04.07.2019 - 11:14 Uhr
PfreimdOberpfalz

Digital ins Schwarze treffen

Das durchlöcherte Blatt ist passé. Statt dessen zeigt ein farbiger Punkt auf dem Monitor, wie gut der Schuss soeben war. Das erspart den Pfreimder Stadtschützen, die heuer von analog auf digital umgerüstet haben, nicht nur Arbeit.

Jugendleiterin Karin Ruhland und ihr Stellvertreter Sebastian Ruhland sind begeistert von den Schießständen, an denen die Treffer nun für jeden Schützen auf einem eigenen Display angezeigt werden.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Die langen Seile, auf denen die Schießergebnisse in Papierform per Knopfdruck zum Schützen transportiert wurden, sind verschwunden. "Früher, bevor es elektrisch ging, hat man hier noch gekurbelt", erinnert sich die Jugendleiterin der Pfreimder Stadtschützen, Karin Ruhland, an alte Zeiten, als alles noch mechanisch ablief im Pfreimder Schützenheim. Damit ist nun seit April endgültig Schluss. Am Schießstand ist das digitale Zeitalter angebrochen.

Nur zehn Meter leerer Raum trennen die Schützen nun von ihrem Ziel. Zehn schlichte weiße Kästchen mit einem schwarzen Loch in der Mitte ersetzen die Zielscheiben auf Papier, etwas kleiner ist nur das Ziel fürs Lasergewehr. Wie gut ein Treffer ist, wird über Sensoren per Lichttechnik gemessen. Nur Gewehr und Munition sind noch nicht virtuell, und so sammeln sich die abgeschossenen Bleikugeln Marke "Diabolo" in einem kleinen Behälter unter der Zielvorrichtung. Am Schießstand mit den zehn Plätzen hat jeder Schütze einen kleinen Monitor neben sich. Große runde Punkte zeigen, wie treffsicher er ist, der jeweils letzte Schuss ist farbig. Ein grüner Punkt signalisiert, dass noch viel Luft ist bis zur Mitte, ein gelber ist schon besser, und ein roter markiert einen Treffer ins Schwarze.

"Was hier gespeichert wird, ist eine Art digitales Schieß-Tagebuch", erklärt Sebastian Ruhland, stellvertretender Jugendleiter, der federführend die Umrüstung übernommen hat. Die Auswertung liegt sofort vor, und über einen Beamer können die Ergebnisse live im Nebenraum verfolgt werden. Und noch einen Vorteil hat das neue System, das bislang vor allem in den neu gebauten Schießständen des Schützengaus Nabburg Einzug gehalten hat. "Früher hat man so ein Ergebnis durchaus anzweifeln können und konnte es dann vom Kampfgericht nachprüfen lassen", berichtet der stellvertretende Jugendleiter. "Jetzt gibt es da keine Diskussion mehr, 7,9 ist dann eindeutig 7,9."

Besser als Maschine

Zwar wurde so manches Blatt auch früher schon per Auswert-Maschine überprüft, aber so ganz 100-prozentig genau war das Verfahren nicht und hat bei einer Wiederholung schon mal um einen Ring variiert. "Mit bloßem Auge konnte man sowieso nicht erkennen, ob das nun ein 7- oder ein 20-Teiler sein sollte", erklärt Karin Ruhland, die begeistert ist von der enormen Arbeitserleichterung bei der Auswertung.

Jetzt ist es exakt, und basierend auf den bisherigen Treffern lässt der Computer sogar eine Hochrechnung zu. Vor allem die 14 aktiven Jungschützen im Verein mit den 235 Mitgliedern haben sich ganz schnell auf das neue System eingestellt und waren zumindest beim Bedienen des Displays den "alten Hasen" einen Schritt voraus.

Rund 31 000 Euro hat die Umrüstung fürs digitale Zeitalter im Pfreimder Schützenheim gekostet. Auf etwa 20 Prozent beziffert Sebastian Ruhland die Zuschüsse vom Landesverband, aber auch lokale Firmen haben mit einer Spende die Investition ermöglicht. Bei der Installation hatte der 20-Jährige Hilfe von mehreren Mitgliedern, unter ihnen Herbert Moser. Wie viele Stunden Arbeit er da in seiner Freizeit hineinstecken musste, hat er nicht gezählt. Sein Lohn: das positive Echo - und die Hoffnung, durch das bei dieser Gelegenheit neu angeschaffte Lasergewehr noch mehr ganz junge Schützen für die Sportart begeistern zu können, zum Beispiel beim Tag der offenen Tür am 6. Juli (siehe Info-Element). "Aha, Schussbild links oben", kommentiert der stellvertretende Jugendleiter ein paar Probeschüsse aus dem Lasergewehr. Er bekommt über das Display mit den eingezeichneten Treffern auch einen Eindruck von systematischen Fehlern der Schützlinge bei Training.

Tricksen ausgeschlossen

Einen Nachteil hat das neue System allerdings. Schlechte Ergebnisse können beim Training im wahrsten Sinne des Wortes nicht mehr unter den Tisch fallen, der Computer speichert nämlich alles.

Info:

Tag der offenen Tür

Wer die umgerüsteten Schießstände der Pfreimder Stadtschützen Mit Laser, Luftgewehr oder -pistole testen will, hat dazu beim Tag der offenen Tür am Samstag, 6. Juli, Gelegenheit. Beginn ist um 14 Uhr im Schützenheim, es gibt Kaffee, Kuchen und eine Brotzeit. Außerdem dürfen die Gäste bei dieser Gelegenheit auch ihr Talent als Bogenschützen erproben. Mit dem Lasergewehr können auch Kinder unter 12 Jahren ihre Treffsicherheit erkunden, ab 12 Jahre (mit offizieller Genehmigung des Landratsamt ausnahmsweise auch ab 10) ist auch das Training mit Luftgewehr möglich.

Früher hat man so ein Ergebnis durchaus anzweifeln können und konnte es dann vom Kampfgericht nachprüfen lassen. Jetzt gibt es da keine Diskussion mehr.

Sebastian Ruhland, stellvertretender Jugendleiter der Pfreimder Stadtschützen

Sebastian Ruhland, stellvertretender Jugendleiter der Pfreimder Stadtschützen

Der Fokus liegt nach wie vor auf der Mitte. Gemessen werden allerdings nicht mehr Millimeter auf Papier, sondern Abstände mit Lichttechnik.
Alte Schießstände wie dieser hier im Keller des Schützenheims haben bald ausgedient. Etwa ein Drittel der Vereine im Schützengau Nabburg haben nach Einschätzung der Pfreimder Jugendleiter schon umgerüstet.
Noch keinen Ersatz in digitaler Form gibt es vorerst für diese Gaudi-Varianten beim Schießen.
Ein roter Punkt lässt die Schützen strahlen: Volltreffer!
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.