Die Stadtkapelle rückt mit 15 Mann an. Tischler feiert seinen Geburtstag am Samstag so, wie es den Gästen gefällt. Er begrüßt sie zu einem Frühschoppen bei Weißwürsten und Kücheln, "aber ohne Reden, ohne Ansprachen, ohne Programm". Ein fester Händedruck, eine herzliche Umarmung, ein Ständchen der Musikschule: Tischler hat bewusst diesen lockeren Rahmen im Gasthaus Herdegen gewählt. Die Familie feiert dann am Nachmittag. Das schönste Geburtstagsgeschenk ist Enkeltochter Josefine, die am 4. Dezember zur Welt gekommen ist.
Die Gästeliste ist bunt und überparteilich. Die Bundes- und Landtagsabgeordneten Karl Holmeier, Marianne Schieder und Joachim Hanisch sind gekommen, Landrat Thomas Ebeling, die Nachbarbürgermeister, Bürgermeister der Partnerstädte, der Stadtrat, Vertreter von 28 Vereinen, in welchen Tischler Mitglied ist, Ehrenbürger Georg Pfannenstein, die Altbürgermeister Albert Maier und Arnold Kimmerl, Vertreter der Freien Wähler, denen Tischler angehört, die Spitzen der Sparkasse, wo er einen Sitz im Verwaltungsrat innehat, Kollegen aus dem Bayerischen Gemeindetag, Vertreter der VHS, der Pfarrei, der kommunalen Einrichtungen, der Verwaltung, des Lions Clubs und, und, und...
Als sich die Reihen am Nachmittag lichten und Richard Tischler im Gespräch auf die letzten Jahre zurückblickt, hat er eigentlich alles richtig gemacht: Die Pfreimder Parteien umwerben den Redakteur - und Altbürgermeister Albert Maier kann beharrlich sein: Tischler wird Mitglied der Freien Wähler, Stadtrat, Bürgermeisterkandidat. Mit den Mitbewerbern ist er befreundet, der Sieg in der Stichwahl wird ihm nicht geneidet. Das kommunalpolitische Geschäft kennt er von Berufswegen. Tischler kann auf eine kompetente Verwaltung bauen und auf seinen Vorgänger Arnold Kimmerl, der ihn zum Amtsantritt überall vorstellt. "Es gibt auch Vorgänger, die Dir nur den Schlüssel in die Hand drücken", weiß Tischler Kimmerls Entgegenkommen heute noch zu schätzen.
Gleich zu Beginn warten schwierige Themen, erinnert sich Tischler an "Windpark Pamsendorf" und Paintballanlage. Der Alltag, das ist eine Basis für ein gutes Leben in Pfreimd schaffen. Schwerpunkte sind das neue Baugebiet, der Dauerbrenner Kellerwegsanierung, Straßen-, Wasserleitungs- und Kanalbau, Kinderspielplätze. Die weitere Nutzung des Haas-Hauses ist in trockenen Tüchern. Das alles ist möglich, weil die Chemie, der Infofluss stimmt: Im Stadtrat, im Rathaus, mit Politikern verschiedener Coleur.
In Pfreimd sind übrigens schon die Kinder stadtratserfahren. St. Martin hat den Bürgermeister zu einer coolen "Strategiesitzung" eingeladen. "Ihr seid der Wahnsinn" kommentiert er. Das "gewichtigste" Geschenk kommt von den Abgeordneten Karl Holmeier und Marianne Schieder. Bisher hätten Kommunen bei der Beseitigung der höhengleichen Bahnübergänge bluten müssen. Diese Bürde wird wohl entfallen. "Ich glaube, mir und der Stadt wurden gerade 700 000 Euro geschenkt", freut sich Tischler.
Er ist zufrieden. Mit der Finanzausstattung - dank guter Gewerbesteuer - und mit dem Schuldenabbau. Die Stadt fährt gut mit dem Haushaltskonzept "was kommt, was schaffen wir, was können wir uns leisten". Er geht übrigens "mit Stift und Zettel in der Jackentasche" einkaufen, notiert alle Anliegen, denn für den einen sei eine gebrochene Gehsteigkante, für den anderen ein Grundstück im Gewerbegebiet wichtig. Tischlers Steckenpferd sind Hochzeiten. Über 100 Ehen hat er geschlossen. Bei der Trauung seiner Tochter durfte er nur die Rede halten. Doch die hat den Anwesenden so gefallen, dass es gleich wieder zwei "Anschlussaufträge" gab.
















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