30.10.2018 - 15:22 Uhr
PfreimdOberpfalz

Letzte Ruhe unter Baumkronen

An Allerheiligen gedenken die Christen ihrer verstorbenen Angehörigen. Nachdem Feuerbestattungen auf dem Vormarsch sind, wird es bei den jährlichen Familientreffen am Urnengrab eng. Bestatter Peter Stubenvoll berichtet von den Trends.

Fast wie ein kleiner Park: Auch bei den neuen Urnenbäumen im Friedhof in Pfreimd übernimmt Bestatter Peter Stubenvoll auf Wunsch den Blumenschmuck. Jeder Baum hat 24 Segmente für insgesamt 48 Urnen. Eine Bronzetafel erinnert an den Verstorbenen.
von Gertraud PortnerProfil

Die Bestattungskultur kann sich den individuellen Lebensentwürfen nicht entziehen: Traditionen und Strukturen verändern sich auch in Bezug auf Sterben und Tod. "Urnen liegen im Trend, auch wenn eine Feuerbestattung nicht preiswerter als eine herkömmliche Beerdigung ist", sagt Peter Stubenvoll vom gleichnamigen Bestattungsinstitut in Pfreimd. Er ist auf 13 Friedhöfen in der Region tätig und beziffert den Anteil auf rund 50 Prozent, Tendenz steigend. Etwa ein Drittel der Urnen werden "klassisch" im Familiengrab beigesetzt. Der Trend gehe aber eindeutig hin zu alternativen Bestattungsarten, ohne Verpflichtung zur Grabpflege für die Hinterbliebenen. Am Friedhof in Pfreimd sind die Kammern in den drei Urnenwänden derzeit voll belegt. Neue Ruheplätze gibt es seit Oktober 2017 unter den vier Urnenbäumen, die wie ein kleiner Park angelegt sind.

Schreinermeister Peter Stubenvoll (56) hat sich im Jahr 1990 ein zweites Standbein aufgebaut, als am Ort ein Totengräber gesucht wurde. "In unserem Berufsbild ist auch Sargmacher oder Bootsbauer enthalten", erklärt er schmunzelnd. Die Särge werden überwiegend zugekauft, doch es gibt auch individuelle Anfertigungen. Sohn Max (29) ist hier sehr kreativ und hat hochwertige Särge mit Lack-Effekt, marmoriert oder mit einer untergehenden Sonne in Airbrush-Technik angefertigt. Der Junior ist ebenfalls Meister, so dass sich Vater und Sohn gegenseitig in Schreinerei und Bestattung vertreten können. "Jetzt hab ich auch ein Wochenende frei", freut sich der Senior, der ansonsten 365 Tage im Jahr rund um die Uhr erreichbar ist. "Aber das ist halt so, das passt schon!", ergänzt er. In der Ausstellung zeigt er auf das Trendmodell 2018: eine Sargtruhe in Wildeiche. Gegenüber steht ein einfaches Exemplar aus Fichte mit Holzgriffen. Hier wird der Verstorbene überwiegend ins Krematorium nach Regensburg oder Hohenburg gefahren. Spätestens nach drei Werktagen ist die Asche in der Urne zurück. Etwa 30 verschiedene Modelle stehen auf dem Fensterbrett: in Holz, Metall oder Öko (biologisch abbaubar). Stubenvoll erinnert sich an eine mundgeblasene Bleikristall-Urne aus dem Bayerischen Wald - doch überwiegend würden Metall-Modelle genommen (Bio darf nicht in die Urnenwand). Vom Totengräber zum Event-Manager: Das Beerdigungsinstitut übernimmt nicht nur Erd- und Feuerbestattungen - er erledigt auf Wunsch auch alle Formalitäten, Überführung ("egal ob Russland oder Kalabrien") und gibt Todesanzeige, Sterbebilder sowie Sarggesteck oder Urnenkranz in Auftrag. Bei Atheisten wird ein Trauerredner verpflichtet, der auch in Pfreimd öfters zum Einsatz kommt. Die Einzelheiten werden im Trauergespräch abgeklärt. "Heute wird viel mehr auf den Preis geschaut", betont Stubenvoll. Nachdem die offene Aufbahrung nur noch in Einzelfällen gewünscht wird, habe sich die Sargausstattung zum einfachen hin entwickelt. Auch werde die Gesellschaft immer offener: Bei der Vorsorgeregelung wird der Ablauf der Beerdigung schon zu Lebzeiten besprochen.

Bestattungsfachkraft ist bundesweit seit 2007 ein dreijähriger anerkannter Ausbildungsberuf im Handwerk und zunehmend für Frauen interessant. "Wir haben öfters Praktikanten, aber für eine Ausbildung sind wir zu klein", sagt Stubenvoll, der bei wenig "Kundschaft" auf Türen und Küchen wechselt.

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