmel. Außerdem muss man ein Hygiene-Konzept vorlegen. Auch die Polizei muss informiert sein. In meinem Fall war das am Donnerstag mit der Anmeldung allerdings ziemlich knapp.

ONETZ: Wie viele Menschen werden kommen?

Eva Brunner: Anfangs dachte ich, dass dort vielleicht nur meine Freundin und ich stehen. Vielleicht werden es nun doch so 15 bis 20 Personen. Es sollten aber nicht mehr als 50 sein.

Info:

Silent Demos weltweit

Silent Demos finden am Samstag, 6. Juni, deutschlandweit und wohl sogar weltweit statt. Der gewaltsame Tod von George Floyd und weiteren Afroamerikanern ohne entsprechende strafrechtliche Folgen für die Täter ist laut einer Vielzahl von Organisatoren Anstoß für die stillen Proteste. Menschen auf der ganzen Welt wollen so ihre Solidarität gegenüber ihren Mitmenschen in den Vereinigten Staaten sowie mit allen Opfern des Rassismus auf der ganzen Welt bekunden. Die Veranstalter in Deutschland argumentieren: "Diskriminierung, soziale und ökonomische Ausgrenzung sowie körperliche Angriffe bis hin zum Mord von Menschen mit schwarzer Hautfarbe sind ein globales Problem."

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Deutschland & Welt

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