03.12.2019 - 11:58 Uhr
PfreimdOberpfalz

Von den Kelten bis zu den Slawen

Von der Steinzeit über die Hallstattzeit bis zum Frühmittelalter: In Pfreimd gibt es viel zu entdecken, wenn an der richtigen Stelle gegraben wird. Kurt Engelhardt berichtet über die archäologischen Grabungen des letzten Jahres.

Auf Einladung des Heimatkundlichen und Historischen Arbeitskreises „Der Stadtturm“ referierte der Kreisheimatpfleger für Archäologie, Kurt Engelhardt (links), im Bürgersaal über drei Grabungen, die 2019 in Pfreimd stattfanden und viele Funde aus der Hallstatt- und Latènezeit zu Tage förderten. Der stellvertretende Vorsitzende Hans Paulus (rechts) freute sich über die zahlreichen Besucher.
von Redaktion ONETZProfil

Auf enormen Zuspruch stieß ein Vortrag von Kreisheimatpfleger Kurt Engelhardt beim Heimatkundlichen und Historischen Arbeitskreis "Der Stadtturm", denn der Bürgersaal war fast komplett gefüllt. Der stellvertretende Vorsitzende Hans Paulus konnte mit Richard Tischler, Johanna Mertins und Hubert Betz gleich alle drei Bürgermeister der Landgrafenstadt begrüßen. Außerdem freute er sich über die Anwesenheit von Kreisheimatpflegerin Birgit Angerer, den stellvertretenden Landrat Arnold Kimmerl und Ernst Thomann.

Engelhardt referierte mit zahlreichen Abbildungen und Fotografien über drei archäologische Grabungen, die im vergangenen Jahr in Pfreimd stattfanden. Dabei verstand der Referent es ausgezeichnet, die interessierten Zuhörer über die Ergebnisse zu informieren und ließ zu keiner Zeit Langeweile aufkommen. Zuerst gab Engelhardt einen fundierten Überblick über den zeitlichen Rahmen denen die zahlreichen Fundstücke, meist Scherben von Alltagsgegenständen, zuzuordnen sind. Sie stammen hauptsächlich aus der Hallstattzeit und Latènezeit, welche von circa 800 v. Chr. bis Christi-Geburt andauerten.

Im Zentrum des Siedlungsgebiets

Kulturelle Protagonisten dieser Zeit waren die Kelten, die damals weite Teile Mitteleuropas besiedelten und die durch spätere Wanderungen auch bis England, Spanien und in die Türkei gelangten. Engelhardt bezeichnete das "Volk, das aus dem Dunkeln kam" als "erste Europäer", die vor allem durch ein einheitliches Sprachsystem und einen schwunghaften Handel mit einem eigenen Geldsystem verbunden waren. Pfreimd lag im Zentrum dieses großen Siedlungsgebiets und dort an der Schnittstelle zwischen dem Westhallstatt- und Osthallstattkreis. Daher sind die archäologischen Funde an dieser Stelle so zahlreich und auch vielfältig.

Die erste Grabung, die der Kreisheimatpfleger vorstellte, erfolgte direkt in Pfreimd an der Nabburger Straße auf einem Privatgrundstück und wurde durch eine Fachfirma ausgeführt. In der unmittelbaren Umgebung wurden in den 1970er Jahren schon Funde aus der Steinzeit (rund 2000 v. Chr.) und der Keltenzeit gemacht. Daher war es nicht verwunderlich, dass auch bei dieser Grabung interessante Fundstücke zutage kamen. So wurden Fragmente eines Vorratsgefäßes aus der Hallstattzeit mit einer dekorativen Kerbschnittleiste und eine Klinge aus Hornstein mit Abschlägen aus der Steinzeit gefunden. Diese deutet darauf hin, dass es hier schon vor rund 4000 Jahren eine kleine Siedlung an einem Wasserlauf gab, der um 1280 zugeschüttet wurde.

Bei einer Notbergung im nördlichen Bereich des Stockfelds unmittelbar am Autobahnkreuz Oberpfälzer Wald konnte der Archäologe Engelhardt in einer Abfallgrube aus der Latène-Zeit zahlreiche Scherben bergen, die sogar eine Rekonstruktion der Gefäße erlauben. Typisch für diese Zeit ist die umlaufende, alternierend getupfte Wandlippe als Dekorationselement.

Schon seit 2012 laufen jedes Jahr im Süden von Iffelsdorf auf dem Kapellenfeld unterhalb des Eixlbergs durch die Universitäten Wien und Bamberg umfangreiche Grabungsarbeiten. Dabei wurde eine Nekropole mit Gräbern aus dem 7., 8. und 9. nachchristlichen Jahrhundert entdeckt.

Anschaulich geschildert

Auch 2019 rückten wieder zahlreiche Wissenschaftler an und entdeckten weitere zehn slawische Grablegungen mit den typischen Steinsetzungen und Grabbeigaben, wie einen prächtigen Schläfenring mit Vierpassperlen. Aber auch Funde aus der Bronzezeit und dem Hochmittelalter konnten gemacht werden. Anschaulich schilderte Kurt Engelhardt den harten Grabungsalltag und die notwendigen Schritte, damit die Artefakte aus der Vergangenheit auch in Zukunft erhalten bleiben. Zum Abschluss dankte Hans Paulus den Heimatpfleger für seine anschaulichen Ausführungen. Aber auch für "seinen ehrenamtlichen Sklavendienst bei den Grabungen auf allen Vieren" galt die Anerkennung des Stadtturms und aller Zuhörer.

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