23.02.2020 - 16:03 Uhr
PfreimdOberpfalz

Ein Friedhof schreibt die Geschichte neu

Wenn Hans Losert den frühmittelalterlichen Friedhof von Iffelsdorf beschreibt, eröffnet sich ein Bild von Völkerwanderung, Migration und den Pfreimder Ahnen, den Slawen. Die Zuhörer freut, dass ihre Vorfahren durchaus gut situiert waren.

Nur Hans Loserts kleiner Tochter war der Abend etwas lang, alle anderen Gäste hätten dem Archäologen, der es versteht, Geschichte kurzweilig aufzubereiten, noch lange zuhören können. Die Initiative zu dem Vortrag ging von den Lion Clubs Schwandorf und Oberpfälzer Wald aus. Matthias Graf (links) und Peter Eckstein (rechts) freuten sich sehr, dass das Angebot auf so großes Interesse stieß.
von Claudia Völkl Kontakt Profil

Hans Losert ist federführend bei den archäologischen Ausgrabungen auf den Iffelsdorfer Kapellenäckern. Bevor er im Bürgersaal die Ergebnisse schildert, ergreift "Hausherr" Bürgermeister Richard Tischler kurz das Wort. Wenn der Name Iffelsdorf falle, brauche für Vorträge kaum geworben werden. Rund 100 Zuhörer sind gespannt darauf, welch neue Facetten bei den seit 2011/12 laufenden Grabungen entdeckt wurden.

Tischler dankt den Sponsoren, den Lions Clubs Schwandorf und Oberpfälzer Wald, Bezirk und Landtag für die finanzielle Unterstützung. Ebenso der Familie Reil: Die Eigentümer haben die Funde der Stadt geschenkt. Und ohne die Archäologiestudenten der Universitäten Bamberg und Wien, die jährlich im September zu Grabungsarbeiten anrücken und von Kurt Engelhardt, dem Kreisheimatpfleger für Archäologie unterstützt werden, würde den Pfreimdern wohl inzwischen etwas fehlen.

Aufsehen erregten 2011 die Gräberfunde auf dem Gelände der Firma Gerresheimer. Beispielsweise "Grab 75" mit 110 Olivenperlen aus dem achten Jahrhundert. Hans Losert schwenkt nach diesem "Appetizer" zu den Kapellenäckern bei Iffelsdorf, ein Bereich, in dem schon in den 1950er Jahren beim Straßenbau frühslawische Gefäße entdeckt wurden. Nach "Gerresheimer" wird der Acker für Jahre Grabungsschwerpunkt für Dr. Hans Losert und Professor Dr. Erik Szameit.

Losert zeigt Bilder von Gefäßen, Schläfenringen und Glasperlen, die in Mähren verbreitet waren und von den Awaren geschätzt wurden. Hübsch das bunte Millefiori-Design: Die Vorfahren hatten Geschmack. Die Studenten stießen auf Feuerstellen und Gefäße, die über den Gräbern standen. Die Angehörigen speisten hier zu Ehren ihrer Verstorbenen.

Archäologenherzen schlagen höher. Ein Langsax (Hiebwaffe) lässt auf eine Besiedelung um 700 schließen. 2013 wird das reichste Grab in Nordbayern entdeckt. Es ist die letzte Ruhestätte eines jungen Kriegers mit spätawarischer Gürtelgarnitur - wohl ziemlich einmalig in Deutschland. Hans Losert zeigt auf eine Riemenzunge, deren figürliche Darstellung Sonnenfinsternis, Tod und Wiedergeburt symbolisiert. Die gleiche Symbolik findet sich in Persien. Bei den jüngsten Grabungen in Nähe der Kapelle stieß man auf ovale Steinkreise, auf markierte Grabstellen. Was wird heuer zu entdecken sein? Das Grabungsteam ist in der zweiten Septemberhälfte wieder vor Ort, so Hans Losert. "Wir freuen uns immer über Besuch".

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