Es ist nur eines der Geschenke, die Barbara Figulla an ihrem letzten Arbeitstag im Rathaus der Stadt Pfreimd zum Abschied erhält. Die letzte Amtshandlung der Vorzimmerdame: Sie lässt den Bürgermeister noch eine Niederschrift unterzeichnen.
Richard Tischler bittet "die Barbara" ins Amtszimmer. Der Trausnitzer Bürgermeisterkollege Martin Schwandner ist ebenso gekommen wie Geschäftsleiter Bernhard Baumer und Kämmerer Christian Hechtl. Die Runde ist klein, den großen Abschied kann es derzeit nicht geben. Die Abschiedsworte sind keine Floskeln: Die Zuverlässigkeit, Freundlichkeit und Diplomatie der 63-Jährigen werden gewürdigt. Geschenke und Blumen, die in diesem Fall Bürgermeistersgattin Evi Tischler besorgt hat, unterstreichen die Wertschätzung.
Den Spagat beherrscht
Barbara Figulla könnte vieles aus dem Nähkästchen plaudern, doch Diskretion legt man nach 37 Berufsjahren nicht einfach ab. "Die Barbara saß ja sozusagen im Zentrum der Macht", schmunzelt Bernhard Baumer mit Blick auf die Büros der Bürgermeister und der Geschäftsleitung auf einer Etage. Und dazwischen das Vorzimmer, in dem organisiert, telefoniert wird, wo Fäden zusammenlaufen. Barbara Figulla hat den Spagat beherrscht: Am Schreibtisch Sitzungsergebnisse in einen Guss bringen, Post und Termine machen, dem Bürgermeister den Rücken freihalten, andererseits die Gespräche mit Bürgern takten, große und kleine Anliegen weiterleiten. Bauangelegenheiten, Beschwerden über Laub und Hundekot: Figulla wusste auch immer gleich den richtigen Ansprechpartner für Alltagsangelegenheiten, die es in der Verwaltung zu klären gab.
Vier Bürgermeister
Mit vier Pfreimder und drei Trausnitzer Bürgermeistern hat sie zusammengearbeitet. "Jeder hat sein persönliches Profil", sagt die 63-Jährige, die am 1. März 1984 als Quereinsteigerin ins Rathaus kam. Damals noch im alten Schloß. Barbara Figulla begann im Vorzimmer des ehemaligen Pfreimder Bürgermeisters Werner Bernklau. In Verwaltungsfragen hätte die damals 26-Jährige keinen besseren Lehrmeister als den gelernten Kämmerer haben können. Am Montag wurden Termine für die Woche abgesprochen, geklärt, was zu erledigen, zu besorgen ist. Da wurde noch diktiert, was Barbara Figulla heute digital und im Outlook-Kalender erledigt.
Bürgermeister Bernklau war für Figulla ein Phänomen. Wenn sie sich erlaubte, in einem ellenlangen Diktat ein Wort, einen Satz zu verändern, der ihrer Meinung nach besser klang, hatte er zwar nichts dagegen, "doch er hat es immer gemerkt und mich darauf angesprochen". Dann kam Albert Maier. "Da ist der Banker durchgeschlagen Die Finanzen waren für ihn das A und O." Ein ganz anderes Naturell hatte da Nachfolger Arnold Kimmerl, "der Förster". Ja und dann kam "der Pressemann, der die Stadt gut repräsentieren kann", meint Figulla schmunzelnd mit Blick auf Richard Tischler. "Jeder Bürgermeister hatte seinen eigenen, auch durch den vorher ausgeübten Beruf geprägten Stil. Ich bin mit allen gut ausgekommen und habe gerne mit jedem zusammengearbeitet", fasst die zierliche Frau zusammen.
Das Vorzimmer gibt es weiterhin, aber nicht mehr in der klassischen Form. Wolfgang Wöhl, Mitarbeiter im Hauptamt, betreut künftig zugleich das Vorzimmer. Man reagiert dabei auf Neuerungen wie den digitalen Posteingang und das digitale "Anordnungswesen".
Barbara Figulla macht noch einen Gang durch die Abteilungen, sagt Servus und freut sich auf den neuen Lebensabschnitt, den sie gelassen angeht: "Hauptsache, ich bleib gesund, daran hängt doch letztlich alles. "















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