15.02.2019 - 16:39 Uhr
PfreimdOberpfalz

Gerüstet für Tanz mit dem "Wolf"

Fünf Eisenbahnzüge mit Fahrzeugen und Container sind in Litauen angekommen. Rund 350 Soldaten aus der Oberpfalzkaserne in Pfreimd nehmen das Material in Empfang. Der "eiserne Wolf" ist nicht mehr allzu fern.

Reisen mit schwerem Gepäck: Hier lädt die Bundeswehr gerade Panzer ab, die mit der Bahn nach Norden transportiert wurden.
von Monika Bugl Kontakt Profil

"Iron Wolf" (übersetzt "eiserner Wolf") lautet das Stichwort für eine militärische Großübung, die der Höhepunkt werden soll beim Litauen-Einsatz. Die Oberpfalzkaserne in Pfreimd hat dafür insgesamt rund 350 Soldaten abgestellt, gut die Hälfte aller Deutschen, die dort zusammen mit niederländischen und tschechischen Kollegen stationiert sind. "Am 10 Februar sind die letzten in den Flieger gestiegen, jetzt sind alle angekommen", berichtet der stellvertretende Pfreimder Kommandeur Christian Märkl.

Es ist extrem ruhig auf den Fluren der Kaserne, als der Oberstleutnant zum Pressegespräch in die Diensträume bittet. Über die Hälfte der Belegschaft weilt im Norden. "Der Verlege-Prozess ist abgeschlossen", heißt das im Bundeswehrjargon. Das Gepäck war nicht gerade leicht. Fünf Eisenbahnzüge mit fast 150 Fahrzeugen, darunter 30 Kettenfahrzeuge, gehörten dazu. Außerdem wurden etwa 70 Container nach Litauen verfrachtet. "Jetzt finden sich die Einheiten zusammen", berichtet Märkl. Nach dem Auspacken und Überprüfen des Material steht bereits die erste Ausbildungs-Etappe vor der Tür: "Kälte-Ausbildung" ist dann angesagt. Frieren müssten die Soldaten dort im hohen Norden aber nicht, beruhigt der stellvertretende Kommandeur. Aktuell würden am Standort Rukla keineswegs arktische Temperaturen herrschen, es sei lediglich ein paar Grad kälter.

Wie Märkl berichtet, wurden die Soldaten extra noch mit warmer Unterwäsche ausgestattet, der Dienstherr habe eine gute Ausrüstung gestellt. "Ein Soldat, der nass ist oder friert, ist selber schuld", appelliert der Oberstleutnant an die Eigenverantwortung der Truppe, sich auch entsprechend zu kleiden. "Was die Kameraden mehr befürchten, sind die Viecher, die im Frühling kommen, wenn es in den sumpfigen Gebieten dort wärmer wird". Die Bundeswehr hat sich deshalb auch für Mücken-Abwehr eingedeckt.

Gespannt sind die Pfreimder vor allem auf die Zusammenarbeit mit den Niederländern. Die haben "Tactis" eingepackt: ein Computer-Simulationssystem, das via See-Container transportabel war. Die Soldaten können sich so mit dem Innenleben eines Panzers vertraut machen, bevor sie zum größeren Übungsplatz 100 Kilometer weiter östlich nach Pabrade aufbrechen. In dem Außenlager für rund 500 Leute wird dann auch scharf geschlossen. Regulär aber sind die Soldaten in Rukla stationiert, wo die Litauer extra eine Kaserne für die willkommenen Gäste aus dem Süden geräumt haben. "Die sind froh, dass wir da sind", bestätigt Märkl. Spätestens nach den Entwicklungen in der Ukraine und auf der Krim sei das Interesse an derartigen Solidaritätsbekundungen enorm. "Ein Einzelzimmer ist allerdings nicht drin", schränkt der stellvertretende Kommandeur mit einem Schmunzeln ein und verweist auf die mitgeführten Wohn-Container für zwei bis drei Personen. Weil die Bundeswehr mit einem langfristigen Engagement in Litauen rechnet, wird derzeit fleißig umgebaut.

Umstellen müssen sich die Soldaten vor allem, was die Kommunikation angeht. "Bei der täglichen Arbeit ist Englisch gefragt", weiß der 43-jährige Stellvertreter, "auch das ist für den ein oder anderen ein kleiner Lernprozess". Und wie sieht das mit der Verpflegung aus? "Das passt", berichtet der Oberstleutnant - obwohl nicht jeder von der litauischen Küche begeistert sei, die schwerpunktmäßig auf Kartoffeln setzt. Ein paar Feldköche aus Deutschland sorgen zusätzlich dafür, dass keiner verhungern muss.

Die Bundeswehr kümmert sich aber auch um die Familien der Soldaten. Einmal im Monat ist der Sonntag für ein Familientreffen reserviert mit Infos, Video-Schaltung, Sozialberatung und Ausflügen in die Umgebung. Immerhin sechs Monate sollen die Soldaten in Litauen ausharren. Zwei Wochen Heimaturlaub sind da drin, aber nicht gerade dann, wenn die Großübung "Iron Wolf" im Juni vor der Tür steht, laut Märkl das "Highlight" des Aufenthalts: ein internationales Zusammenspiel mit scharfem Schuss und Marschbewegung. Eigens dazu wird kurzfristig noch Verstärkung für Aufklärung und Artillerie aus Weiden eingeflogen.

Info:

Feldpost von der "Flamme"

Die Kommunikation mit den Soldaten ist gesichert: Das steht für den stellvertretenden Pfreimder Kommandeur Christian Märkl fest. Nicht nur, weil man in dem EU-Land "hinter jeder Milchkanne guten Empfang hat". Die Bundeswehr setzt bei allem Vertrauen in Elektronik auch auf die Post, die Päckchen und Briefe aus der Heimat nach Litauen befördert. Damit das Feldpostwesen perfekt funktioniert, wurden Post-Mitarbeiter als Reservisten für den Einsatz in Litauen gewonnen, und mit der Deutschen Post wurde eine Kooperation vereinbart. Der Zusatz "über Feldpost" soll dann genügen, damit über das Postzentrum in Darmstadt die Sendung zu ganz normalen Inlands-Gebühren bei den Empfängern in Litauen ankommt. "Da freut sich jeder, wenn so ein Päckchen von daheim kriegt", meint Märkl angesichts ganz spezieller Wünsche wie hausgemachter Marmelade. "Und mancher junge Kamerad entdeckt dann auch, dass so ein handgeschriebener Brief von der Flamme daheim doch etwas ganz Besonderes ist."

Vorwiegend mit Auspacken waren die Pfreimder Soldaten, die derzeit in Litauen stationiert sind, in den vergangenen Tagen beschäftigt.

Ein Soldat, der nass ist oder friert, ist selber schuld.

Stellvertretender Kommandeur Christian Märkl

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