31.10.2019 - 11:00 Uhr
PfreimdOberpfalz

Haas-Haus in Pfreimd abgerissen

Operation gelungen: Das Haas-Haus in Pfreimd ist weg. Nur noch ein Schuttberg ist übrig vom ehemals modernen Anbau der Kaufmannsfamilie Haas. Der Abriss weckt Erinnerungen an goldene Zeiten.

von Monika Bugl Kontakt Profil

Die OP mitten im Ortskern schien nicht ganz ohne Risiko: Für vier Tage war die Leuchtenberger Straße komplett gesperrt. Die Anwohner sollten vor großen Erschütterungen verschont werden, und das angrenzende denkmalgeschützte Haus mit dem rosafarbenen Putz musste den Angriff der Bagger unbeschadet überstehen. Dieses ältere Bauwerk der Familie Haas bleibt als Denkmal an eine Zeit, als die Eisenwarenhandlung fast alle Wünsche der Bürger aus Pfreimd und einem größeren Umkreis erfüllen konnte: von der Spezialschraube bis zur Klobürste.

Viele Schaulustige hatten sich in den vergangenen Tagen an der Kreuzung eingefunden, die nach den Eigentümern der Kaufmannsfamilie in Pfreimd als Haas-Kreuzung bekannt ist. "Gerade bei den älteren Menschen mischte sich viel Wehmut in den Anblick der bröckelnden Mauern", berichtet Robert Eger, Mitarbeiter des Pfreimder Bauamts und Hobbyfotograf. Der 36-Jährige hat seine Pausen genutzt, um dreimal täglich den Fortschritt der Abbrucharbeiten zu dokumentieren. Er platzierte ein acht Meter hohes Stativ aus Fiberglas an zwei ausgewählten Standorten und bekam so eine perfekte Sicht auf die Abbruchstelle. Standort Nummer ein war der "NKD" im Kreuzungsbereich, der zweite Ausgangspunkt war die Raiffeisenbank. Jeweils gegen 9.30 Uhr, mittags, und am späten Nachmittag gegen 16.30 Uhr war er mit seiner Kamera zur Stelle, um die Fortschritte festzuhalten. Herausgekommen ist eine professionelle Bilderserie, die er nun auch Oberpfalz-Medien zur Verfügung gestellt hat.

"Am spannendsten war der Moment, als die Dachhaut weg war", schildert er die Etappen, die auch ein Fall fürs Archiv sind. Dass so viele Bürger dem "guten alten Haas" nachtrauern, kann er verstehen. Auch für ihn war es schon etwas seltsam zu sehen, wie Jahre nach Schließung des Geschäfts mit Wohnhaus in einer Vorratskammer noch reihenweise Eingewecktes stand, "gerade so, als hätte jemand die Haustüre zugemacht, um kurz wegzugehen".

Eine vorläufige Bilanz über den Abbruch gab es auch bei der Stadtratssitzung am Mittwoch. "Alles läuft planmäßig und ohne besondere Vorkommnisse", informierte Bürgermeister Richard Tischler. "Die Sicherungsmaßnahmen an dem denkmalgeschützten Gebäude zeigen Erfolg", bekräftige Verwaltungsleiter Bernhard Baumer mit Blick auf den Altbau, der nun das Gebäude aus den 50er Jahren überlebt hat. "Manchmal hat es bei uns aber ganz schön gewackelt", berichtete Stadträtin Johanna Mertins, die ihre Praxis in unmittelbarer Nachbarschaft zur Baustelle hat. Und das trotz der Anweisung an das Unternehmen, "erschütterungsarm" abzubrechen, so Baumer. Davon, dass die Firma vorbildlich gearbeitet hat, zeigte sich der Bürgermeister in der Sitzung überzeugt.

"Sehr gut gelaufen" ist laut Baumer aber auch die Verkehrsregelung während der Abbruch-Arbeiten. Man habe sich diesen "Demo-Betrieb für eine Ampel" viel schlimmer vorgestellt. Täglich etwa ein Lkw hatte die Umleitung ignoriert oder übersehen und musste rückwärts wieder raus aus der Leuchtenberger Straße. Durch die Baulücke präsentiert die Stadt nun ein neues Gesicht. Das lässt aus Richtung Marktplatz Platz für eine Rechtsabbiegespur in Richtung Autobahn. Für einen ursprünglich anvisierten Kreisel hat es aber nicht gereicht.

Info:

Zur Person

Hobbyfotograf Robert Eger ist Mitarbeiter im Pfreimder Bauamt, kommt aus Trausnitz und ist inzwischen auch nebengewerblich mit seine Kamera unterwegs. Der 36-Jährige fotografiert schwerpunktmäßig Landschaft, Makro-Motive, Architektur sowie Porträts und Veranstaltungen. Außerdem produziert er Panoramabilder in 180 oder 360 Grad.

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