05.02.2019 - 11:26 Uhr
PfreimdOberpfalz

Kritik am Trassenverlauf

Tennet-Vertreter stellen sich einer Diskussionsrunde. Die Reaktionen der Bürgermeister, die vom Trassenverlauf des Süd-Ost-Links betroffen sind, reichen von kritischen Anmerkungen bis hin zu heftiger Kritik.

Der Pfreimder Bürgermeister Richard Tischler erklärte den Tennet-Vertretern Andreas Herath und Jörg Hüber (von links) seine Einwendungen.
von Christopher Dotzler Kontakt Profil

Die Bundestagsabgeordneten Marianne Schieder (SPD) und Karl Holmeier (CSU) verfolgen das gleiche Ziel: Sie wollen die Energiewende vorantreiben. Gerade der Süd-Ost-Link sorgt bei den Kommunen für Diskussionsbedarf und Ärger. Deshalb haben die beiden Bundespolitiker Tennet-Vertreter sowie Bürgermeister und Stadt- und Gemeinderäte am Samstagvormittag in der Landgraf-Ulrich-Halle in Pfreimd an einen Tisch gebracht.

Der Trausnitzer Bürgermeister Martin Schwandner nutzte die Gelegenheit zu einem Rundumschlag gegen den niederländischen Stromnetzbetreiber Tennet. Er warf dem Unternehmen vor, den Verlauf der Gleichstromtrasse nach rein wirtschaftlichen Kriterien geplant zu haben. "Ich bin nicht gegen die Trasse. Aber ich bin nicht einverstanden, wie Politik und Tennet an die Sache herangegangen sind", sagte Schwandner. Für ihn sei es unverständlich, wie man dem künftigen Betreiber der Trasse die Planungshoheit geben könne. "Wir müssen es uns heute gefallen lassen, dass die Trasse aus Gründen der Wirtschaftlichkeit im Zickzack-Kurs verläuft." Bisherige Informationsrunden, zu denen Tennet eingeladen habe, seien für den Bürgermeister "gestohlene Zeit" und "Pseudo-Veranstaltungen" gewesen.

"Hindernisse und Hürden"

Tennet-Projektleiter Andreas Herath widersprach den Darstellungen Schwandners. Vielmehr habe das Unternehmen neben der Wirtschaftlichkeit auch die Umweltbelange und die Konfliktfähigkeit in den Fokus gerückt. Herath verdeutlichte bei dem Treffen: "Es gibt nicht den perfekten Korridor. Es gibt überall Hindernisse, Hürden und Konflikte."

Einige dieser Hürden und Konflikte schilderte der Pfreimder Bürgermeister Richard Tischler. So führt die Trasse direkt unter einem Silo eines Aussiedlerhofes hindurch (Tischler: "Das muss geändert werden"). Außerdem befürchtet der Bürgermeister, dass aufgrund des Verlaufs das Ökokonto Graßlwöhr, auf das die Stadt angewiesen sei, an Qualität verliere. Tischler warf erneut die Frage auf, warum eine Bündelung der Trasse entlang der Autobahnen nicht forciert wird. Schließlich hat die Kommune noch ein hydrologisches Gutachten in Auftrag gegeben, weil der Trassenverlauf auch "haarscharf" am Wasserschutzgebiet vorbeiführt. Tischler befürchtet, dass gefährdende Stoffe ins Trinkwasser gelangen könnten und sieht die Gefahr einer Drainagewirkung. Der Bürgermeister erklärte: "Es betrifft ein Drittel unseres Trinkwassers. Da verstehen wir keinen Spaß." In Weihern rücke der Süd-Ost-Link zudem zu nah an das Gewerbegebiet heran.

Bau im Jahr 2025

Jörg Hübner, Genehmigungsplaner von Tennet, erklärte, dass der geplante Korridor eine Breite von 1000 Meter habe. Der Verlauf der Trasse kann so verschoben werden, dass sie nicht unterhalb des Silos verläuft. Prinzipiell gebe es die Maßgabe, dass die Trasse nicht durch Wasserschutzgebiete laufe. Der Fall Pfreimd sei einer von 65, bei dem die Wasserschutzgebiete "randlich betroffen" seien. Zum Schutz will der Stromnetzbetreiber Tonziegel um die Leitungen anbringen. Das Ökokonto Graßlwöhr könnte weit genug untergraben werden, versicherte Hübner. Herath ergänzte noch, dass die Bündelung an der Autobahn geprüft worden sei. Sie sei aber "mit deutlichen Nachteilen versehen".

Konrad Kiener, Bürgermeister in Wernberg-Köblitz, hatte am Samstag kaum Forderungen an den Stromnetzbetreiber. Lediglich bei dem alternativen Verlauf der Gleichstromtrasse stelle sich die Frage, ob die Leitungen 40 Meter an einer Bebauung vorbeiführen müssten. Außerdem müsste man sich die ausgewiesenen Flächen für Windkraftanlagen im Nordosten des Marktes noch einmal anschauen. Hübner erklärte, dass es bautechnisch kein Problem sei, die Trasse durch einen Windkraftpark zu führen.

In diesem Jahr soll für den Süd-Ost-Link das Planfeststellungsverfahren eingeleitet werden. Bau und Inbetriebnahme sind für das Jahr 2025 vorgesehen. Holmeier betonte, dass man derzeit in einer Phase sei, in der die Kommunen noch Einwendungen einbringen könnten, die Berücksichtigung fänden. "Auf die Belange der Kommunen muss eingegangen werden", forderte der Bundestagsabgeordnete. Hinsichtlich des Gewerbegebiets Söllnitz regte er an: "Das Gewerbegebiet in Trausnitz kann erweitert werden, die Trasse beeinträchtigt das nicht - können wir uns darauf einigen?" Der Tennet-Projektleiter bestätigte das - auch auf mehrmaliges nachhaken von Holmeier.

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