12.01.2021 - 15:49 Uhr
PfreimdOberpfalz

Als der Frater mit dem Skibob zur Messe düste: OWV bewahrt auf dem Eixlberg bei Pfreimd sein Andenken

Mit flatternder Mönchkutte saust der Frater im Skibob Marke Eigenbau den Eixlberg hinunter. Er ist auf dem Weg zur Morgenmesse. Der Oberpfälzer Waldverein sorgt dafür, dass dieses Bild aus alten Tagen nicht vergessen ist.

OWV-Wegewartin Renate Hüther fühlt sich im Fahrradsattel sicherer als auf dem Skibob von Frater Plaschko. Für Oberpfalzmedien hat sie das Sportgerät von anno dazumal trotzdem ausprobiert.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Die Schneedecke in der Adventszeit ist noch ein wenig dünn, und der Skibob von Frater Josef Plaschko war schon lange nicht mehr im Einsatz. Die eiserne Konstruktion hat etwas Rost angesetzt, der Ledersattel einen Riss bekommen. Doch die Augen von Josef Hösl leuchten, wenn er von dem guten Stück erzählt und ein Bild aus der Vergangenheit heraufbeschwört: "Damit ist der Frater Josef Plaschko in den 60er Jahren jeden Morgen den Berg hinunter gefahren", berichtet der Vorsitzende des Oberpfälzer Waldvereins Pfreimd. Nicht irgendeinen Berg, sondern den Eixlberg, der ihm jahrelang ein Eremiten-Dasein gesichert hat.

Er ist wirklich jeden Tag zur Messe, er muss wohl ein Gelübde abgelegt haben", meint der 69-Jährige. "Da wird er über den Kirchsteig gefahren sein", spekuliert OWV-Wegewartin Renate Hüther, die für den Pressetermin mit Oberpfalz-Medien das antiquierte Sportgerät einem Test unterzieht. "Also ich hätte da Angst, wenn ich damit den Berg runter müsste", gibt sie zu. Der OWV-Vorsitzende hat eine andere Theorie. "Der ist über den Vierer-Wanderweg runter", sagt er und grinst, wenn er an die durchaus steilen Passagen denkt, die auf ziemlich direktem Weg in den Pfreimder Ortsteil Untersteinbach führen. Hösl kann diese Vermutung auch mit einer Reihe von Indizien untermauern.

Der OWV kann auf seine Wegewarte bauen

Pfreimd

Mit Initialen

Der Wanderweg Nummer vier ist die kürzeste Verbindung zum Konstrukteur des Skibobs, der sich mit den Initialen S und H auf den Ski-Teilen verewigt hat. Sie stehen für Hans Schuh senior, der am Fuße des Eixlbergs sein Schmiede-Anwesen hatte. An ihn ist der Frater und Eremit wohl im Jahr 1962 mit der Bitte nach einem schnellen, schneetauglichen Gefährt herangetreten. Aber auch der Geistliche selbst war am Bau des Bobs beteiligt, weiß Hösl, der davon ausgeht, dass der Vertreter des Ordens gratis zu der Konstruktion kam. "Beim Schmied hat er dann auch immer den Bob geparkt, wenn er zur Kirche wollte", erzählt der OWV-Vorsitzende. Schließlich ging es den Rest der Strecke zur Pfreimder Pfarrkirche ziemlich flach dahin. So eine Talfahrt, die habe sich damals sicher gelohnt, spekuliert der 69-Jährige, "damals war der Schnee oft 40 bis 60 Zentimeter hoch".

Lange verschollen

Solche Schneehöhen sind inzwischen selten, auch wenn der Eixlberg hoch über dem Pfreimdtal immer ein bisschen mehr weiße Flocken zu bieten hat als die Hügel in Tal-Nähe. Vielleicht war auch das ein Grund dafür, dass der Skibob viele Jahre verschollen war. "Ich wusste, dass es ihn gab, aber nicht, wo er gelandet ist", erzählt Hösl. Durch Zufall kam er mit den Nachfahren des Untersteinbacher Konstrukteurs ins Gespräch, und prompt fand sich der Skibob auf einem Heuboden, gar nicht weit vom früheren "Parkplatz" in Untersteinbach.

Heute ist das Sportgerät mit den in zartem Blau gestrichenen und an der Unterseite mit Spurrillen versehenen Skiern ein Vorzeigeobjekt, das an beschauliche Zeiten erinnert. Ob der Frater damit auch so manchen Sturz erlebt hat? "Mag schon sein, besonders wenn sich die Kutte in den Skiern verfangen hat", überlegt Hösl. Insgesamt etwa sieben Jahre hielt der dem Wintersport nicht abgeneigte Frater auf dem Eixlberg die Stellung, zunächst von 1962 bis 1966 und dann erneut von 1975 bis 1978. Danach ging es jeweils zurück zur Eremitenverbindung Frauenbrünnl bei Bad Abbach, wo der sportliche Ordensmann schließlich die Aufgabe eines Altvaters übernahm. Die Aufgaben des Fraters, Kirchenpflege, Mesnertätigkeit und Betreuung von Wallfahrern, fielen dem Oberpfälzer Waldverein zu. Der Verein hatte zunächst als Pächter die Klause in Schuss gehalten und ist seit 2015 Eigentümer.

War es früher der Eremit, der Wallfahrer bewirtet hat, so ist jetzt der Verein zuständig für die Verpflegung von Wanderern. Momentan ist in der Emmausklause auf dem Eixlberg allerdings Corona-und Winterpause. Mit dem Schlitten, auf Skiern oder mit dem Bob bis ins Tal, das funktioniert eher selten, aber gerodelt wird durchaus noch auf dem Eixlberg, meistens aber nur ganz oben direkt am Hang neben der Barbara-Kirche. Nur mit dem Glockenläuten von Hand ist es seit dem Weggang von Frater Plaschko endgültig vorbei, diesen Job tut schon lange eine elektrische Anlage. Doch wenn es um 19 Uhr Zeit ist fürs Angelus-Läuten auf dem Berg, dann ist es Brauch, dass so manch heitere Gesellschaft in der Klause für kurze Zeit verstummt. Ein Moment, sich an die frommen Eremiten zu erinnern – und ihren Erfindungsgeist.

Hintergrund:

Von Einsamkeit zur Geselligkeit

  • Emmausklause: Seit 1975 wird das Gebäude neben der St.-Barbara-Kirche vom Oberpfälzer Waldverein genutzt. Zuvor war es Unterkunft eines Einsiedlers. Die Klause bietet eine Einkehrmöglichkeit für Wanderer. Wegen der Corona-Pandemie ist für die nächste Saison lediglich eine Bewirtung im Außenbereich geplant.
  • Anfahrt: Für Autos ist die Auffahrt in der Regel gesperrt. Zum Gipfel des Eixlbergs mit der Barbara-Kirche führen viele Wege. Den kürzesten Zugang bietet ein Parkplatz, der über eine Abzweigung an der Straße von Pfreimd nach Saltendorf zu erreichen ist.
  • Öffnungszeiten: normalerweise immer am Samstag von 14 bis 18 Uhr und an Sonn- und Feiertagen von 14 bis 19 Uhr, aktuell wegen der Corona-Pandemie geschlossen.

 

 

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